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Die Amaler, oder auch Amelungen (Abkömmlinge des Amal [1]), waren ein gotisches Herrschergeschlecht, das das Königtum bei den Ostgoten innehatte und unter Ermanarich im 4. Jahrhundert das ganze Gotenreich beherrscht haben soll. Ermanarich ist der erste historisch verbürgte Amaler. Der berühmteste aller Amaler war Theoderich der Große, der 493 in Italien ein Ostgotenreich erschuf. Das Geschlecht erlosch 536 mit dem Tode von Theodahad. [2]

Allgemeines

Die Bezeichnung Amelunge stammt aus der mittelhochdeutschen Dichtung und ist dort die Bezeichnung der Goten. Sie geht zurück auf Amali, den Namen des ostgotischen Herrscherhauses, wurde jedoch auf das ganze Volk ausgedehnt. Italien wurde als Reich Ermanarichs und Dietrichs von Bern Amelungelant genannt. Die Geschichte kennt den Namen allerdings nicht; ob das ältere *Amalōs schon in gotischer Dichtung zu *Amalungōs erweitert wurde, bleibt offen. Die hochdeutsche Literatur gebraucht daneben nur noch den ganz jungen Ausdruck Bernære. Den Gotennamen selbst bewahrten die Widsith-Dichtung und Deors Klage aus dem 10. Jahrhundert, auf nordischer Seite die Svanhild- und die Hunnenschlacht-Dichtung (diese von den Westgoten), während in anderen Liedern "Gotar" nur noch '(südliche) Helden' bedeutet.

Herkunft

Für die mittelhochdeutschen Dichter war Italien der angestammte Wohnsitz der Amelungen. Die Widsith-Dichtung hält, wie man annimmt, ebenfalls die Vorstellung von der ältesten geschichtlichen Gotenheimat fest: 'am Weichselwalde' (Z. 121). Die nordische Überlieferung bringt Ortsnamen allerdings nur in der Hunnenschlacht-Dichtung; sie weisen auf die pontische Zeit.

