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Crystal keditbookmarks.png Dieser Artikel wurde am 24. Juli 2012 als Spotlight vorgestellt.

Der Beginn des Ackerbaus wird zumeist auf die Jungsteinzeit (Neolithikum) datiert. In fast ganz Europa existieren aus dieser Zeit bereits archäologische Funde von Ackergeräten, Mahlsteinen und Körnern. Der Anbau von Getreide und anderen Kulturpflanzen spielte also schon damals eine wichtige Rolle für die Ernährung der Gemeinschaft. [1]

Geschichtliches

Aus der Jungsteinzeit sind als Agrarpflanzen u.a. Gersten, Weizen und Hirse durch Funde belegt. Aus der Bronzezeit findet sich zusätzlich Hafer im nordeuropäischen Raum (u.a. Funde in Dänemark). Am Ende der Bronzezeit kam möglicherweise auch der Flachs hinzu, wenigstens hat man vereinzelte Reste eines feinen Leinenstoffs aus dieser Zeit entdeckt, der allerdings auch importiert sein konnte. Funde von Getreidesicheln aus Bronze, die Darstellung eines von einem Ochsenpaar gezogenen Hakenpflugs auf dem Felsenbild von Bohuslän im westlichen Schweden aus der späteren Bronzezeit und der gut erhaltene hölzerne Hakenpflug aus dem Moor von Djøstrup in Jütland, der wahrscheinlich aus der Bronzezeit, mindestens aber aus der ältesten Eisenzeit stammt, vervollständigen das Bild von dem Ackerbau in Nordeuropa während dieser Periode.

Römer und Germanen

Der Ackerbau spielte im Wirtschaftsleben der Germanen bereits in der Römerzeit eine bedeutsame Rolle und ein beträchtlicher Ackerbaubetrieb diente als Grundlage zur Ernährung der Bevölkerung. Allerdings kann man sich die die Germanen nicht als ausgesprochene Ackerbauer vorstellen, denn die Viehzucht nahm zur Zeit des Zusammentreffens mit den Römern die erste Stelle im wirtschaftlichen Leben ein. Die verhältnismäßig hohe Bedeutung, die der Ackerbau für die Volksernährung hatte, geht auch aus der Tatsache hervor, dass es sich bei den Auswanderungen germanischer Stämme zur Völkerwanderungszeit um die Erwerbung neuer Wohnsitze und fruchtbarer Ackergründe handelt.

Ariovist forderte von den Sequanern ein Drittel und später ein zweites Drittel ihres Ackerlandes für die Sueben; die Usipeter und Tenkterer zogen über den Rhein, weil sie durch kriegerische Einfälle der Sueben mehrere Jahre hindurch am Ackerbau verhindert wurden; und als die Friesen sich der Niederlande an der Rheinmündung bemächtigt hatten, war es ihr erstes, daß sie den Boden bestellten. Auch die unruhigen, kriegslustigen Sueben, die nach Caesars Aussage nur zum kleineren Teil von Getreide lebten, konnten doch des Ackerbaus nicht ganz entbehren und ließen jeweils einen Teil ihres Volkes zur Bestellung der Felder daheim, während der andre in den Krieg zog . Wenn Caesar also von den Germanen sagt: agriculturae non student, so heißt das demnach nicht 'mit Ackerbau beschäftigen sie sich nicht', wie es wiederholt irrtümlich übersetzt wurde, sondern 'auf Ackerbau legen sie keinen Wert'.

Völkerwanderungszeit

In der Völkerwanderungszeit begann man außer den früheren Arten von Saatpflanzen auch damit, vereinzelt Roggen und Bohnen zu bauen. Aus dieser Zeit stammen auch sichere Zeugnisse über Flachsbau.

