Wikia

Mittelalter Wiki

Apfelbaum

Kommentare0
1.472Seiten in
diesem Wiki
Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde als Spotlight vorgestellt.
Apfelbaum
Khirbat al-Mafjar Mosaik um 735
Art: Pflanzen

„Wenn ich wüsste, dass morgen der Jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

Martin Luther: (1483-1546)

Der Apfelbaum (Malus) wurde bei den Kelten "Quert" genannt und entsprach dem Buchstaben "Q" des Ogam Alphabets. Der Apfel taucht in zahllosen Märchen auf und spielt in vielen Mythologien und Ritualen eine Rolle.

Geschichte Bearbeiten

Der Apfelbaum war der einzige Obstbaum, der von den Germanen schon in vorrömischer Zeit kultiviert wurde (siehe Obstbau). Seine Kultur reicht in Mittel- und Nordeuropa bis in die Steinzeit zurück. In zahlreichen neolithischen und bronzezeitlichen Pfahlbauten der Schweiz und Oberitaliens sowie in zerstreuten vorgeschichtlichen Stationen Österreich - Ungarns, Deutschlands und Skandinaviens kamen Äpfel in verschiedenen Größen und Mengen zutage. Die reifen Früchte wurden fast überall der Länge nach durchgeschnitten, gedörrt und zum Teil in größeren Mengen als Wintervorrat aufbewahrt. [1]

Die meisten der mittelalterlichen Apfelsorten wurden mit den übrigen Obstarten durch die Römer nach Nordeuropa gebracht. Zu Plinius' Zeit kannten die Belgier schon eine besondere kernlose Art von Äpfeln, die mala spadonia [2]. Im Capitulare de villis von Karl dem Großen von 812 wird eine ganze Anzahl von Apfelsorten aufgeführt, die man allerdings heute so gut wie nicht mehr identifizieren kann: gozmaringa, geroldinga, crevedella, spirauca, dulcia, acriores, omnia servitoria, et subito comessura primitiva [3].

Auch im angelsächsischen Arzneibuch Balds aus dem 10. Jahrhundert ist von mancherlei Apfelsorten (manigfeald aeppelcyn) die Rede; bestimmte Sorten werden nicht genannt, es wird in den literarischen Quellen nur zwischen süßen, süßsauern und sauern Äpfeln unterschieden.

In den altnorwegischen und altschwedischen Gesetzessammlungen werden Äpfel und Apfelgärten häufig erwähnt und in den Schutz des Gesetzes gestellt. In dem Erlaß König Hakon Magnussons vom 14. November 1316 ist von einem königlichen Apfelgarten in Bergen die Rede. Sogar in der isländischen Jonsbok (von 1281) finden sich Verordnungen zum Schutz von Apfelgärten. [4]

Sprachgeschichte Bearbeiten

Die archäologischen Zeugnisse für das hohe Alter der Apfelkultur erhalten durch die Sprachforschung eine gewichtige Bestätigung: der gemeingermanische Name des Apfels gehört einer sehr alten, gemeineuropäischen Wortverwandtschaft an: althochdeutsch apful, afful (m.) mittelhochdeutsch, neuhochdeutsch: apfel (m.), mittelniederdeutsch. neuniederdeutsch. niederländisch. appel (m.), angelsächsisch. aeppel (m.) etc. Gallisch: Aballo, das heutige Avalon = 'Obstgarten' [5]. Diese weit verbreitete Namensippe beweist, dass der Apfel den europäischen Völkern schon in der prähistorischen Zeit bekannt war. Dass es sich dabei um den Kulturapfel, nicht den Holzapfel handelte, wird einmal durch die archäologischen Funde von Kulturäpfeln aus neolithischer Zeit, aber auch durch die Tatsache erwiesen, dass der Apfel die einzige Obstart war, für die sich beim Eindringen der römischen Obstkultur in den ersten Jahrhunderten nach Chr. der altangestammte Name behauptete: ein Zeichen dafür, dass die Germanen bereits einen Apfel kannten, der sich von dem römischen nicht sehr wesentlich unterschied. [6]

Bedeutungen Bearbeiten

Äpfel Castra Aequitatis 2012-07-14 1302

Schale mit Äpfeln (Castra Aequitatis)

Es gibt wohl kaum einen Baum, der in den Religionen der unterschiedlichsten Kulturen so eng mit den Vorstellungen von einer besseren Welt verbunden ist wie der Apfelbaum. Er spielt in allen eurasischen Kulturen als Symbol von Liebe, Fruchtbarkeit, Erkenntnis und Reichtum eine Rolle. In vielen Kulturen wird vom Apfelbaum auch als Baum des Lebens gesprochen (siehe z.B. jüdische Kabbala).

