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Die Architektur und Baukunst des ersten Jahrtausends in Deutschland war zunächst vergleichsweise einfach und baute auf den nordischen Sitten und Anforderungen auf. Durch veränderte politische Stellung und veränderten Wohnsitz stiegen jedoch die Ansprüche mit der Zeit und führten eine bedeutsame Umgestaltung und Förderung des Bauwesens herbei.

Beschreibung

Ursprünglich herrschte in den germanischen Gebieten eine reine Holzbaukunst vor, die nach und nach langsam zur Steinbaukunst überging, ohne jedoch die Zeichen ihrer Herkunft aus dem Holzbau zu verlieren. Die Holzbaukunst wird durch die Sprache (Wulfilas) und vorallem durch die Beschreibung zeitgenössischer südlicher Autoren (Caesar, Plinius, Tacitus, Priscus, Venantius Fortunatus usw.) überliefert, ebenso wie durch die Dichtkunst und Sagen (Beowulflied). In diesem Sinne gestaltet sich das Formale des Steinbaus ganz erheblich um.

Zugleich machte sich der Einfluß der antiken und altchristlichen Bauten in den eroberten romanischen Ländern stark geltend. In der Folgezeit beeinflussten ebenso orientalische, insbesondere anatolische, syrische, überhaupt kleinasiatische Künstler und anderer Sendboten der Levante (Geistlicher), hauptsächlich über Byzanz her, die Baukunst des Abendlandes. Kleinasiatische Namen finden sich zahlreich auf altchristlichen Kunstdenkmalen, vorallem an Grabmälern und Särgen bis in nach Trier und sogar England. [1]

Steinbaukunst

Für archäologische Erkenntnisse über die frühmittelalterliche Steinbaukunst kommen z.B. die sehr spärlichen noch erhaltenen, fast nur kirchlichen steinernen Bauwerke in Nordeuropa bis etwa 1000, mehr noch aber, weil zahlreicher, die älteren germanischen im Süden in Betracht. Also die der Goten in Italien und Spanien, der Langobarden in Italien, der merowingischen Franken und der Burgunden in Gallien, - der Wandalen in Nordafrika, sowie die angelsächsischen in Südwest-England und die fränkisch-karolingischen in Deutschland und Frankreich; zuletzt die in der Schweiz zerstreuten verschiedenartigen kleinen Bauwerke, teilweise burgundischen oder langobardischen, nachher merowingischen und karolingischen Charakters.

Holzbaukunst

Merowinger Sachsenhaus AFM Oerlinghausen 2007 PD

Sachsenhaus der Merowingerzeit (AFM Oerlinghausen)

Den Steinbauten gegenüber waren die Städte des 1. Jahrtausends ebenso wie die Bauten auf dem Lande so gut wie vollständig aus Holz (s. Bauholz) erbaut, wovon Spätlinge, wie Hildesheim, Goslar u.a. noch vor Augen stehen, in denen sich manche uralte Tradition aus jener Frühzeit bis tief ins 17. Jhd. fortlebend zeigt; das wird durch Schriftsteller wie Venantius Fortunatus (um 560) bestätigt.

Nicht minder muß es zahlreiche kirchliche wie öffentliche Bauten aus Holz gegeben haben, wofür die in den ältesten Beispielen noch aus dem 11. oder 12. Jhd. stammenden skandinavischen Stabkirchen Muster sein können. Zugleich ein Beweis dafür, dass großartige und künstlerisch bedeutsame Bauwerke in diesem Material überhaupt möglich, wie in germanischen Gauen wirklich ausgeführt worden sind. Hölzerne Kirchen zur Merowingerzeit, sogar Kathedralen in reicher Ausbildung und Ausstattung, z.B. mit vergoldeten Holzdecken (so zur Tours, Straßburg), werden z.B. von Gregor von Tours erwähnt.