Frühmittelalter

Am Ende der Völkerwanderungszeit, als sich im Frühmittelalter fester gefügte staatliche und wirtschaftliche Verhältnisse herauszubilden begannen, gewann der Ackerbau immer mehr an Bedeutung und Technik und Betrieb vervollkommneten sich. Aus den Zeiten der Völkerwanderung selbst fehlt es jedoch fast vollständig an Quellen über die Entwicklung des Ackerbaus. Von der Merowingerzeit an aber mehren sich dann die Zeugnisse rasch, und seit Beginn der literarischen Überlieferung in den Landessprachen tritt bei allen germanischen Stämmen eine reich entfaltete Ackerbau-Terminologie auf.

Das landwirtschaftliche Betriebssystem der Germanen zur Zeit des Tacitus war die Feldgraswirtschaft, wobei die Markgenossenschaft als ganze auf ihrer Feldmark einen Wechsel zwischen Ackerland und Weide mit langjährigem Turnus einhielt, während die einzelnen Bebauer auf ihren Ackeranteilen alljährlich ein frisches Stück Brachland unter den Pflug nahmen (siehe: Agrarverfassung). Als in späterer Zeit das Gesamteigentum der Markgenossenschaft an der Ackerflur durch das Sondereigentum der einzelnen ersetzt wurde und die Zunahme der Bevölkerung den Grund und Boden wertvoller machte, ging die Feldgraswirtschaft allmählich in eine geregelte Felderwirtschaft über. Sie erscheint seit der Karolingerzeit vornehmlich in der Form der Dreifelderwirtschaft, die erstmals 765 und 771 in Urkunden belegt sind.

Wikingerzeit und Nordeuropa

Während der Wikingerzeit trieb man einen ausgedehnten Ackerbau im ganzen Norden Europas, worüber es reichlich Angaben in der altnordischen Literatur gibt, sowohl in Gesetzen wie den Sagas und einzelnen Gedichten. Die Rolle, die der Ackerbau für jedes der einzelnen Länder spielte, war allerdings ganz unterschiedlich. In Dänemark und Südschweden war er weit mehr entwickelt als anderswo. Dies wird auch nachdrücklich vom Bremer Kleriker und Theologen Adam von Bremen (etwa 1070) hervorgehoben, der Fünen, Seeland und Schonen wegen ihrer Fruchtbarkeit rühmt, während er von Norwegen sagt, dass es wegen seiner vielen Berge und seines rauhen und kalten Klimas sehr unfruchtbar sei und sich nur zur Viehzucht eigne.

Jedoch wurde in Norwegen durchaus Ackerbau betrieben, nicht nur zur Zeit Adams von Bremen (11. Jahrhundert.), sondern schon lange vorher (siehe: "Ackerbau in Norwegen"). Als einige geistliche Abgesandte aus deutschen Raum Anfang des 12. Jahrhunderts Dänemark besuchten, bezeichneten sie den Kornanbau allerdings selbst in Dänemark als ziemlich gering (im Vergleich zu südlicheren Ländern), während nach ihrer Aussage Vieh zusammen mit reichlichem Fischfang den Hauptreichtum des Landes bildeten.

Feldbearbeitung

Bereits der indogermanische Ackerbau im europäischen Raum war keineswegs primitiv. Die alljährliche Auflockerung des Landes für die Ackerbestellung geschah nicht mehr mit der Hacke, sondern schon mit Hilfe des Pflugs. Zur weiteren Auflockerung, Zerkleinerung und Ebnung des umgepflügten Bodens und zur Unterbringung der Saat bediente man sich schon lange der Egge. Eine wichtige Rolle nicht nur bei der Urbarmachung des Bodens, sondern auch bei der weiteren Bodenbearbeitung spielte ferner von jeher die Hacke, die in verschiedenen Formen von der Jungsteinzeit an in zahlreichen Funden belegt ist.

Aussaat

Stundenbuch Herzog von Berry 1416 Oktober.jpg

Aussaat des Wintergetreides und Egge. (Stundenbuch des Herzogs von Berry, Monat Oktober; 1416)

Für die Saat wurde die Erde vorbereitet teils durch Aufgraben mit Spaten und Hacke, teils durch Pflügen und darauf durch Eggen geebnet. Das Feld, das besät werden sollte, wurde einmal im Herbst und zweimal im Frühjahr gepflügt. Dann trug der Sämann einen Sack oder ein Tuch aufs Feld, aus dem er die Saat auf den Boden streute. Bei der Saat bediente man sich auch eines Saatkorbes, in dem man die Saat trug.