So wird z.B. in der griechischen Mythologie von den goldenen Äpfeln der Hesperiden erzählt, die ewiges Leben gewährleisteten. Bei den Babyloniern war es Ischtar, die mit dem Symbol des Apfels verehrt wurde, bei den Griechen Aphrodite und bei den Germanen Idun. Martin Luther (1483 bis † 1546) wird das Zitat zugeschrieben: "Wenn ich wüsste, dass morgen der Jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen."

Als Reichsapfel war der Apfel im mitteleuropäischen Kaisertum das Symbol von Besitzanspruch und Verfügungsgewalt. Dieser Apfel war – gelegentlich – mit Sand oder Asche gefüllt zum Zeichen der Vergänglichkeit aller irdischen Macht.

Nordische Mythologie Bearbeiten

In der nordischen Mythologie war die Göttin Iduna Hüterin einiger goldener Äpfel, die den Göttern die ewige Jugend und damit auch die Unsterblichkeit verliehen. [7] Mit elf goldenen Äpfeln warb der Gott Freyr um Gerd.

Bedeutung bei den Kelten Bearbeiten

Avalon, das keltische Paradies, war die Insel der Apfelbäume. Daher waren Äpfel auch mit der Anderswelt verbunden.

  • Rätselvers: "Und der gesegnete Wildapfel, lachend vor Stolz ..."
  • Zeit: 5. August bis 1. September
  • Vogel: Kranich
  • Farbe: Braun
  • Schlüsselbegriffe: Verbindung zur Anderswelt, Lust und Liebe, Gesundheit
  • Person: Ein liebenswerter, strahlender Mensch
  • Qualität: Liebe

Bedeutung im Christentum Bearbeiten

Im Christentum sticht vor allem der Mythos um den "Sündenfall" und den Apfel vom Baum der Erkenntnis hervor. Der Mythos erzählt, wie Adam und Eva im Garten Eden von den verbotenen Früchten des Baumes der Erkenntnis essen und daraufhin aus dem Paradies vertrieben werden. Obwohl in der Bibel nur allgemein von "Frucht" die Rede ist, setzte sich in der westlichen Welt der Gedanke fest, es sei ein Apfel gewesen. Der biblische Baum der Erkenntnis steht in engem Zusammenhang mit dem oben erwähnten Baum des Lebens.

Daher dient der Apfel als Emblem der ganzen Thematik vom Garten Eden und der verlorenen Unschuld des Menschen. Dieser Kontext wurde in vielen Märchen, auch im arabischen Raum, verarbeitet. Typisch für das Spätmittelalter sind Darstellungen, auf denen die Muttergottes dem Kind den Apfel überreicht. Dies steht in der Bedeutung, dass Christus die Sünden der Welt auf sich nimmt und dadurch die Menschheit erlöst.

Apfelschuss Bearbeiten

In mehreren europäischen Sagen taucht das Motiv vom "Apfelschuss" auf. Dabei soll ein Mann im Auftrag eines Herren einen Apfel vom Kopf eines Kindes schießen. Dieses Motiv wird vom 12. bis 16. Jhd. von mind. acht Sagenhelden erzählt:

  • 4. Wilhelm Tell - Das Motiv vom Apfelschuss war ebenso das Vorbild für die Entstehung der Legende um den Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell im 15. Jahrhundert. [9] Zuerst im Weissen Buch von Sarnen um 1470 erzählt. Das Motiv basiert mglw. auf der Überlieferung des dänischen Helden Toko (s. 1.)
  • 7. William of Cloudesly - In einer englischen Wildererballade von 1536 um Adam Bell, Clym of the Clough und Wyllyam of Cloudeslee (William of Cloudesly) sagt letzterer dem König, dass er einen Apfel vom Kopf seines 7-jährigen Sohnes schießen wird. [11]

Von den mind. acht überlieferten Trägern des Apfelschuss-Motives ist Egil der Meisterschütze der einzige altbeglaubigte Name. Es fragt sich, ob auch der Apfelschuß seit Alters her von ihm erzählt wurde oder erst im 12. bis 13. Jhd. auf ihn übertragen wurde. Dürfte man Egilis Hausverteidigung (s. Runenkästchen von Auzon) in der Ballade von William of Cloudesly (7.) wiederfinden (Str. 20-37), so spricht dies dafür, dass die beiden dort von William, anderwärts von Egil berichteten Handlungen von jeher einen einzigen Helden hatten: Egil den Meisterschützen. Allerdings bleibt die Identität der beiden Auftritte bestreitbar.

