FANDOM


Die Altenburg bei Niedenstein im Schwalm-Eder-Kreis in Nordhessen war eine vorgeschichtliche Burganlage, die noch im 1. Jh. v. Chr. als germanische Volksburg genutzt wurde. Sie liegt nördlich von Fritzlar im Flußgebiet der Eder an deren Nebenfluß, der Ems, im Herzen des Hessengaues.

Beschreibung

Das Plateau des Berges wird auf den nicht durch die Steilheit der Hänge sturmfreien Seiten von einer am Rande sich hinziehenden Steinmauer verteidigt. Den Fuß des Berges umzieht eine Mauer aus Erde und Holz zum Teil mit davorliegendem Graben, die nur im Nordwesten aussetzt, wo die sumpfigen Emswiesen genügenden Schutz boten.

Durch diese Mauer wird auch die nordöstlich der Altenburg gelegene, mit ihr durch einen breiten Sattel zusammenhängende Kuppe des Falkensteins in die Befestigungen der Altenburg hineingezogen. Der einzige Zugang zur Burg liegt auf der Nordostseite nach diesem Sattel zu. Das Tor in der Steinmauer ist durch ein System von Zwingermauern aus Erde und Holz noch besonders verteidigt.

Untersuchungen haben ergeben, daß auf dem Plateau zahlreiche Hütten - meist unregelmäßig rechteckigen Grundrisses - standen. Wege führten zwischen den Häusergruppen hindurch, Zugangs - wege vom Tor her zu den Wohnplätzen. Eine Anzahl rechteckiger Gruben von etwa Mannshöhe, deren Wände mit Holz verkleidet waren, werden als Wasserbehälter gedeutet. Einer dieser Behälter war durch zwei mächtige übereinander greifende Bohlen in zwei Kammern geteilt, über deren eine ein Laufbrett führte.

Vielleicht haben wir es hier mit einer Anlage für Aufbereitung des Tons zu tun. Damit könnte auch eine unmittelbar anstoßende Grube von 60 : 20 m Abmessung zusammenhängen, in die zu wiederholten Malen Ton eingefahren worden ist; der Bau der Fachwerkhütten erforderte große Tonmengen. Die Datierung der Anlage ergibt sich aus den Funden, die mit Ausnahme einiger weniger neolithischer Reste alle der späten Latènezeit angehören.

Regenbogenschüsselchen und zahlreiches Eisengerät wurden schon im 16. Jh. gefunden. Bei Ausgrabungen Ende des 19. Jhds. kamen ein eisernes Kesselgehänge, eiserne Messer und Lanzenspitzen, ferner Gürtelhaken, durchbrochene Zierscheiben, Pferdeschmuck und eine Mittel-Latene-Fibel zutage. Unter den Gefäßen und Scherben finden sich schon gallische, auf dem Rad gearbeitete Importstücke.

Besonders interessant waren die reichen Holzfunde aus dem oben erwähnten Doppelbecken: eine Haustür, Pferdeköpfe vom Dachgiebel, eine Mörserkeule (pilum), Schaufeln, Messer, die Hälfte einer Schüssel, Reste eines Kästchens usw. Auch die Zwingerbildung vor dem Tor, die bei den älteren keltischen Burgen bisher nicht nachgewiesen worden ist, weist die Anlage der Altenburgbefestigung in germanische Zeit.

Die nächste Analogie bieten die gleichfalls dem Ende der Latenezeit angehörigen Befestigungen der Milseburg in der Rhön. Die vielen verbrannten Hütten und Brandspuren in der Mauer am Tor machen es wahrscheinlich, daß die Burg durch Feindeshand eingenommen und zerstört worden ist. Nach der Gleichartigkeit der Funde scheint die Zerstörung noch in der Latenezeit erfolgt zu sein.

Südöstlich von der Altenburg, etwa 5 km von ihr entfernt, liegt das Dörfchen Metze, das allgemein mit dem von Tacitus (Annal. I 56) erwähnten Mattium, dem caput gentis der Chatten, das Germanicus 15 n. Chr. zerstörte, identifiziert wird. Dass die Altenburg zu diesem caput gentis in irgendeinem Zusammenhang stand, ist wahrscheinlich, auch wenn sie nicht mit dem chattischen Hauptort identisch ist.

Quellen

Einzelnachweise

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.