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Eine besondere Rolle im Aberglauben spielte die magische Übertragung. Das Blut, das Herz, die Nieren galten als Sitz der menschlichen Seele und damit aller Eigenschaften, die ein Mensch besaß. Wollte man sich diese aneignen, so mußte man die betreffenden Körperteile verzehren.

Beschreibung

Übertragungszauber nutzte man z.B. bei Heilzaubern, bei denen kranke Glieder nachgebildet und diese Nachbildungen an geweihter Stätte niedergelegt wurden. So hoffte man, dass die Glieder genesen. An gewisse Dinge, besonders an Bäume, glaubte man, sei das Leben, das Geschick der Menschen geknüpft: hieraus entstand der Glaube an die Schicksalsbäume, der unter anderem die harten Strafen erklärt, die noch im ganzen Mittelalter auf Baumfrevel gesetzt waren [1].

Menschliche Trägermedien

Es gibt fast kein Ding, fast keine Erscheinung in der Natur, fast kein Ereignis im menschlichen Leben, an das sich nicht der Aberglaube knüpfte. Alle diese Medien auch nur anzuführen, würde ganze Bände füllen. Es sollen daher nur einige der wichtigsten und vor allem solche, die sich bei allen germanischen Völkern von alter bis in jüngste Zeit nachweisen lassen, herausgegriffen werden. Der menschliche Körper ist eines der Hauptmedien im Volksglauben.

Der Kopf

Das Haupt galt als Sitz des Verstandes. Deshalb pflegte man den Kopf eines klugen Menschen nach seinem Tode abzuschneiden und aufzubewahren, um ihn zu fragen, wenn es galt, die Zukunft zu erforschen [2]. Noch heute gebraucht man das Haupt von Toten, zumal solcher, die im Leben als Zauberer galten, zu allen möglichen okkulten und rituellen Handlungen.

Das Blut

Eine besondere Rolle spielt das menschliche Blut, da dieses als Sitz des Lebens und somit aller Lebenskräfte, der Eigenschaften der Menschen gilt. Menschen, die ihr Blut mischen und gemeinsam vergiessen, sind für immer miteinander verbunden. Darin wurzelt auch die nordische Blutsbrüderschaft. Vor allem in der Heilkunde und Medizin im Mittelalter begegnet das Blut als Heilmittel gegen alle möglichen Krankheiten, besonders Epilepsie, weshalb man alles aufbot, um in den Besitz von einigen Blutstropfen Hingerichteter zu kommen. Beim Liebeszauber wurde seit alter Zeit dem Menstrualblut wie andererseits dem Semen Virile bindende Kraft zugeschrieben.

Andere menschliche Glieder

Neben dem Blute galten auch andere Glieder als Seelenträger: das Herz, die Leber, die Niere. Zum Diebeshandwerk gehört wie der Finger auch das Herz ungeborener oder neugeborener Kinder, denn es machte den Besitzer unsichtbar. Daher die grausamen Morde schwangerer Frauen. An den Fuß und seine Teile knüpft sich ebenfalls vielfach Liebeszauber.

Kleidung

Aber nicht nur an den Körperteilen, auch an der Kleidung und am Namen des Menschen haftet zahlreicher Aberglaube. Was mit dem Kleidungsstück eines Menschen vorgenommen wird, geschieht mit dem, der es trug.

Namen

Der Name eines Menschen deckte sich ganz mit seinem Träger. Wer jemandem Gutes oder Böses wünschte, brauchte nur den Namen zu nennen, wenn der Wunsch in Erfüllung gehen sollte. Daher verheimlichte selbst Sigurd seinen Namen, als er Fafnir die Todeswunde beibrachte, denn der Fluch eines sterbenden Menschen hatte doppelte Kraft (Lit.: Fafnismal, Kap. 2).

Bildnis / Abbild

Wie der Name, so ist auch das Bild des Menschen der Mensch selbst, und was man mit jenem vornahm, geschah diesem. Gegen die Nachbildungen kranker Glieder, die man an geweihten Orten, besonders an Kreuzwegen niederlegte und die noch heute im Volksglauben, namentlich der katholischen Bevölkerung, eine so wichtige Rolle spielen, eifern bereits der heilige Eligius, der Indiculus superst. und andere Glaubensprediger der frühchristlichen Zeit [3].

Mit dem Bilde des Menschen deckte sich sein Schatten. Er war die den Menschen begleitende Seele, seine fylgja, und wer dem Menschen den Schatten nahm, raubte ihm seine Seele. Daher die Angst vor dem sommerlichen Mittagsgeist, denn in der Mittagssonne des Hochsommers schwandt der Schatten des Menschen fast ganz [4] [5].

Nichtmenschliche Medien

Tiefgewurzelt in der Seele des Volkes ist ferner der Glaube an die übernatürliche Kraft von Steinen, Felsen, Pflanzen, Tiere, der Elemente und von Metallen, die in der Erde gefunden worden und die sich durch ihre Form auszeichnen. Namentlich prähistorische Waffen und Gebrauchsgegenstände geben übernatürliche Kraft, machen unsichtbar, schirmen gegen Krankheits- und andere feindliche Dämonen.

Der Glaube an die Aufenthaltsorte der Seelen von Verstorbenen ließ jenen Berg- und Baumkult entstehen, den fast alle christlichen Glaubensprediger als den wesentlichsten Bestand altheidnischen Glaubens neben dem Feuerkult tadeln und verurteilen [6]. Auch die sprossende Kraft der Erde regte vielfach die Phantasie zum Aberglaube an und gab Veranlassung zu verschiedenen Sitten und Gebräuchen im Frühjahr, die bis heute noch nicht ausgestorben sind (vgl. Mutter Erde).

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Jacob Grimm. "Deutsche Rechtsaltertümer". 4. Ausgabe. 2 Bände. Leipzig 1899. Seite 39
  2. Grundriß der germanischen Philologie. Hrsg. v. H. Paul. 2. Auflage. Straßburg. 1896 — 1909. Band III, Seite 306.
  3. Jacob Grimm. Deutsche Mythologie. Band 4. Ausgabe von E. H. Meyer. 3 Bände. Berlin 1875—78. 4 IH 402 ff.
  4. Rochholz. "Deutscher Glaube und Brauch" Band I, Seite 59 ff.
  5. Archiv für Religionswissenschaft. Freiburg i. B. 1898.
  6. Caspari. "Homilia de sacrilegiis". Seite 17 ff.

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