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Amulette sind Zaubermittel, deren man sich zur Abwehr böser Mächte oder Geister bediente. Das Wort ist arabischen Ursprungs (hamalet = "Anhängsel") und fast gleichbedeutend mit Talisman. Während dieser jedoch auf die magische Kraft geht, die dem entsprechenden Gegenstand innewohnt, geht das Amulett auf die Art und Weise, wie man es gebraucht.

Beschreibung

Seit Menschengedenken sind Symbole als Amulette getragen worden. Mag sein, dass sie manchmal nur als Schmuck dienten, näher liegt jedoch, dass der Träger sich auch mit ihrer tieferen Bedeutung identifizierte. In vielen alten Kulturen trug man sie im Leben und im Tod. Auf Letzteres verweisen Grabbeigaben aus ganze Europa, unter denen sich viele Amulette befanden. Form und Material waren dabei von wesentlicher Bedeutung. Die Amulette der Kelten waren aus Horn, Metall, Bernstein, aus Kristallen oder Knochen gefertigt, und besonders spiralförmige Versteinerungen hatten eindeutig symbolischen Charakter.

Man trug Amulette entweder am Hals oder auf der Brust, woraus sich im Laufe der Zeit der Brustschmuck entwickelte, oder legte sie an bestimmten Orten nieder. Hierher gehören in erster Linie die über die ganze Erde verbreiteten Donnerkeile, die späterer Glaube mit dem Donnergott Thor in Verbindung brachte. In kleinen Nachbildungen wurden diese vielfach als Bernsteinschmuck getragen. Daneben findet sich im Bronzezeitalter das Sonnenamulett, eine Nachbildung des vierspeichigen Sonnenrades, das mal als Nadel und mal an der Kette am Hals getragen wurde.

Brakteate

Brakteat von Vadstena 6 Jh Stephens

Der Brakteat von Vadstena mit Runeninschrift. (Schweden 6. Jhd.)

Eine besondere Rolle als Amulette spielen die Brakteaten (Abb. 11, 12), die in Skandinavien ihre Heimat haben und sich von dort aus über England und Teile Deutschlands verbreiteten. Sie sind Nachahmungen römischer Münzen und meist aus Gold; viele sind mit dem prophylaktischen Symbolen und Runen versehen, unter denen die alu-Inschrift besonders häufig ist.

Christliche Amulette

Eine Schar neuer Amulette kam mit der antik-römischen Kultur und dem Christentum. Anstelle vormaliger Symbole trat das christliche Kreuz, die Götterbilder wurden von Marien- und Heiligenbildern ersetzt, die Runen verdrängt vom lateinischen Alphabet. Die Gegenstände mit Zeichen und Runen wurden bald von den Pergamentblättchen mit heiligen Sprüchen und Formeln überwuchert.

So fanden sich z.B. die Blättchen mit dem Vaterunser, mit Stellen aus der heiligen Schrift, mit den J N J R (Jesus Nazarenus Judaeorum Rex). An Schwellen und Türpfosten wurde der Schriftzug C† M† B† (Caspar, Melchior, Baltasar) geschrieben, zu denen sich später die weit verbreiteten Himmelsbriefe gesellten, die vor allem gegen Schuß- und Hiebverletzungen eingesetzt wurden.

Keltische Amulette

Laténium-pendeloque-bronze

Sonnenrad- oder Radkreuz-Anhänger (ca. 1000-900 v. Chr., Landesmuseum Zürich)

Die Formen der keltischen Amulette sind genauso vielfältig wie die Bilder der keltischen Mythologie. Hirsche, Hunde, Eber, Vögel unterschiedlichster Art, Menschenfigürchen, Räder, Augen, Ringe und Körbe wurden in äußerst kunstvoller Weise ausgestaltet. Wie heute bedeuten manche dieser Symbole Schutz, andere Hinwendung zum Göttlichen oder auch Glück, Reichtum, Wohlbefinden, Gesundheit und innere Kraft.

Einige Beispiele für Amulette aus dem keltischen Umfeld, die auf Formen der Kunst und der Ornamentik beruhen sind:

  • Doppelspirale: Sie stellt die Dynamik von Werden und Vergehen dar, aber auch die Unsterblichkeit. Als Amulett getragen verhilft sie zu Gelassenheit.
  • Keltisches Kreuz: Es ist das Zeichen des keltischen Christentums, einer Variante des christlichen Glaubens mit vielen keltischen Elementen. Der Kreis steht für die Erde und den Kreislauf des Lebens, das Kreuz für die Polarität von Leiden und Erlösung. Als Amulett fördert es die Harmonisierung von Gegensätzen.
  • Rad- oder Scheibenkreuz: Dieses sehr alte Ornament stellt die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreskreisfeste oder das Rad des Jahres dar. Es ist ebenso ein Symbol für den Lauf der Welt und ganz allgemein für Bewegung. Das Amulett verleiht seinem Träger Schutz auf Reisen.
  • Triskele: Die dreifache Spirale weist auf die heilige Drei (Triade, Trinität) in allen Lebensbereichen hin: auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; auf Geburt, Leben und Tod - kurz: auf alles, was in triadischer Form auftritt. Als Amulett schützt sie den Träger vor negativen Einflüssen. [1]

