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Das Wissen über die Ansteckung im Sinne von Krankheitsübertragung (Kontagion), war bis zum Frühmittelalter relativ unbekannt. Zumeist sah man Krankheiten als das Wirken böser persönlicher Gewalten an.

Begriff

Die Bezeichnung Ansteckung ist neuhochdeutsch, und auch das ältere "Erben" oder "Anerben" einer Krankheit, das nicht die Erblichkeit, sondern das Empfangen eines Krankheitskeimes durch direkte Übertragung zum Ausdruck bringt, entstand in dieser Bedeutung nachweisbar erst nach Ende des 15. Jahrhunderts. Der Vater der wissenschaftlichen Ansteckungslehre ist Girolamo Fracastoro (1483 - 1553), der der Erblichkeitslehre in Krankheiten seinerseits Theophrastus von Hohenheim (1493 - 1546).

Geschichtliches

Doch bereits in den Pestberichten des griechischen Historikers Thukydides (* vor 454 v. Chr.; † 399 v. Chr.) dämmerte die Erkenntnis, dass der Mensch bei ansteckenden Krankheiten anderen Menschen zur Erkrankungsquelle wurde.

Die Lepra und was unter ihrem Namen ging, öffnete von Osten her den Medizinern des frühmittelalterlichen Europas die Augen. Sie wurde zum Inhalt der Ausbildung im späteren alexandrinischen Griechentum [1], und führte zu dem Ergebnis der Absonderung der Erkrankten zur Bewahrung der noch Gesunden vor dem Krankwerden. Dieses Verfahren wurde in Mittel- und Südeuropa im 9. Jahrhundert üblicherweise durchgeführt, wie die "Horngebrüder" es dartun. Doch bereits seit der Synode von Orleans (im Jahre 549) wurde ein solches Vorgehen erstrebt, das ohne eine Vorstellung von "Ansteckung undenkbar gewesen wäre.

Nach Nordeuropa gelangte diese Praxis erst einige Jahrhunderte später. Doch auch hier finden sich Belege dafür, dass Kranke ausgesetzt wurden. So z.B. in der Überlieferung der Entfernung eines leprös gewordenen Geistlichen von seinem Amte mit der Begründung "dass auch andere durch ihn erkranken könnten".

Die Vorstellung eines Krankheitsmiasmas mag in dem "Schelmen" der Pest im 14. Jh. stecken, bestimmter im "Pestgift" und deutlicher noch im "fliegenden Gift" (fleogendum atre) der "schnell aufschießenden Pusteln" (faer spryngum) in den angelsächsischen Lacnunga (6) und Laeceboc Balds (I 45, 5) vom Anfang des 10. Jhs. [2]

Quellen

  • Die Geschichte der Lehre von der Ansteckung. Puschmann. Wien 1895.

Einzelnachweise

  1. s. Zeitschrift für Rechtsgeschichte. Weimar 1861-87. 19 ff.
  2. Leechdoms, Wortcunning, and Starcraft of Early England (Internet Archive). 3 Bände. Thomas Oswald Cockayne. London 1864-66. Bd. III, S. 6 und Bd. II, S. 112.

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