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Auf die Erweckung und Pflege des Aberglaubens haben auch die Tages- und Jahreszeiten Einfluß. Wenn ein Unternehmen ins Werk gesetzt wurde, wurde auf den Tag geachtet (Tagwählerei, die schon Burchhardt von Worms verurteilte), bei einer Reise galt der Angang als Omen. An die Aussaat und Ernte, den Aus- und Eintrieb des Viehes knüpfen sich zahlreiche Riten in Verbindung mit der richtigen Zeit.

Allgemeines

Die vorchristlichen Völker Europas ermittelten den Ablauf der Zeit anhand der Mondphasen und hatten aus diesem Grunde eine »Mondzahl« an wichtigen Festen. Die ältesten fanden zu Beginn des Winters, in der Mitte des Winters und gegen Ende des Winters statt. Auch im Mittelalter, als fast jeder auf dem Lande einem Handwerk oder einer Beschäftigung nachging, in der es um natürliche Produkte ging, setzte eine Anzahl von jahreszeitlichen Ereignissen im Jahreslauf bestimmte Akzente durch Feste, Feiern, Zusammenkünfte und Abschiede. [1]

Tageszeiten

Von den Tageszeiten wirkt die Nacht ungleich mehr zur Förderung des Aberglaubens als der Tag. Die Finsternis erregt Furcht, und diese läßt alle möglichen Gestalten sehen. Daher meidet man während der Nacht Wanderungen oder geschäftliche Unternehmungen. Auf der anderen Seite ist sie besonders geeignet zum Verkehr mit den Geistern, die das Tages- und das Sonnenlicht scheuen. Für alles Zauberwerk ist sie daher die einzig günstige Zeit, und noch heute ist der Glaube verbreitet, dass man heilbringendes Osterwasser vor Sonnenaufgang schöpfen, gesundheitsfördernde Pflanzen noch im Halbdunkel stechen müsse. Hieraus erklärt sich unter anderem auch, dass der Mond, der Gefährte der Nacht, im Aberglaube eine viel größere Rolle spielt als die Sonne.

Der Mond

Unter den Gestirnen tritt der Mond im Volksglauben vor allem hervor. Die Erhöhungen und Vertiefungen auf ihm ließen überall die Sage entstehen, daß Menschen zur Strafe für irdische Vergehen auf ihn versetzt worden seien. Der Wechsel seiner Gestalt, sein Zu- und Abnehmen wurde in engste Verbindung mit menschlicher Tätigkeit gebracht. Schon Burchhard von Worms verurteilte das lunam observare, auf den Wechsel des Mondes zu achten. Im ganzen Mittelalter, auch in der Neuzeit geschah alles, was zunehmen, was glücken sollte, bei zunehmendem Monde, alles, was abnehmen sollte, bei abnehmendem. Ehen dürfen nur bei zunehmendem Mond eingegangen werden. Deshalb sollen viele Unternehmen vor Neumond nicht begonnen werden, ein Volksglaube, der schon Ariovist im Kampfe gegen die Römer die Niederlage gebracht hatte [2].

Die Sonne

Gegenüber dem Mond treten die Sonne und die andern Gestirne als Träger des Aberglaubens zurück. An ihre Stelle trat das nachgebildete Sonnenrad, oder das Feuer, durch das man im Frühjahr der Sonne neue Kraft zuführte und sie so verehrte.

Jahreszeiten

Ein großer Teil des Aberglauben hing mit den Vorgängen in der Natur zusammen und erhielt durch sie auch neue Nahrung, neue Kraft. So traten bestimmte Jahreszeiten besonders hervor. Am bedeutsamsten war wohl die Winternacht, doch auch die anderen Jahreszeiten waren im Volksglauben wichtig: So z.B. die Tage des Hochsommers, die Wiederkehr der Sonne und das Erwachen der Natur im Frühling. Hieraus erklärt sich auch, dass der Aberglauben vor allem bei denjenigen Ständen gepflegt wurde, die ihre Beschäftigung in der freien Natur hatten, so z.B. bei den Bauern, Hirten, Winzern, Waldarbeitern und Seeleuten.

Winternacht

Die Hauptperiode des Jahres für die Ausübung von Riten war in der heidnischen Zeit genau wie in der christlichen die Zeit des Tiefstandes der Sonne, die Winternacht. In dieser Zeit hielten die Seelen der Verstorbenen ihr großes Fest; sie gastlich zu bedienen an den Stätten, wo sie einst im Körper wirkten, war menschliche Pflicht. Es waren die Tage, wo noch heute im Volksglauben das wütende Heer, der Onsjaeger, Frau Holle usw. durch die Lüfte fahren und den Menschen bald Glück, bald Unglück bringen. Durch diese Geister konnte man aber auch die Zukunft erfahren, und so ist die Winternacht vor allem die Zeit volkstümlicher Weissagung.

Frühjahr

Im Frühjahr dagegen suchte man durch magische Handlung die Sonne bei ihrer Verjüngung zu unterstützen und war bemüht, die sprossende Kraft der lebenspendenden Erde durch Fruchtbarkeitsriten auf Äcker, Bäume, Tiere und Menschen zu übertragen.

Hochsommer

Im Hochsommer herrschte die Furcht vor den hagel- und gewitterbringenden Dämonen und vor den Krankheitsdämonen, die mit jenen in engen Zusammenhang gebracht wurden. Ihrer Abwehr galten die meisten Gebräuche dieser Zeit.

Herbst

Besonders der Spätherbst war für Hochzeiten eine beliebte Zeit, und zwar die Zeit des zunehmenden Mondes oder Vollmondes, als Hochzeitstage wurden häufig die dem Tiu (Tyr) und Donar (Thor) geheiligten Tage, Dienstag und Donnerstag, gewählt. Gerade diese heidnischen Beziehungen gaben der Kirche mancherorts, z.B. in Norwegen, Veranlassung, Heiraten am Dienstag oder Donnerstag zu verbieten. [3]

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Quellen

  • Johannes Hoops. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 1. 1918—1919. S. 4.
  • Vierteljahrsschrift für deutsche Altertumskunde. Hrsg. von Franz Pfeiffer. 1856 ff. K. 8.
  • A. Lehmann. Aberglaube und Zauberei von den ältesten Zeiten bis in die Gegenwart. 1908.

Einzelnachweise

  1. Das Geheime Wissen der Hexen. Marian Green. Orginalverlag: Harper Collins, London, 1991. Übers. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München, 1998. ISBN 3-426-77343-0.
  2. Cäsar. De Belle Gallico. Kapitel I, 50
  3. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 1. Johannes Hoops, 1918-1919. S. 510. Art. Eheschliessung § 10.

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