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Die Armbrustfibel (Almgren Gruppe I) stellt eine Weiterentwicklung der Certosafibel ab der späten Hallstattzeit dar. Die ersten Formen wurden bereits von 550 bis 500 v.Chr. als charakteristisch für diese Periode nachgewiesen. Im Übergang von der Hallstattzeit zur Latènezeit während des 4. / 5. Jh. vor. Chr. entwickelten sich weitere mannigfaltige Formen dieser Fibelart.

Beschreibung

Die Armbrustfibel besitzt eine Federung und zwei Schleifen, wobei der Fibelkopf eine komplizierte Form annimmt. Die beidseitige Spiralachse und der hochgewölbte Bügel gaben der Armbrustfibel ihren Namen. Im Gegensatz zur Certosafibel erhält Armbrustfibel ein neues Teil, und zwar einen als Armbrust geformten Draht mit bis zu zehn Windungen als Spiralachse. Der Bügel ist gewöhnlich blattförmig und verziert; es gibt auch verschiedene Varianten und Nachahmungen. Die Länge reicht von 4-6 cm.

Vorkommen

Armbrustfibel waren schwerpunktmäßig im Südostalpenraum konzentriert, von wo aus sie sich in verschiedene Richtungen verbreiteten. Im Westbalkan und in Südwestpannonien kommen sie in großer Zahl vor. Sie waren bereits in der zweiten Hälfte des 5. Jh. v. Chr. in Gebrauch, im Balkanraum waren sie jedoch besonders häufig im 4. Jh. v. Chr. vertreten. Im 1. bis 3. Jh. n. Chr. war der römische Typus der Armbrustfibel verbreitet. Er war die Vorform der Zwiebelkopffibel. Außerdem kam diese Fibelform sowohl in den Limeskastellen am Rhein, als auch in Gräberfeldern des freien Germaniens (Elbefibeln) vor, diese Armbrustfibeln werden von der Mitte des 3. Jahrhunderts bis Ende des 4. Jahrhunderts datiert.

Formen und Unterarten

Zur Römerzeit waren bei den Westgermanen in der unteren Elbegegend die Kräftig Profilierten Fibeln ohne Stützplatte verbreitet (Abb. 23), die häufig mit geperltem Draht verziert wurden. Auch die eingliedrigen Armbrustfibeln hatten dort ihr Verbreitungszentrum (Abb. 25), sowie die Fibeln mit zweilappiger Rollenkappe (Abb. 26), die östlich bis nach der Oder, südlich bis nach Böhmen gingen, und zuletzt die Kniefibeln (Fig. 27). In Norddeutschland, Südschweden und Dänemark waren zur selben Zeit bandförmige Fibeln beliebter (Abb. 24.).

Im Frühmittelalter, im Laufe des 7. Jh., entstanden in Nordeuropa mehrere neue Fibelformen (s. Fibeln des Frühmittelalters). Charakteristisch war dabei auch eine späte skandinavische Entwicklungsform der alten Armbrustfibel (Abb. 82). Daraus entwickelte sich zum Ende des Frühmittelalters hin eine ungemein häufig vorkommende Tierkopffibel als gotländische Lokalform.

Zweigliedrige Armbrustfibeln mit hohem Nadelhalter

In spätrömischer Zeit entstanden Mischformen aus den "Fibeln mit umgeschlagenem Fuß" und den Fibeln der Römerzeit. Den erstgenannten entlehnten sie die Nadel -(Armbrust)Konstruktion, den letzteren den Nadelhalter; man nennt sie "zweigliedrige Armbrustfibeln mit hohem Nadelhalter" (Almgren Gruppe VII). Der Ostgermanische Typus (siehe Abb. 44) war bis nach Dänemark verbreitet. Die westgermanische Form (siehe Abb. 45 und Abb. 46) fand sich im Elbegebiete und ging bis nach Böhmen. Der dänische Typus (Abb. 47) war bis ins westgermanische Gebiet häufig anzutreffen. Gewisse skandinavische Typen waren nicht selten monströs entwickelt und mit gepressten Blech-Rundellen verziert (Abb. 48). [1]

Unterarten

Zu den bekannten Arten der Armbrustfibel gehören u.a.: die Augenfibeln, Rollenkappenfibeln, Kniefibeln und ihre Unterart, die Volutenfibel, sowie die "Kräftig Profilierte Fibel". Eine weitere Art ist die sog. Schwanen- bzw. Entenkopffibel, bei der das hintere Ende nach oben in Form eines stilisierten Schwanen- oder Entenkopfes gebogen ist. Als Weiterentwicklung der Armbrustfibel gilt ebenso die Zwiebelkopffibel.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 2. 1918—1919. S. 35 ff.

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