Saatzeit

Die Saatzeit war in Deutschland und England für die Winterfrucht der September oder Oktober, für die Sommerfrucht der März. Die Saatzeit begann im günstigsten Fall Ende April, im schlechtesten Fall dagegen in der letzten Hälfte des Mai, indem man sich hierfür nach der Wetterlage richten mußte. In nassen Jahren konnte die Wintersaat in manchen Gegenden infolge von Regengüssen und Überschwemmungen überhaupt nicht vorgenommen werden, sondern man mußte die Aussaat bis zum Frühjahr verschieben, so z.B. dokumentiert in den Jahren 820 und 821 . [2]

Auf Dorffluren mit Gemengelage (Zerstreuung einzelner Ackergrundstücke) wurde die Bestellung der Äcker wegen Mangels an Zufahrten zu den einzelnen Ackerparzellen und des damit zusammenhängenden Flurzwangs von sämtlichen Markgenossen gleichzeitig vorgenommen. Wer nach Aufgehen der Saat noch eine Egge über das Ackerland eines andern schleppte oder mit einem Wagen darüber fuhr, wurde nach der Lex Salica (507-511) sowie nach der Lex Ribuaria (um 613) [3] mit einer beträchtlichen Geldbuße bestraft.

Begriffe
  • Saat - (altnordisch: sāð; angelsächsisch: sǣd; altsächsisch: sād, althochdeutsch: sāt)
  • Saatzeit - (altnordisch: sāð-tið; angelsächsisch. sǣd-tima oder sēo tid ðæs sāwetes)
  • Säen - (angelsächsisch: sǣwet)
  • Sämann - (gotisch: saiands, saijands; altnordisch: sāð-maðr, angelsächsisch: sǣdere, sāwere, sāwend; althochdeutsch: sāio, sāāri)

Düngung

Die Indogermanen im europäischen Raum kannten die Düngung bereits seit von Alters her. So wurden z.B. im Pfahlbau von Robenhausen (Schweiz) aus der Steinzeit 6 Fuß tief unter dem Torf Lagen von Ziegen- und Schafdünger gefunden, die für die Düngung der Felder aufbewahrt waren. [4] Auch bei den westgermanischen, wenn nicht bei allen germanischen Völkern wurde schon zur Römerzeit der Acker mit Mist gedüngt. Außer der jährlichen Düngung mit Mist kannten die niederrheinischen Germanen schon ein eingreifenderes, dem Kuhlen der Marschbauern ähnliches Verfahren der Bodenverbesserung, wobei die Erde in einer Tiefe von über drei Fuß unter der Oberfläche ausgegraben und damit der Acker einen Fuß hoch bedeckt wurde, eine mühevolle Art der Düngung, die etwa zehn Jahre lang vorhielt.

Außer durch Düngen suchte man seine Ackererde aber auch dadurch zu verbessern, dass man Rasen auf ihn legte, der entweder aus dem zum Gehöft gehörenden unbebauten Land ausgeschnitten wurde oder aus einer weiter ab gelegenen Allmende.

Ernte

Stundenbuch Herzog von Berry 1416 Juli.jpg

Bauern bei der Getreidernte. (Stundenbuch des Herzogs von Berry, Monat Juli: 1416)

Die Ernte fand hauptsächlich im August statt, der daher seit alten Zeiten als 'Erntemonat' bezeichnet wird (althochdeutsch: Aranmānōth; angelsächsisch: Rugern = 'Roggenernte'). Das Ernten des Getreides geschah ursprünglich mit der kurzen Sichel, dabei wurden die Halme unterhalb der Ähren in Büscheln gepackt und etwa in halber Höhe abgeschnitten, so dass lange Stoppeln stehen blieben. Archäologische Funde von Getreidesicheln aus Stein und Bronze in verschiedener Form und mit verschiedener Schäftung bestätigen die Verwendung unterschiedlicher Arten dieser Werkzeuge. Die Sense war dem Grasschnitt vorbehalten.

