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Alkuin, angelsächsisch Ealhwine od. Alchwine, lat. Albinus oder Alcuinus mit Beinamen Flaccus (* 735 in der Nähe von York; † 19. Mai 804) war ein Gelehrter und wichtigster Berater Karls des Großen. [1]

Geschichte

Alkuin, in der Palast-Schule Flaccus genannt, wurde in Northumberland, um ca. 735 geboren. Er war von vornehmer Abkunft und wurde in der Schule von York, der dritten und berühmtesten der großen angelsächsischen Bildungsanstalten, erzogen. Seine Lehrer waren Egbert, Erzbischof von York, der Freund von Beda Venerabilis, ferner Aelbert, damals Leiter der Anstalt, später Egberts Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhl, sowie andere.

767 wurde Alkuin zum Diakonus ordiniert, er blieb bis zu seinem Tode humilis Levita (Diaconus) ohne jemals die priesterlichen Weihen zu empfangen. Als Aelberts begünstigster Zögling wurde er später sein Kollege und Reisebegleiter, dann, nach dessen Wahl zum Erzbischof (766) zusammen mit seinem Freund Eanbald I. Leiter der Schule, und als dieser wieder im Jahre 778 Aelberts Nachfolger wurde, deren alleiniges Haupt.

Reisen

Der Ruf der Schule zog Lernbegierige von weit her an. Aelbert und Alkuin unternehmen mehr als eine Reise nach dem Kontinent und kehrten mit reichen Schätzen für die Bibliothek der Schule zurück: Alkuins "Versus de Patrihus Regibus et Sanctis Euboricensis Ecclesiae" gibt darüber eine allgemeine Übersicht. Schon auf diesen Reisen machte Alkuin die Bekanntschaft vieler Gelehrter des Festlandes und auch die Karls des Großen, mit dem er dann 781 nach dem Besuche Roms, wo er für Eanbald I. das Pallium holen wollte, in Pavia wieder zusammentraf.

Die Folge dieser Begegnung war, dass Alkuin zunächst versuchsweise, dann dauernd seinen Wirkungskreis von Northumbrien in das fränkische Königreich verlegte. In den ersten zwölf Jahren wurde seine Tätigkeit für Karl den Großen durch verschiedene Reisen in die Heimat unterbrochen: 786 sah er England wieder als Vertreter des Königs von Northumbria im Gefolge der päpstlichen Legaten, 790 als Gesandter Karls, um Frieden mit Offa von Mercien zu schließen, noch einmal im Laufe der nächsten Jahre, als er aus Patriotismus die Unruhen in seinem zerrütteten Vaterland Northumbrien zu beseitigen suchte. Auf der Synode von Frankfurt im Jahre 794 vertrat er die angelsächsische Kirche in Zurückweisung der Dekrete des zweiten Konzil von Nicaea (787), im nächsten Jahre rief ihn Eanbald I. nach York, vielleicht um ihn zu seinem Nachfolger zu machen.

Aber mancherlei Umstände hinderten Alkuin, dem Rufe folgezuleisten; die Ermordung des Northumbrischen König Aethelred I. im Jahre 796 bestimmte ihn, niemals mehr den Boden Englands zu betreten, und nach dem Tode Eanbald I. wurde nicht Alkuin, sondern Eanbald II. dessen Nachfolger. Fortan war Alkuins Verkehr mit England, abgesehen von Begegnungen mit den Kontinent besuchenden Engländern, nur noch ein brieflicher.

Im Frankenreich

Alkuins Tätigkeit für Karl den Großen bestand bisher in der Leitung der Palast-Schule, die Schüler aus den verschiedensten Ständen und Lebensaltern und beiderlei Geschlechts enthielt, den Mittelpunkt des intellektuellen Lebens im Frankenreich bildete, die Leiter der Kirche und des Staates in direkte Verbindung mit der Erneuerung des geistigen Lebens, die sich Karl angelegen sein ließ, brachte und dazu beitrug, eine Generation von Männern heranzubilden, die Karls des Großen Werk in der Zukunft vollenden sollten.