Orientalische Amulette

Im Hochmittelalter brachte die orientalisch-arabische Kulturwelle andere neue Amulette mit, die bald durch Vermittlung der antiken Kultur, bald selbständig im Zeitalter der Kreuzzüge kam. Ihnen eigen ist besonders das Geheimnisvolle der Worte und Zeichen und die Benutzung astrologischer Figuren. Hierher gehört unter anderem das Pentagramm oder der Druden- oder Mahrenfuß. Unter solchen Amulettinschriften sind die verbreitetsten:

Das Abrakabra- Dreieck Die Sator-Arepo-Formel
Abrakadabra S a t o r
abrakadabr A r e p o
abrakadab T e n e t
abrakada O p e r a
abrakad R o t a s
abraka

Einen Sinn aus diesen und ähnlichen Formeln zu entziffern, ist bisher nicht gelungen. Je dunkler sie war, desto mehr Kraft schrieb man ihr zu. Auch beim Amulettaberglauben ist die Volksphantasie nicht untätig geblieben; nach Analogie schon vorhandener solcher Schutzmittel wurden immer neue erfunden.

Pflanzen -u. Tieramulette

Ferner dienten bereits in prähistorischer Zeit Pflanzen und Pflanzenteile, Knochen und andere Teilchen von Tieren als Amulette. Diese gab man auch Toten mit ins Grab. Auf einen heidnisch-germanischen Brauch geht die im heutigen Volksglauben weit verbreitete Verwendung gewisser Pflanzen zurück, so z.B. Alraunwurzel, Dachwurz, Wermut, vierblättriges Kleeblatt, Silberpappel usw. Ebenso Tiere oder Tierteile, wie z.B. Schlangen, Kröten, Marienkäfer, Kreuzschnäbel, Eulen, Spinnen usw.

Laut niederdeutschen Texten des 16. Jhds. trug man z.B. eine Elensklaue (Elchklaue) als Amulett gegen Epilepsie. [2] Und sogar Teile des menschlichen Körpers, wie Finger oder Herz ungeborner Kinder oder die Eihaut des Embryo dienten als Amulette oder Talismane. Vielfach wurden die Tiere unter der Schwelle des Hauses vergraben oder am Tore des Gebäudes angeheftet. Hierher gehören auch die Pferdeköpfe der norddeutschen Bauerngehöfte, der Donnerbesen und andere.

Waffenamulette

Vielfach galten Steinpfeilspitzen und Äxte (Abb. 9, 10) als Amulette, besonders zum Schutz gegen dämonische Wesen, die Tieren oder Menschen Krankheiten bringen. Zahlreiche Gräber bezeugen diesen Glauben an die Kraft der Amulette bereits in ältester Zeit. In der frühchristlichen Periode eiferte vor allem das Christenrecht in den nordischen Gesetzen dagegen. Doch der Glaube an die Macht von Amuletten währte fort bis in die Gegenwart.

Galerie

Anmerkung

  • Abb. 9. Amulett: Axt aus dünner Bronze. Aus Montelius, Kulturgeschichte Schwedens S. 135 (E. A. Seemann, Leipzig).
  • Abb. 10. Amulette: Beilförmige Bernsteinperlen. Aarbeger for nordisk Oldkyndighed og Historie. Kjobenhavn. 1888. V2. Aus Müller, Nordische Altertumskunde I S. 150 (Karl J. Trübner, Straßburg).
  • Abb. 11. Amulette: Brakteaten. Atlas für nord. Olkynd. und G. Stephens. '/'• Aus Müller, Nordische Altertumskunde II S. 194 (Karl J. Trübner, Straßburg).
  • Abb. 12. Amulett: Goldbrakteat. Aarbeger for nordisk Oldkyndighed og Historie. Kjobenhavn. 1880. Vi. Aus Müller, Nordische Altertumskunde II S. 195 (Karl J. Trübner, Straßburg).

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Ansha - Die magische Welt der Kelten, Ludwig, 1900.
  2. Mittelniederdeutsches Wörterbuch. 6 Bände. Schiller-Lübben. Bremen 1875-81.
  3. Fund im Historischen Museum: Ög Hagebyhöga Aska: Föremål 107873. SHM 16429

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