Heldensagen des Amelungenkreises

  • Sigenot: Dietrich von Bern wird vom Riesen Sigenot überwunden, in eine Höhle geworfen und zuletzt von seinem Meister Hildebrand, gegen dessen Rat er ausgeritten und der den Riesen erschlägt, aus der Haft erlöst.
  • Ecken Ausfahrt: Die Königin Seburg von Jochgrim in Tirol wünscht Dietrich lebend gefangen zu sehen. Ecke zieht von Gripiar (Köln?) aus, um den Berner zu bringen, verliert aber im Kampf das Leben. Dietrich beklagt seinen Tod.
  • Laurin. Die Helden zu Bern unterreden sich über Dietrich und preisen seine tapferen Thaten. Nur Hildebrand will nicht ganz zustimmen, da der Held noch nicht mit Zwergen gekämpft habe. Darauf Auszug nach dem Rosengarten des Zwergkönigs Laurin, dem Dietrich den Zaubergürtel nimmt. Laurin gewinnt seinen Schwager Dietrich, dessen Schwester Similte er geraubt, für sich und rettet dadurch sein Leben.
  • Der Rosengarten. Krimhild hält Hof zu Worms und hat daselbst einen schönen Rosengarten, als dessen Hüter Siegfried und eine Anzahl seiner Helden bestimmt sind; wer diese Hüter besiegt, von dem entbietet sich Krimhilds Vater sein Land zu Lehen zu nehmen; ausserdem sollen die Sieger einen Rosenkranz und einen Kuss von Krimhild zum Lohn erhalten. Auf Hildebrands Antrieb macht sich Dietrich von Bern auf, um den Kampf zu bestehen, wirklich werden Siegfried und die Burgundenhelden überwunden. Als eigentümlichste Figur tritt in dem Gedichte der Mönch Ilsan auf, Hildebrands Bruder, der Jahrhunderte lang eine Lieblingsfigur des deutschen Volkes blieb.
  • Dietrichs Flucht. Dietrich von Bern weicht, um seine sieben gefangenen Recken, welche Ermenrich aufzuhängen droht, vom Tode zu retten, von seinem Erbe zu den Hunnen.
  • Rabenschlacht. Dietrich klagt an Etzels Hofe um den Verlust seiner Lande durch den alles verwüstenden Ermenrich und erhält von Etzel ein Heer, seine Lande wieder zu erobern: auch giebt Etzel dem Dietrich seine beiden Söhne mit, für deren Leben sich Dietrich bei der Mutter verbürgt hat. Vor Ravenna lässt Dietrich sie nebst seinem eigenen Bruder Diethar unter Ilsans Obhut zurück; aber voll Kampfessehnsucht bitten sie, man möge ihnen gestatten, vor die Stadt zu reiten und sich umzusehen. Da geraten sie in das feindliche Heer und stossen auf den furchtbaren Helden Wittich, der mit seinem Schwerte Mimung auf sie losstürzt und beide nach langem rühmlichen Kampfe erschlägt. Dietrich, sobald er von der Söhne Tod hört, verfolgt zwar Wittich zornig; doch springt dieser ins Meer und wird von einer Meerfrau aufgenommen. Darauf folgt eine schmerzlich rührende Klage der Helche um ihre Söhne, sie flucht Dietrichen, vergiebt ihm aber, da sie seinen tiefen Schmerz sieht und seine laute Klage um die gefallenen jungen Helden vernimmt.
  • Alpharts oder Albharts Tod. Dietrich wird von seinem Oheim Ermenrich auf Sibichs verdächtigende Anstiftung bekriegt. Dem heranziehenden Heere reitet der junge Alphart entgegen auf die Warte. Dort wird er von den zu Ermenrich übergegangenen beiden treulosen Helden Heime und Wittich, zwei gegen einen, bestanden und von Wittich getötet. Den Gefallenen zu rächen dringen die Berner heran und treiben Ermenrich in die Flucht. Die Dichtung zählt zu den schönsten Denkmälern der Heldensage.
  • Biterolf und Dietleib. Biterolf, König zu Tolet, verlässt heimlich Weib und Kind, um die gepriesene Macht des Hunnenkönigs Etzel selbst kennen zu lernen, und begiebt sich unerkannt in dessen Dienst. Als sein Sohn Dietleib kaum herangewachsen, beschliesst er, seinen Vater zu suchen, zieht auch zu Etzel und findet den Vater mitten in der Schlacht. Eine Beleidigung, welche der junge Dietleib auf seiner Fahrt von den rheinischen Königen bei Worms erfahren, veranlasst einen grossen Heerzug dahin, wozu Etzel seine Hilfe giebt, auch Dietrich mit seinen Recken, sowie Ermenrichs Helden mit ausreiten. Nach siegreichem Kampfe kehren Biterolf und Dietleib zu Etzeln zurück und werden von ihm mit der Steiermark begabt, wo sie sich mit den Ihrigen niederlassen.
  • Dietrichs Drachenkämpfe. Dietrich und seine Gesellen kämpfen mit Riesen und Drachen; echter Sageninhalt wird hier gänzlich vermisst.
  • Etzels Hofhaltung, eine allegorische Dichtung des 13. Jahrhunderts: Frau Saelde wird von dem Wunderer gejagt und von Dietrich, der den Jagenden tötet, errettet.
  • König Ortnit von Lamparten entführt mit Hilfe seines Vaters, des Zwerges Alberich, die Tochter des Königs Marchorel von Montebur, die in der Taufe den Namen Sydrat empfängt. Über den Verlust zürnend, sendet der König unter dem Schein von Geschenken durch den Jäger Velle dem Könige Ornit Drachen ins Land, die herangewachsen alles verwüsten. Ortnit selbst findet im Kampfe gegen dieselben den Tod.
  • Hugdietrich von Konstantinopel gewinnt, als Mädchen (Hildegunt) verkleidet, des Königs Walgunt von Salnecke schöne Tochter Hildburg, mit der er einen Sohn erzeugt. Dieser wird heimlich ausgesetzt und von Wölfen verschleppt; von einem Jäger gefunden, gelangt er an die Mutter und wird Wolfdietrich genannt. Walgunt willigt zuletzt in die Ehe seiner Tochter mit Hugdietrich, der Weib und Kind heimholt.
  • Wolfdietrich, dem seine Brüder, als einem unechten Sohne, sein Erbreich streitig machen, sucht dasselbe mit Hilfe seines getreuen Meisters Brechtung und der Söhne des letzteren zu erkämpfen. Er wird durch Zauber entrückt und seine getreuen Dienstmannen müssen, zu Konstantinopel auf der Mauer angeschmiedet, Wache halten. Vom Zauber befreit, sucht er auf langen Irrfahrten Beistand zu ihrer Erlösung und zur Erlangung seines Erbes, was ihm erst gelingt, nachdem er als Rächer des von den Lindwürmern getöteten Ortnit die Hand seiner Witwe und mit ihr das Reich zu Lamparten gewonnen hat. [3]

Überlieferte Personen

Die ostgotische Sage überliefert zwei wichtige Personen der Amaler, die eine ist Ermanarich, die andere ist Dietrich von Bern. Der Westgote Widigoia wird in der Widsith-Dichtung noch relativ selbstständig gennant, erscheint sonst jedoch nur eng verbunden mit jenen zwei Königen. Cassiodor, Jordanes und Widsith geben die unbestimmte Ahnung, dass vieles von (ost)gotischer Heldensage verloren ging: unbestimmt, weil bloße Namen immer auch aus bloßen Merkversen fließen können, die nicht notwendig heroische Fabeln wiedergeben.