Vielleicht war auch Alkuin teilweise verantwortlich für die Verordnung Karls, dass jeder Geistliche ein bestimmtes Maß von Wissen erwerben sollte; die angelsächsische Kirche bot dafür in den Dekreten des Konzil von Clovesho vom Jahre 747 ein Vorbild. Das Dekret an die fränkischen Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte, das den Eifer im Lernen und Lehren zur Pflicht machte, stammt vielleicht von Alkuins Hand. Sicherlich hatte er ganz bedeutenden Anteil an der praktischen erzieherischen Tätigkeit, denn, als er sich schließlich entschloß, auf dem Kontinent zu bleiben, und Karl ihm nicht gestattete, sich in das Kloster von Fulda zurückzuziehen, bekam er neben andern Ämtern die Abtei von St. Martin in Tours und errichtete dort eine Art klösterlicher Musterschule.

Teilweise wurde vermutet, dass Alkuin sogar der Verfasser der Capitulare de villis vel curtis imperii sei.

Christlichen Häresien

Eine Zeitlang besuchte Alkuin jährlich den Hof; bis zum Ende seines Lebens war er bereit, seine alten Freunde und Schüler durch Briefe zu beraten, zu ermahnen und zu unterstützen. Dann wurde er in einen langen, gelehrten Streit mit Erzbischof Elipandus von Toledo und Ex-Bischof Felix von Urgel, den Führern in der adoptionistischen Häresie, die mit päpstlicher Billigung auf der Synode von Frankfurt verdammt worden war, verwickelt. Dem kurzen "Liber Albini contra haeresim Felicis" folgten "Libri VII adversus Felicem" und "Libri IV adversus Elipandum", außerdem auch Briefe an die Mönche von Septimania und andere, die von der Häresie angesteckt sein mochten. Später, wahrscheinlich im Jahre 799, trat Alkuin selbst in Aachen in eine öffentliche Disputation mit Felix und brachte ihn, wenigstens für eine Zeitlang, von seinen Irrtümern ab.

Im Alter

Aber die sich steigernde Hinfälligkeit zwang ihn, seine Kräfte zu schonen. Berichte über den Angriff auf Papst Leo III. in Rom 799 bewegten ihn tief. Begierig wartete er auf die Briefe seines größten Freundes, Erzbischof Arno von Salzburg, der als einer der Beauftragten Karls den Papst in die ewige Stadt zurückbegleitete. Aber er selbst konnte sich doch nicht mehr entschließen, Tours zu verlassen, um den König auf der Reise zu begleiten, von der er als Kaiser zurückkehren sollte. Im Jahre 801 gab er mit Genehmigung des Kaisers alle seine weltlichen Ämter ab; seine Abhandlung über die Dreieinigkeit wurde jedoch noch um das Jahr 802 herum verfaßt. Ein unerquicklicher Streit mit Erzbischof Theodulf von Orleans, über einen entflohenen Geistlichen ist das letzte bezeugte Ereignis seines Lebens. Alkuin starb am Pfingstsonntag, dem 19. Mai 804.

Charakter

Alkuin hatte wenig heroische Eigenschaften, er war furchtsam von Natur, in körperlicher und geistiger Beziehung. Er folgte immer den Spuren anderer. Aber er war von lauterster Gesinnung, ein treuer Freund, dem Kaiser sehr ergeben, treu zur Lehre der Kirchenväter und der katholischen Kirche haltend, für die er auch in die Schranken trat. Die Renaissance des 12. Jahrhundert verdankt ihm und seiner beharrlichen Tätigkeit zum großen Teil ihre Entwicklung und Blüte.

Als Schriftsteller

Wie Alkuin als tätiger Mann mehr der Ausführer der Ideen anderer, das Medium für die Verbreitung ihrer Lehren war, so hatte er auch als Schriftsteller keine besondere Eigenart. Seine Briefe zeigen seinen lauteren Charakter und illustrieren seine Lebensarbeit. Sie gehören hauptsächlich den letzten 10 Jahren seines Lebens an, berühren selten politische Angelegenheiten (ausgenommen die Northumbrischen Verhältnisse), vielleicht weil sein Rat in politischen Dingen nicht besonders viel galt.

