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Als Apologeten bezeichnet man die ältesten Kirchenväter, die im Laufe des 2. Jhs. als entschiedene Verteidiger des stärker werdenden Christentums auftraten. Diese mehr oder minder philosophisch gebildeten Männer aus den Reihen der Kirche stellten sich mit Verteidigungsschriften gegen die vielfache Kritik, die sich das Christentum von Seiten des Staates und Schriftstellern (wie z.B. Celsus, später Porphyrius) zuzog. Im Gegensatz zu den Gnostikern vertraten die Apologeten das kirchliche Christentum und wurden deshalb als "die ersten Kirchenväter" bezeichnet. Ihre christliche Philosophie nennt man Patristik.

Beschreibung

Grund der Kritik an der erstarkenden Kirche waren neben Vorwürfen der Lasterhaftigkeit, heimlicher Greueltaten und Staatsfeindschaft auch gewisse philosophische Auffassungen des Christentums. Die Apologeten, zum Teil selbst erst Neubekehrte, traten dieser Kritik als Verteidiger ihres Glaubens nicht nur entgegentreten, sondern sie wollten zugleich die christliche Religion den philosophisch Gebildeten als die höchste und einzig wahre Philosophie darlegen. Erreichen wollten sie das, indem sie das Christentum als vernünftig, als Religion des Geistes, der Freiheit und der Sittlichkeit nachzuweisen versuchten. Durch sie entstand die Apologetik, die Wissenschaft der Verteidigung des Christentums gegen seine Gegner.

Vertreter

Die berühmtesten Apologeten des Christentums sind: Quadratus von Athen, Aristides von Athen, Justinus Martyr, Athenagoras, Tatian, Theophilus, Irenäus von Lyon, Tertullian und Minucius Felix. Später Origenes (contra Celsus), Eusebius, Arnobius, Lactantius, Augustinus von Hippo. Gegen die Muhammedaner und Juden richtete sich vorallem Bartholus Edessenus, Raymundus Martinus; eine philosophische Verteidigung des Christentums schrieb Thomas von Aquin.

Antike Apologeten (2. Jh.)

  • Aristides von Athen († um 125) - Über den athenischen Philosophen Aristides berichtet seine 1878 aufgefundene, um 140 an Kaiser Antoninus Pius gerichtete Schutzschrift, die besonders den Monotheismus hervorkehrt, sonst jedoch keine besondere Selbständigkeit des Denkens zeigt.
  • Quadratus von Athen († um 130) - (Kodratos). Von dem ältesten christlichen Apologeten, Quadratus aus Athen, ist nichts Sicheres bekannt. Er lebte unter Kaiser Hadrian, dem er eine Verteidigungsschrift des Christentums übergab, jedoch ist diese Schrift nicht erhalten. [1]
  • Justinus Martyr († 165) - Justin gilt als bedeutendster der älteren Apologeten. Er starb zwischen 165-167 in Rom als Märtyrer. Er gelangte von der Stoa und dem Platonismus zum Christentum und lehrte im Philosophengewand.
  • Tatian († 170)- Für den Assyrer Tatian war das Christentum die einzig wahre Philosophie. In seiner Schrift Gegen die Griechen (um 160) war ihm jedes Mittel der Verdrehung und Verleumdung recht, um die griechische Wissenschaft, Kunst und Sitte herabzusetzen. Der Mensch bestand für ihn aus Leib, Seele und Geist; nur der letztere war unsterblich.
  • Athenagoras - Dieser "christliche Philosoph von Athen" versuchte in seiner 177 verfaßten Apologie im hellenisch-philosophischem Stil, besonders den Monotheismus und dessen Vereinbarkeit mit der Dreieinigkeitslehre, sowie in einer besonderen Schrift die leibliche Auferstehung der Toten nachzuweisen.
  • Theophilos († 186) - Bischof von Antiochien. Er versuchte mit theoretischen Gründen einen wissenschaftlichen Heiden von der Wahrheit des Christentums zu überzeugen. Das Christentum wird von ihm nicht mehr als "Philosophie", sondern als "Weisheit Gottes" bezeichnet.

Antike Apologeten (3. Jh.)

  • Irenäus von Lyon († 202) - Bischof von Lyon. Irenäus' Hauptwerk wendete sich gegen den Gnostizismus und beschäftigt sich mit der Enthüllung und Widerlegung der falschen gnostischen Erkenntnis (Adversus haereses).
  • Hippolyt von Rom († 235) - Presbyter in Rom. Irenäus' Schüler. Berühmt als der gelehrte Verfasser eines großen Werkes Gegen alle Ketzereien und als Verteidiger einer christlichen Logoslehre.
  • Minucius Felix (2./3. Jh) - Römischer Anwalt, dessen Dialog Oktavius die Bekehrung eines heidnischen Philosophen durch seinen christlichen Freund schildert.

Antike Apologeten (4. Jh.)

Zu den letzten (lateinschreibenden) Apologeten gehören:

  • Laktantius (* um 250; † um 320) - Lateinischer Rhetoriklehrer, später Prinzenerzieher am Hofe Konstantins. Sein Hauptwerk Institutiones divinae will eine philosophische Begründung der christlichen Lehren und zugleich eine Unterweisung in ihnen geben, der eine »Widerlegung« der falschen, heidnischen Religion und Philosophie voraufgeht.
  • Arnobius der Ältere († um 330) - Afrikanische Rhetor, der um 300 Sieben Bücher Gegen die Heiden (adversus gentes) verfaßte, in denen er die Einheit und Ewigkeit Gottes gegenüber dem Widersinn und der Unsittlichkeit des Polytheismus verteidigte.
Jüngere Patristik
  • Gregor von Nyssa (* um 335/340, † nach 394) - Einer der drei "großen Kappadozier". Versuchte in seiner Großen katechetischen Rede eine Art Vernunftbeweis für die kirchliche Lehre zu erbringen, weshalb er von einer gewissen Bedeutung für die Philosophiegeschichte der Jüngeren Patristik ist.
  • Ambrosius von Mailand († 397) - Gab in seinem vielgelesenen Buch "De officiis ministrorum libri III" eine nach dem Muster von Cicero de officiis ausgeführte christliche Sittenlehre, allerdings ohne philosophische Bedeutung.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. Berlin 1912, S. 578.

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