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Als Apsis oder Apsīde (grch.) bezeichnet man die halbrunde Altarnische, die sich dem Altarhaus der romanischen Kirchen als gesonderter Bauteil östlich unter einen besonderen Dach erstreckt. [1]

Begriff

Das Wort Apsis kommt aus dem griech. apsis oder hapsis = Verbindung, Rundung, Gewölbe, daraus mittellat. absîda, althochdeutsch. absîda, apsîta, neuhochdeutsch: Chornische. Damit wird der meist östlich gelegene Ausbau der Kirchen gemeint, der für den Altar bestimmt ist.

Die apsîte war ursprünglich die Altar-Nische der Basilika. Sie heisst daher auch lat. concha, tribunal, sanctuarium oder sancta sanctorum, weil der Hochaltar darin steht. Im gotischen Baustil hört die Apsis auf, ein organisch gesondertes Glied, eine selbständige Vorlage des Altarhauses zu sein, und der Altarraum ist nunmehr ein Bestandteil des hohen Chores, des Allerheiligsten. [2]

Beschreibung

Im Grundriß ist die Apsis gewöhnlicherweise halbkreisförmig und fast immer mit einer Halbkuppel überwölbt. Häufig ist der Ausbau mehr als nur halbkreis- d.h. hufeisenförmig; so z.B. im Schweizer Disentis aus dem 8. Jahrhundert und im Schweizer Münster (Graubünden) aus dem 9. Jahrhundert. Die Kirche von Germigny des Près (um 800, Frankreich) ist mit ihren Kuppeln und Hufeisenbögen fast schon eine Moschee. Auch in der Kirche von St. Miguel de Escalada in Spanien finden sich diese Bögen häufig dreifach nebeneinander, den drei Schiffen entsprechend.

In vielen Fällen ist die Altarnische jedoch rechteckig, besonders häufig in Spanien. So schon an der Kirche St. Juan Bautista zu Bafios, erbaut 661 von König Reccesvinth; auch einst im Aachener Münster.

Apsisformen RdGA B1 Tafel 20

Apsidenformen.

Einen von innen sechseckigem, außen trapezförmigem Grundriß sieht man bei St. Jean zu Poitiers, einem Merowingerbau. Bei den Angelsachsen und im hohen Norden ist das Altarhaus fast stets rechteckig und durch einen oft ganz engen Chorbogen gegen das Schiff abgegrenzt. Später wurde die halbrunde Apsis gern durch einen rechteckigen Raum (Chorquadrat) gegen das Querschiff oder Schiff zu verlängert, so dass sich seitlich Wände, offenbar für die Sitze der Geistlichkeit, ergaben. So in der Stiftskirche zu Gernrode (anno 961).

Herkunft

Die Apsis als überwölbten Raum wendeten zuerst die Römer an ihren Tempeln, Basiliken, Palästen, Thermen in Form größerer oder kleinerer Nischen an. In der Apsis der alten christlichen Basiliken hatten der Bischof und das Presbyterium seinen Sitz. Die Apsiden wurden an dem hintern Ende entweder nur des Mittelschiffs oder auch der Seitenschiffe angebracht, um Seitenaltäre aufzunehmen, wobei deren Fußboden immer etwas über den der Schiffe erhöht wurde. [3]

Erst später, als der Ritus eine größere Zahl von Geistlichen erforderte, die sich mehr und mehr von der Gemeinde absonderten, wurde zwischen die Apsis und das Querschiff noch ein Raum mit rechteckigem Grundriß eingeschoben, dessen Fußboden ebenfalls erhöht wurde. Dieser Raum, in den man den früher im Schiff befindlichen Chorus aufnahm, und der deshalb den Namen des hohen Chors erhielt, wurde gegen das Schiff durch eine Schranke abgeschlossen, blieb aber mit der Apsis in Verbindung und bildete mit dieser die für die Geistlichkeit abgesonderte Abteilung der Kirche (s. Art. »Kirchenbaukunst« und »Basilika«). [4]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon: Apsis, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 85.
  2. Reallexicon der Deutschen Altertümer: Apsis. E. Götzinger. Leipzig 1885., S. 30-31.
  3. Herders Conversations-Lexikon: Apsis. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 225.
  4. Meyers Großes Konversations-Lexikon: Apsis, Band 1. Leipzig 1905, S. 640-641.

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