Das Schneiden und Einbringen des Getreides wurde, genau wie die Bestellung des Landes, auf Dorffluren mit Gemengelage von der ganzen Markgenossenschaft gleichzeitig besorgt; ob dabei jeder für sich erntete, oder ob das Schneiden des Korns auf der ganzen Feldmark von der Markgenossenschaft gemeinsam vorgenommen wurde, so dass alle für einen und einer für alle arbeiteten, ist nicht sicher. Das Einfahren des Korns besorgte aber wohl jeder für sich, wozu man in den meisten Gegenden sich eines zweirädrigen, mancherorts auch vierrädrigen, Wagens bediente.

Mähen

Das Mähen fiel in der Regel in die letzte Hälfte des August und den Anfang des September. Die Männer (Schnitter) schnitten das Korn und legten die geschnittenen Kornbüschel sie hinter sich auf den Boden. Die Frauen folgten nach und sammelten das geschnittene Getreide, dass sie entweder in Garben zusammenbanden und in kleinen Haufen aufschichteten oder in größeren ungebundenen Schwaden mit einer Gabel auf den Wagen verluden. Nach Einführung des Zehnten war es wichtig, dass diese Kornhaufen alle gleich groß waren, indem jeder Zehnte von ihnen der Kirche geliefert werden sollte. Auf Gotland sollte jeder Haufe aus 30 Garben bestehen, aber die Anzahl ist gewiß an verschiedenen Stellen verschieden gewesen, indem man bloß darauf Acht gab, die gleiche Anzahl Garben in jedem Haufen zu haben.

Weiterverarbeitung

Das geerntete Korn wurde in große Schober, Kornhelme (ein Holzgerüst mit Dach darüber, aber an den Seiten offen) bzw. in die Scheune geschafft, in deren Mitte sich in der Regel eine besonders hergerichtete und gehärtete Tenne befand, auf der das Getreide mit Dreschflegeln gedroschen wurde. Dieser war ursprünglich ein einfacher Stock mit dickerem Ende.

Worfeln

Eine andere Methode war das Austreten des Korns durch Vieh, das auf der Tenne umhergetrieben wurde. Um das gedroschene und zusammengefegte Korn von der Spreu zu sondern, bediente man sich meist des Windes, in dem man das Korn in einem 'Becken zum Kornschwingen' mit Worfelschaufeln oder Getreideschwingen umherwarf bzw. wendete - das sog. Getreide Worfeln. Neben dem Worfeln war aber auch die Reinigung des Korns durch Schwingen in einer Wanne bekannt, das schon aus der indogermanischen Jungsteinzeit übernommen wurde und auf dem Lande teilweise noch heute üblich ist.

Sieben

Nach dem Worfeln oder Wannen wurde das Korn noch gesiebt, um z.B. den Unkrautsamen zu entfernen. Aus diesem Grunde gehörte das Sieb mit zum Grundinventar des indogermanischen Haushalts. Bereits geröstete Gerste- und Spelzkörner wurden so von den Spelzen gesäubert. Das althochdeutsche Wort dafür ist redan, angelsächsisch: siftan, mittelniederdeutsch: siften. "Thaz muasi er (der Teufel) redan iu thaz muat, so man korn in sibe duat", läßt Otfrid (IV 13, 16) Christus sagen. Es gab zwei Arten von Sieben: ein gröberes (althochdeutsch rītera, rītra), und ein feineres (althochdeutsch sib). Mit dem feineren Sieb wurde z.B. das durch Stampfen oder Mahlen gewonnene Mehl gereinigt.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Ackerbau: Historischer Beginn des Ackerbaus
  2. Abteilung: Scriptores der Monumenta Germaniae historica. Kapitel I, Seite 207
  3. Abteilung Leges der Monumenta Germaniae. Kapitel 5, Seite 235.
  4. Pflanzen der Pfahlbauten. Heer. Separatabdruck aus d, Neujahrsblatt d. Naturforsch. Ges. auf d. J. 1866. Zürich 1865.

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