Arten

Die Bauwerke unterteilen sich in kirchliche und profane. Erstere sind weitaus die zahlreichsten. Von großen Kathedralen sind allerdings nur solche in Italien hier zu nennen (insbesondere die ostgotischen in Ravenna), diese übrigens völlig auf dem Standpunkt der gleichzeitigen byzantinisch-orientalischen Baukunst stehend. In Spanien sind aus der alten westgotischen Zeit nur einige ganz kleine Kirchen (Banos, erbaut vom K. Reccesvinth anno 661, St. Pedro de Nave, 8. Jhd.) zu erwähnen, dagegen eine Reihe solcher besonders in Asturien aus der ersten Zeit der spanischen Monarchie, die allerdings noch rein westgotisch ist. Vor allem die Kirchen aus der Zeit Alfonsos II. el Casto (792-842) und seiner nächsten Nachfolger; so z.B. die Kirchen in und um Oviedo, vor allem Santullano zu Oviedo, St. Adriano zu Tunon, St. Miguel de Lino und St. Miguel de Escalada.

Kirchliche Bauwerke

Von den wichtigen frühmittelalterlichen kirchlichen Bauwerken (s. a. Kategorie:Kirchliches Bauwerk) der Langobarden kommen hauptsächlich in Betracht:

  • St. Sepolcro zu Bologna (umgebaut durch K. Liutprant um 740)
  • St. Maria in Valle zu Cividale ("Tempietto longobardo"), erbaut um 760 durch Herzogin Peltrudis mit reicher Innenausstattung in Stuck
  • St. Salvatore zu Brescia (erbaut von K. Desiderius um 770).

Im Frankenreich sind die Merowingerbauten meist verschwunden; es bleiben zu nennen:

  • Taufkirche St. Jean zu Poitiers (7. Jhd.);
  • Kirche zu Germignydes-Pres (erb. v. Bischof Theodulf 806);
  • Die Kirchen zu Cravant, Suevres, Savenieres, basse-oeuvre zu Beauvais (987)
  • Die Krypten zu Orleans, Soissons, Jouarre, Grenoble.

In Deutschland:

Aachener Dom 2013-11-19

Aachener Dom.

Außerdem die fränkischen Umbauten am Dom zu Trier; die Goldbacher Kapellen (am Bodensee) und zu Helmstedt, beide noch karolingisch; die Ludgerikrypta zu Werden a. d. Ruhr (816); die Wiperti-Krypta zu Quedlinburg (um 920?); von Zentralbauten die Michaeliskirche zu Fulda (822); der "alte Turm" zu Mettlach (10. Jhd.); die quadratische Peterskirche zu Werder a. d. R. (Anf. 10. Jhds.). In der Schweiz stammt die kleine St. Placiduskirche zu Disentis (7./8. Jh.), die zu St. Pierre de Clages (8./9. Jh.); die Kirche zu Münster (Graubünden) aus karolingischer Zeit; ebenso der Westbau der Kirche zu Payerne.

In England scheinen nur ganz kleine kapellenartige Kirchen aus der Angelsachsenzeit vorhanden (s. Angelsächsische Kirchenbaukunst und Englische Baukunst):

Die Wandalenbauten in Nordafrika sind noch kaum erforscht. [2]

Nichtkirchliche Bauwerke

Von nichtkirchlichen Bauwerken sind das Grabmal Theoderichs († 526) zu Ravenna, die Reste seines Palastes genau dort, zu Verona und zu Terracina, die Königshalle zu Naranco in Nordspanien, sodann die Pfalzbauten Karls des Großen und seiner Nachfolger zu Aachen, Nymwegen, Ingelheim zu nennen. Von Wohnhäusern aus jener Zeit das graue Haus zu Winkel im Rheingau und der Frankenturm zu Trier; von Befestigungen der Merowingische Römerturm zu Köln.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Die altchristliche und byzantinische Baukunst (Google Books). Heinrich Holtzinger. 2. Aufl. Stuttgart : Bergsträsser, 1899.
  2. Kirchliche Baukunst des Abendlandes (Internet Archive). Dehio und v. Bezold. Stuttgart 1892 ff.

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