Ihrer Art nach kann die Apfelschußdichtung durchaus dem nordischen Heroenstil entstammen. Sie gestaltet ein Problem aus dem Dienstmannenleben: wie zieht sich das Ehrgefühl eines Kriegers aus der Sache, wenn die Laune des Druhtinaz (druhtin) dieses Außerordentliche von ihm verlangt? Antwort: Er folgt, aber er sieht die Rache vor, und er hat den Mannesmut, dies dem Fürsten ins Gesicht zu sagen. Eine Fehde zwischen Schützen und Herrn, eine Bestrafung des Trutzwortes und die nachmalige Erschießung des Fürsten, dies sind Zutaten einzelner Texte in Angleichung an neue Zusammenhänge. [12]

Zankapfel Bearbeiten

Aus der griechischen Mythologie wird die Bedeutung des Apfels als Zankapfel überliefert. Dort wurde Eris, die Göttin des Streits und der Zwietracht, als einzige Gottheit des Olymp nicht zur Hochzeit von Peleus und Thetis eingeladen. So warf sie einen Goldenen Apfel mit der Aufschrift „der Schönsten” unter die Göttinnen, und rief damit Zank und Streit hervor. Paris, ein trojanischer Königssohn, sollte daraufhin die Entscheidung fällen und wählte die Liebesgöttin Aphrodite zur Schönsten, was dann zum Trojanischen Krieg führte. Im diesem stand Hera auf der Seite der Griechen, da Paris nicht ihr, sondern Aphrodite den Goldenen Apfel der Eris zuerkannte.

Praktische Nutzung Bearbeiten

Äpfel waren und sind nicht nur als Nahrungsmittel begehrt, sondern obendrein auch gesund. Bereits die Kelten und Germanen verarbeiteten die Früchte des einheimischen Apfelbaumes. Sie verkochten das Obst zu Mus und gewannen Most daraus. Den Saft vergor man zusammen mit Honig zu Met.

Apfel als Heilpflanze Bearbeiten

Als Heilpflanze tauchte der Apfel bereits in einer alten babylonischen Schrift aus dem 8. Jahrhundert v.Chr. auf, die die Pflanzen des Heilkräutergartens von König Mardukapaliddina aufzählt. Auch die Mittelalterliche Medizin schrieb dem Apfel allerlei heilkräftige Wirkungen zu. Vieles liegt jedoch noch im Dunkeln, wie, wann und welche Teile der Apfelpflanze genutzt wurden.

Quellen Bearbeiten

  • Waldbäume und Kulturpflanzen im germanischen Altertum. Johannes Hoops. Straßburg 1905.

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Die Prähistorische Pflanzenreste Mitteleuropas. Neuweiler. Zürich 1905; Sonderabdruck aus der Vierteljahrschrift d. Natf. Ges. Zürich 50.
  2. Naturalis Historia. Plinius. 15, 51
  3. vgl. Altdeutsche Gartenflora. v. Fischer-Benzon. Kiel und Leipzig 1894. S. 145. S. 183 f.
  4. Pflanzen der Pfahlbauten. Heer. Separatabdruck aus d. Neujahrsblatt d. Naturforsch. Ges. auf d. J. 1866. Zürich 1865.
  5. Lateinisches Etymologisches Wörterbuch. Walde. Heidelberg 1906. S. 2)
  6. vgl. Waldbäume und Kulturpflanzen im germanischen Altertum. Hoops. Straßburg 1905. S. 477 ff.
  7. Gylfaginning, 26
  8. Flateyjarbok. Kristiania 1860—68.
  9. Wikipedia: Apfelschuss
  10. Johann Georg Theodor Grässe: Sagenbuch des Preußischen Staates 1–2: Henning Wulf, Band 2, Glogau 1868/71, S. 1029-1030.
  11. Child Ballads Nr. 116: Adam Bell, Clim of the Clough and William of Cloudesly (Child ballad database)
  12. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 1. Johannes Hoops, 1918-1919. S. 498. Art. Egil der Meisterschütze

Aus dem Wikia-Netzwerk

Zufälliges Wiki