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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 31. Juli 2012 als Spotlight vorgestellt.

Unter den Vögeln war der Adler (mhd. adelare, urspr. edelaar zu Aar) ein bedeutsames Tier. Seine Fähigkeit, in höchste Höhen aufzusteigen und „an den Sternen zu picken“, prädestinierte ihn in den Sagen und Mythen des Mittelalters zum Götterboten.

Mythologische Bedeutungen

Nach altem Glauben blickt der Adler beim Auffliegen direkt in die Sonne, weshalb er auch ein Sinnbild für den Aufstieg in den Himmel und die Erlösung der Seele ist. Dank seines Scharfblicks kann er nicht nur aus weiter Entfernung seine Beute erspähen, sondern ist auch in der Lage, in die Zukunft zu schauen.

Mythologisch wird der Adler bei den Griechen mit dem Gott Zeus, bei den Römern mit Jupiter und bei den Germanen mit Odin verbunden. Im Christentum dient er als Symbol für die Himmelfahrt Christi und als Heiligenattribut des Evangelisten Johannes.

Bedeutung bei den Germanen

Adler by law keven 2008

In der germanischen Mythologie spielt der Adler als Sturmvogel eine Rolle. Die Windriesen haben vielfach Adlergestalt. In der angelsächsischen Poesie ist er der gierige Schlachtenvogel, der dem Heereszuge mit Geschrei folgt.

Das poetische angelsächsische Beiwort salowigpada = 'der schwarzröckige' erinnert an die Bedeutung des lat. aquilā, das zu aquilus = 'schwarz' gehört. [1] In der Nordischen Mythologie saß ein Adler ohne Namen auch im Geäst der Weltenesche Yggdrasil.

Bedeutung bei den Kelten

Bei den Kelten stand der Adler für Scharfblick, Spiritualität und zukünftiges Wissen. Der walisische Held Llew verwandelte sich der Sage nach nach dem tödlichen Lanzenstich in einen Adler und konnte aus dieser Gestalt wieder erlöst werden.

Wappentier

In der Heraldik ist der Adler nach dem Löwen das zweithäufigste Wappentier. Er symbolisiert Unsterblichkeit, Mut, Weitblick und Kraft, gilt aber auch als König der Lüfte und Bote der höchsten Götter.

Reichsadler

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Kiliansbanner (Rückseite): Kaiser oder König zwischen zwei Adlern (10. Jh.)

Das ganze Mittelalter hindurch war der Kaiserliche oder Reichsadler das Sinnbild für die – aus römischer Tradition übernommene – kaiserliche Gewalt. So erscheint z.B. in den Kaisersiegeln des Frühmittelalters der Kaiser oft auf einem Thron, der aus zwei Adlern gebildet ist. Seit Konrad II. (990-1039) stellen die Siegel einen Adler dar, der teils auf der Hand des Monarchen sitzt, teils auf dem Zepter. Auch die unter Otto III. (980-1002) entstandene Graphia aureae urbis berichtet, dass der Kaiser ein Zepter mit einem goldenen Adler führte.

  • Die Herrschergeschlechter Ostroms nutzten den Adler sowie den Doppeladler.
  • Das Zarentum in Russland durch Iwan III. den Großen übernahm den byzantinischen zweiköpfigen Adler als „drittes Rom“ ab 1487.

Man kann daraus entnehmen, wie der Doppeladler mit Beginn des 15. Jh. als Abzeichen des Römisch-Deutschen Reiches entstand, während daneben, um Deutschland allein zu bezeichnen, der einköpfige Adler immer geblieben ist. Dafür dient als Beleg unter vielem Anderen z.B. das Wappenbüchlein des Virgilius Solis zu Nürnberg aus dem Jahre 1555 [2], worin das Wappen mit dem Doppeladler die Aufschrift trägt: „DES HEILIGEN ROEMISCH KAISERTUMS WAPPEN“ und jenes mit dem einköpfigen Adler: „GERMANIA“ (Tafel: „Die XII Khunigreich“). [3]

Quellen

Einzelnachweise

  1. E. H. Meyer Germania, Vierteljahrsschrift für deutsche Altertumskunde. Hrsg. V. Franz Pfeiffer. 1856 ff. Myth. S 152. 180
  2. Wappenbüchlein zu Ehren der Röm. Kayser und Könige (Digitalisat UB Heidelberg, S 6978). Virgilius Solis. Nürnberg, 1555. Neuauflage Hirthsche Liebhaberbibliothek, 1882.
  3. Trachten, Kunstwerke und Geräthschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts (Internet Archive). Band 1-10 : nach gleichzeitigen Originalen. Jakob Heinrich von Hefner-Alteneck. Frankfurt am Main : H. Keller, 1879. S. 17, Tafel 29 (Kiliansbanner, Rückseite)