Sie sind als Belege für seine Wirksamkeit wichtig; doch enthalten sie keine Betätigung an dem ikonoklastischen Streit, seinen Aufenthalt in England im Jahre 786, den in Frankfurt im Jahre 794. Auch liest man darin nichts von Alkuins Revision des Lectionariums in seinem Comes Albini, nichts von seinem Homiliarium, von seiner Ausgabe des Gregorianischen Sacramentariums mit dem Zweck, auf Karls Wunsch eine liturgische für das Frankenreich allgemein gültige Anweisung zu geben, und kaum etwas von seinen Bemühungen um die Verbesserung korrumpierter Bibelhandschriften, die eine Art Alkuinischer Lesart des Vulgata-Textes zeigten.

Ebenso erweckten seine Gedichte, obwohl zahlreich, kein besonderes Interesse. Seine Lebensbeschreibungen von Heiligen waren für die Erbauung des Lesers bestimmt und haben wenig unabhängigen geschichtlichen Wart. Seine moralischen Schriften: De virtutibus et vitiis, De animae ratione, usw. missen der Originalität ebenso wie seine Kommentare zur Bibel, die zum größten Teil aus wörtlichen oder paraphrasierten Anführungen aus den Kirchenvätern bestehen.

Seine Schriften gegen Bischof Felix von Urgel und den Erzbischof Elipandus von Toledo zeigen nicht nur seine Kenntnis der lateinisch Kirchenväter, sondern auch sein Mißtrauen gegen zu neugieriges Eindringen in die göttlichen Mysterien, obwohl seine nicht polemische Schrift: De fide sanctae trinitatis teilweise den Zweck hatte, die Notwendigkeit der Dialektik beim Studium der Theologie darzutun. Von seinen pädagogischen Schriften sind Abhandlungen über die drei Zweige des Trivium erhalten, nebst zwei kurzen Abhandlungen und mehreren Briefen über astronomische Probleme. Die ihm von seinen Biographen zugeschriebenen Schriften über Musik, Arithmetik und Rhetorik gingen verloren.

Die Grammatik, zwei Dialoge zwischen Alkuin und seinen Schülern, einem fränkischen und sächsischen Knaben, behandelt das Verständnis der heiligen Schrift als das Endziel allen Studiums, aber sie betont auch die Notwendigkeit der sieben freien Künste für die Bildung. Sie beschäftigt sich fast nur mit Elementargrammatik und Etymologie; eine besondere Schrift De Orthographia wurde als Richtschnur für unwissende Kopisten, wahrscheinlich in Tours, geschrieben. Die Schrift De Rhetorica et Virtutibus, ebenfalls ein nach angelsächsischer Manier angelegter Dialog, diesmal zwischen Alkuin und Karl selbst, behandelt mehr den Wert als die Regeln der Rhetorik; die Schrift De Dialectica ist sehr unzulänglich; die astronomischen Abhandlungen beziehen sich hauptsächlich auf die Berechnung des Kalenders.

Fazit seiner Bedeutung als Schriftsteller

An den dürftig überlieferten Abhandlungen gemessen, würde Alkuin unter den Gelehrten des Mittelalters keine bedeutende Stellung einnehmen. Aber man muß ihn alles in allem nennen. Die schriftstellerische Tätigkeit war nur ein kleiner, vielleicht unbedeutender Teil seiner Lebensarbeit. Er war der geborene Pädagoge, geduldig, bedächtig, unermüdlich. Er brachte den Franken die Früchte der angelsächsischen Gelehrsamkeit, als diese selbst in ihrer Heimat durch die beginnenden Einfälle der Dänen bedroht wurde.

Werke

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Alkuin
  2. Vita sancti Willibrordi Traiectensis episcopi (Leben des hl. Bischofs Willibrord von Utrecht). Alkuin von Tours, 760-797. In "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters"; BSB

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