Dunkel ist im Besonderen, wie weit Widsith die Hofmannschaft Ermanarichs beschreibt und mit welcher Gewähr. Von den Geschichten bei Jordanes darf man nur die von Ermanarich und Svanhild auf einen heroischen Stoff schätzen. — Gab es schon in der Dichtung der Goten größere Reihen oder Gruppen von Sagen, so wie bei den Skioldungar, Ynglingar, Völsungar-Niflungar?

Negativ kann man nur soviel sagen, dass von der bekannten Ermanarich-Dichtung lediglich die Fabel von Svanhild, bis auf die Goten zurückreicht; von der Dietrich von Bern-Dichtung zwei Fabeln, das Exil und Witeges Tötung der Etzelsöhne, dass aber auch diese beiden vielleicht noch frei nebeneinander gingen, während Dietrichs Exil gewiß schon den einst getrennten Gensimund (-Hildebrand) an sich gezogen hatte.

Drei gotische Heldenlieder (Svanhild, Exil, Etzelsöhne) trugen den Sagenstoff über die Alpen, der die gleichsam authentische Grundlage des ostgotischen Sagenkreises bildet. Die weiteren Ermanarich-, sowie die zahlreichen Dietrich von Bern-Sagen kamen erst in späterer Dichtung hinzu. Die Verbindung zwischen den zwei großen Amelungen kommt erst im 9./10. Jahrhundert zustande. Fortan ist es ein gotischer Zyklus, und sein Hauptstück ist die beiden Königen gemeinsame Sage, "Das Exil". Es wanderte also keine geschlossene 'Gotensage' zu den West- und Nordgermanen. Zeigt doch die Widsith-Dichtung den älteren Amelung als Chorführer und Meistgenannten seiner ganzen Schar, aber der jüngere, Dietrich von Bern, ist ihm noch fremd: jenen hatte man offenbar schon im alten Angeln kennen lernen, diesen erst in Britannien. Noch klarer scheidet sich's im Norden, wo bis ins 13. Jahrhundert, mit einer Ausnahme, überhaupt nur Ermanarich die Ostgoten in der Sage vertritt.

Weitere Personen

Die oberdeutschen Stämme fügen der Heldensage über die Amelungen keine eigenen Hauptfiguren hinzu, sondern übernahmen die Mythenstoffe ihrer gotischen Südnachbarn. Schon die Ermanarich-Dichtung erfuhr bei ihnen Zuwachs. Besonders aber die Dietrich von Bern-Sagen sind eigentlich baiwarischen Ursprungs. Die Dichtung der Donaulande führte im 8. Jahrhundert Dietrich in die Burgundensage ein, wo er sich zu einer seiner herrlichsten Rollen auswuchs.

Später, unter dem breiten Epenstil, ergänzte sie die Reihe seiner Paladine: zu den drei alten, Hildebrand, Witege, Heime, traten dann Wolfhart, Ilsan und auch Rüedeger, diese edelste Blüte des ritterlichen Heldenstils, ist für die Dichtung von Dietrichs Exil geschaffen worden, als der Vermittler zwischen dem Flüchtling und dem Hunnenherrscher: die Nibelungenot setzt diese ganzen Beziehungen zwischen Dietrich von Bern und Rüedeger als gegeben und bekannt voraus und übernimmt den Markgrafen für ihre Zwecke. In welchem Umfange Jung Dietrichs Märchensagen oberdeutsch sind, ist noch nicht aufgeklärt. Auch ein, wie es scheint, niedersächsischer Held, Dietleib, wurde an Dietrich geknüpft, doch vermutlich durch oberdeutsche Dichtung. Der eigentliche Beitrag der niederdeutschen Spielleute zur Amelungensage sind die Wilzenkämpfe, die Dietrich in Attilas Dienste besteht.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1905, S. 406.
  2. Wikipedia: Amaler
  3. Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885., S. 395-399.

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