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Aquitanien (lat. Aquitania) war unter den Römern der Name des südwestlichen Galliens und umfaßte die Wohnsitze der Aquitani (celtisch Aremorici). Es lag zwischen den Pyrenäen, Loire und den Sevennen. Unter den Goten und Franken war Aquitanien Herzogtum und Königreich. Im 10. Jh. kam der Name Guyenne auf und als Herzogtum war es lange Gegenstand des blutigen Kampfes der englischen und französischen Könige. [1]

Beschreibung

Aquitanien war ursprünglich Name des südwestlichen Teiles von Gallien, insbesondere des von iberischen Stämmen bewohnten Landes zwischen den Pyrenäen und der Garonne. Dann (seit Augustus) Name einer römischen Provinz, die das Land von den Pyrenäen bis zum Liger (Loire) und vom Atlantischen Ozean bis zu den Cevennen umfaßte. Diese große, über ein Drittel des heutigen Frankreich umfassende Provinz wurde im 4. Jh. in drei Teile zergliedert:

  • 1.) Aquitania prima, der nordöstliche Teil mit der Hauptstadt Avaricum, samt den späteren Landschaften Berry, Bourbonnais, Auvergne, Velay, Gévaudan, Rouergue, Albigeois, Quercy und Marche;
  • 2.) Aquitania secunda, der mittlere Teil im Nordwesten, mit der Hauptstadt Burdigala (Bordeaux) und den spätern Landschaften Bordelais, Poitou, Saintonge, Angoumois und dem westlichen Guyenne;
  • 3.) Aquitania tertia oder Novempopulana, der südlichste Teil an den Pyrenäen, mit den spätern Landschaften Bigorre, Cominge, Armagnac, Béarn, Pays des Basques, Gascogne u.a.

Die ältesten Einwohner Aquitaniens waren Iberer, unter denen sich keltische Stämme, besonders die Bituriger, niederließen. Den Römern wurde Aquitanien 57 v. Chr. durch Cäsars Legaten Crassus unterworfen. Das Land umfaßte damals bloß den südwestlichsten, überwiegend von Iberern bewohnten Teil Galliens (das spätere Vasconia oder Gascogne). Bei der neuen Provinzeinteilung unter Octavianus 37 v. Chr. wurde Aquitanien nach Norden und Osten bis zur Loire erweitert. Seit Augustus waren die Grenzen Aquitaniens das Lugdunensis, das Lugdunensische und Narbonensis, das Narbonensische Gallien.

Völkerwanderungszeit und Merowinger

In der Völkerwanderungszeit ließen sich die Westgoten unter Ataulf in Aquitanien nieder und stifteten unter Wallia, Ataulfs Nachfolger, ein mächtiges Reich mit der Hauptstadt Toulouse, das der Frankenkönig Chlodwig I., nachdem es unter 6 Königen 90 Jahre lang bestanden hatte, im Anfang des 6. Jh. zertrümmerte. Durch die Schlacht bei Voullon (507) wurde mit ganz Südgallien auch Aquitanien ein Teil des fränkischen Reiches und hatte auch 630–631 einen eigenen Fürsten, Aribert, Sohn des Frankenkönigs Chlothar II., dem sein älterer Bruder Dagobert I. Aquitanien überlassen hatte.

Unter den Merowingern bildete Aquitanien ein nur dem Namen nach von dem Frankenreich abhängiges Herzogtum. Zu Anfang des 8. Jh. vereinigte Eudo, ein Merowinger, einen großen Teil Südwestens Frankreichs unter seiner Botmäßigkeit, nannte sich Herzog von Aquitanien und dehnte die Grenzen seines Landes bis fast an die Loire aus.

Karolinger

Mit Chilperich gegen Karl Martel verbunden, wurde er mit jenem 719 bei Soissons geschlagen; dann trat er zu Karl über, lieferte demselben den König Chilperich aus und blieb im Besitz des Reichs. 721 schlug er die Araber bei Toulouse, als aber 725 diese von Neuem über die Pyrenäen drangen, verbündete sich Cudo mit ihnen, jedoch zwang Karl Martel ihn 731 dem Bündniß zu entsagen. Nun fiel der Statthalter der Khalifen Abdorrhaman in Aquitanien ein und schlug Eudo 732 bei Bordeaux. Mit Karl verbunden, besiegte Eudo die Mauren bei Poitiers und starb 735.

Ihm folgte sein Sohn Hunold (Hunald), dieser empörte sich nach Karl Martels Tode (741) gegen dessen Söhne Karlmann und Pipin, wurde aber 742 von ihnen unterworfen, worauf er die Regierung niederlegte und sich in ein Kloster auf der Insel Rhé begab. Sein Sohn Waifar (Gouffrin) folgte ihm in der Regierung und als Pipin und Karlmann 743 gegen Baiern zogen, ging er über die Loire, verheerte das Land und drang bei Chartres vor. 744 aber wurde er von den Franken wieder zur Unterwerfung gezwungen.

