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Akzente bzw. Accente (fr. accent) nannte man im Abendland die Beizeichen der Schrift, welche in der Rezitationskunst des ausgehenden Altertums zur Bezeichnung der Betonung dienten (Diakritisches Zeichen). Erfunden (oder eingeführt) wurden Akzente der Überlieferung nach als Prosodien (lautliche Eigenschaften) von dem griechischen Philologen Aristophanes von Byzanz um 200 V. Chr.

Beschreibung

Ursprünglich waren Akzente zehn Zeichen, die in vier Klassen eingeteilt waren:

  • 1. Töne auf betonten Silben: Akut (é), Gravis (è), Zirkumflex (ê);
  • 2. Zeiten auf unbetonten Silben: Longa, Brevis (ă);
  • 3. Hauche oder Intonationen am Anfang der Satzteile: Spiritus asper (ἑ) u. Spiritus lenis (ἐ);
  • 4. Affekte oder Vortragszeichen, Interpunktionen am Ende der Satzteile: Apostroph (e'), Hyphen (-), Diastole.

Diese wurden von den meisten christlichen Völkern zu eigenen Tonschriften (Neumen) umgebildet.

Den Franken wurden die Akzente anscheinend durch Alkuin (735-804) bekannt. Am Hofe Karls des Großen lehrte "Sulpicius die Knaben nach sicheren Akzenten singen". Durch Alkuin wurde Hraban Maurus (780-856) auf ihre Verwendbarkeit hingewiesen; seine Schule, allen voran Otfrid von Weißenburg (790-875), benutzte mindestens den Akut (é), um die Hebungen der Verse anzudeuten. Im Kloster St. Gallen bildeten dann diese Akzentuation für die Deutsche Sprache der Benediktiner-Mönch Notker Labeo (um 950-1022) und seine Schule weiter aus.

Mit ihrer Hilfe wurden die Hebungen und Senkungen des Rezitators oder Vorlesers mit den Längen, Kürzen und Pausen bestimmmt, die sich in festen musikalischen Tonhöhen bewegten. Diese Stimmbewegungen hielten sich gewöhnlich im Umfang einer Quarte oder Quinte:

  • am Anfang erhob sich in der Intonation die Stimme zu einem mittleren Ton (Mese, Tonus currens)
  • zu Ende der einzelnen Abschnitte beugte sich die Stimme je nach der Schwere der Interpunktion (Cadenz)
  • zwischen Intonation und Cadenz hob sich die Stimme nur bei Akut (é), senkte sich bei Gravis (è) und hob sich mit nachfolgender Senkung beim Circumflex (ê), um aber gleich wieder zum Tonus currens zurückzukehren.

Solche Rezitation war in der ausgehenden Antike (Spätantike) allgemein verbreitet, besonders im Orient, und wurde durch die Psalmodie, die Hauptgesangsform des frühen Christentums, überall hin vermittelt. Außer in der römisch-katholischen Kirche hat sich diese Gesangsform im sog. Altargesang der Protestanten erhalten. Sie liegt auch den Antiphonen (Gegengesang) zugrunde, die oft nichts weiter sind, als verschnörkelte Psalmodie, wo besonders die monotonen Tonus-currens-Reihen durch reichlichere Tonbewegungen (Koloratur) reizvoller gemacht wurden. (siehe auch: Neumen).

Quellen

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