759 wollte ihn Pipin zwingen, die in Aquitanien liegenden Güter fränkischer Kirchen zurückzugeben und die zu ihm geflüchteten Franken auszuliefern; hieraus entstand ein langwieriger Krieg, der sich aber 768 mit der Unterwerfung Aquitaniens endete. Waifar starb 768, und nun kam Hunold wieder aus dem Kloster hervor und machte einen vergeblichen Versuch, wieder Herzog zu werden. Aquitanien wurde mit der Fränkischen Monarchie vereinigt und durch Grafen regiert.

Nach blutigen Kämpfen zwischen den Karolingern und den Herzögen Hunold und Waifar wurde Aquitanien 771 durch Karl den Großen zu einer Provinz des fränkischen Reiches und von Grafen regiert, bis es Karl der Große zum Königreich erhob und seinem Sohn Ludwig dem Frommen verlieh. 814 übergab Ludwig Aquitanien zusammen mit der spanischen Mark zur Verwaltung seinem Sohn Pippin, der bei der Reichsteilung 817 zum König von Aquitanien ernannt wurde.

Pippin säuberte 819 Vasconien von den Rebellen, kämpfte 824 gegen die Bretagner, machte auch 827 einen Zug wider die Sarazenen in die Spanische Mark. 830 erhob er sich gegen seinen Vater, Ludwig den Frommen, 832 wurde ihm aber auf der Versammlung zu Limoges Aquitanien abgesprochen und er selbst mit Gemahlin und Kindern in die Hast seines Vaters gegeben. Er entfloh und sein Vater ließ nun die Vasallen Pipins seinem Halbbruder, Karl dem Kahlen, die Treue schwören.

Als jedoch Ludwig Aquitanien verließ, kehrte Pipin dahin zurück, vereinigte sich 833 mit seinen Brüdern Lothar und Ludwig bei Kolmar gegen seinen Vater, söhnte sich aber bald mit ihm aus und starb 833. Ein Teil von Aquitanien erkannte seinen Sohn Pipin II. als König an, doch sein Großvater Ludwig ließ seinem Sohn Karl dem Kahlen dort huldigen. Nach Ludwigs Tode vereinigte sich Pipin mit seinem Oheim Lothar, König von Italien, und Herzog Bernhard von Septimanien. Nachdem Pipin am 25. Juni 841 bei Fontenai l'Auxerrois geschlagen worden war, ging er nach Aquitanien zurück, wo er sich gegen Karl hielt.

Vertrag von Verdun

Im Vertrag von Verdun (843) wurde Aquitanien zu Karls des Kahlen Anteil geschlagen. Durch Vermittelung Lothars und Ludwigs des Deutschen kam ein Vertrag zu Stande, in dem Pipin von Karl als König von Aquitanien anerkannt wurde, worauf ihm dieser 845 den Lehneid leistete. Als sich Pipin 848 aber bei den Einfällen der Normanen zu unthätig bewies, wählten dis Aquitanier Karl zu ihrem König; 2 Jahre lang regierte nun Karl in Aquitanien, bis 850 die Aquitanier wieder Pipin als König annahmen; aber bereits 852 wurde er abgesetzt (s. Königsabsetzung) und in ein Kloster gebracht.

Seine Gegner waren die Großen des Landes, doch andere Volk hing ihm an und verhalf Pipin 854 wieder zur Herrschaft. Doch 856 wurde er wieder und dann entgültig vertrieben, die Großen wählten Karl, Sohn Karls des Kahlen, zum König. Karl blieb mit seinem Vater einig. Als er kurz darauf auf einer Jagd ums Leben kam, belehnte Karl der Kahle seinen Sohn Ludwig mit Aquitanien. Da dieser 877 König von Frankreich wurde, fiel Aquitanien an Frankreich. Doch nach Ludwigs schon 879 erfolgtem Tode teilten seine Söhne Frankreich und der jüngere, Karlmann, erhielt 880 Burgund und Aquitanien.

Als 882 Karlmann König des Frankenreiches wurde, wurde Aquitanien wieder mit dem Reich vereinigt. Die Herzöge von Aquitanien, die nach dieser Zeit vorkommen, waren lediglich hohe Beamte der Krone, machten aber doch die Würde erblich in ihrer Familie. Gegen Ende des 9. Jh. wurde Aquitanien von neuem an einen Vasallen, Rainulf, Grafen von Poitiers, mit dem Herzogstitel verliehen.

Aquitanien umfaßte unter seinem Nachfolger Wilhelm Werghaupt (Tête d'étoupes) um 950 die Grafschaften Gascogne, Armagnac, Fézensac, Périgord, Poitou, Angoulême und La Marche, während das Gebiet der obern Garonne 929 an den Grafen Raimund Pons von Toulouse verliehen worden war. Die Eifersucht der Häuser Poitou und Toulouse zerrüttete das Land und schwächte seine politische Macht. In diesen Zeiten verschwand der Name Aquitanien und blieb nur dem Besitz der Familie Poitou in der Form Guyenne.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1854, Band 1, S. 227.

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