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Crystal keditbookmarks.png Dieser Artikel wurde am 21. Oktober 2016 als Spotlight vorgestellt.

Armringe (armbaugr, hringr) bzw. Armbänder sind Schmuckstücke, die als Ringe zur Zierde am Arm getragen werden. Dass jedoch Armringe, genau wie Halsringe keineswegs bloß in Frauen-, sondern gerade in der älteren nordischen Bronzezeit regelmäßig auch in Männergräbern vorkommen, ist ein Beweis dafür, dass sie ursprünglich nicht Schmuck-, sondern Schutzstücke gewesen sind.

Geschichte

Genau wie Halsringe, so schützten auch Armringe genau diejenigen Körperteile (Hals, Oberarm und Handgelenk) die auch bei den heutigen Studentenmensuren mit seidenen Binden besonders bandagiert werden. Noch in der Späten Nordischen Bronzezeit (ca. 730-530 v.Chr.) tragen die Männer oft mächtige Oberarm- und Handringe, und zwar häufig nur einen, an dem rechten, fechtenden Arm.

Dass auch Frauen schon lange Arminge und Halsringe tragen, erklärt sich vielleicht auch daraus, dass damals auch die Frauen bewaffnet gingen: gerade die Frauen der Älteren Nordischen Bronzezeit (1800-1100 v.Chr.), die wir mit ihrer ganzen Bekleidung und Ausrüstung aus den jütischen Eichensärgen kennen, tragen einen Dolch im Gürtel. [1]

Bronzezeit

Frühe Bronzezeit

Aus der Frühen Bronzezeit (etwa 2200-1600 v. Chr.) sind vor allem zwei Arten von Armringen belegt: Die einfachste Form ist eine runde oder facettierte Bronzespindel mit zugespitzten oder quer abgeschnittenen, nicht selten mit sog. Stollen versehenen Enden (Bild). Gleichaltrig sind die sog. Bronzemanschetten (Bild), die aus vielen übereinandergelegten Ringen oder aus einem spiralförmigen Faden entstanden sind. Beide Typen sind „internationale" Erscheinungen und sind beinahe über ganz Europa verbreitet. Nicht selten sind sie aus reinem Kupfer, ab und zu auch aus Gold verfertigt.

Mittlere Bronzezeit

In der mittleren Bronzezeit (etwa 1600-1300 v.Chr.) verschwinden die einfachen Bronzespangen. Die Manschetten setzen sich dagegen bis in die späte Bronzezeit fort, aber in schmaleren Formen. Mit den Manschetten verwandt sind die großen Armspiralen (Bild). Sie sind immer Frauenschmuck, und nicht selten werden sie in den Gräbern an den Unterarmen der Skelette gefunden.

Armring Ornamentik, Schwerin, RdgA Bd3, Taf.032, Abb.007.jpg

Ornamentik auf einem Bronzearmband, Schwerin

Die Form dauert die ganze Bronzezeit hindurch fort, doch sind in den jüngeren Perioden die Enden nicht plattenförmig, sondern spiralförmig geklappt. Armspiralen aus breitem Bronzeblech mit spiralartigen Enden, sicher ungarischer Import, gibt es in Pommern schon aus der älteren Bronzezeit.

Die Männer-Armringe dieser und der späteren Perioden sind fast ausschließlich aus Gold. In Frauengräbern wurden kaum Goldringe gefunden. Die allgemeinsten Typen der mittleren Bronzezeit bestehen wie dieser Armring aus doppeltem Golddraht, oder wie dieser Armring aus massivem Gold mit Spiral-Enden oder sind wieder dieser aus Gold gedreht. All diese Formentypen sind Importgegenstände, wahrscheinlich aus Ungarn, dem Goldland, wo ähnliche Ringe gefunden wurden; doch auch in Norddeutschland und Skandinavien sind sie nicht selten.

Späte Bronzezeit

Armring, Mararie, HMO Norway.jpg

Armring im Historischen Museum, (Oslo, Norwegen).

In der 3. Periode der Älteren Nordischen Bronzezeit (etwa 1300-1100 v. Chr.) ist der gewöhnliche Männerschmuck ein Armring wie dieser, aber meistens mit quer abgeschnittenen Enden ohne Spiralen. Zu dieser Zeit beginnen die Frauen stark profilierte Arm- und Fußringe zu tragen, wie diesen. Von diesem Typus liegen zahlreiche Variationen sowohl in Norddeutschland als in Skandinavien vor, und nur durch die verschiedene Größe und Fundsituation kann man zwischen Arm- und Fußringen unterscheiden. In Norddeutschland entwickelt sich außerdem die sog. Handberge als charakteristischer Typus.

In der 4.-5. Periode der Jüngeren Nordischen Bronzezeit (ca. 1100-700 v. Chr.) ist noch der zierliche Goldring der gewöhnliche Armschmuck des Kriegers, meistens der früher sog. "Eidsring". Der Arm- und Fußschmuck der Frauen sind entwickelte Variationen von diesem Typus; ein solcher ist der in Pommern und besonders in Westpreußen verbreitete Nierenring". Gleichzeitig kommen einige andere Formen, z.B. verschiedenartige Manschetten und hohlgegossene Ringe vor.

Aus dem letztgenannten Typus entstanden bereits in der 6. Periode der Späten Nordischen Bronzezeit (etwa 730-530 v. Chr.) die "Wulstringe", die von der Elbe bis nach Westpreußen und südlich bis Böhmen allgemein, in Skandinavien aber spärlicher vorkommen. Sie stellen die höchste Veränderung und das Ableben der alten Bronzezeitformen dar.

Eisenzeit

In der Eisenzeit sind Armringe nicht so häufig in der wie in der Bronzezeit. In der vorrömischen Eisenzeit (550 v.Chr. bis Chr. Geb.) ist dieses Verhältnis sehr augenfällig. Alle die verschiedenen Bronze- und Glasarmringe der keltischen Völker Süddeutschlands haben keine Verwandten bei den Germanen in Norddeutschland und Skandinavien.

Auch die Römerzeit (0-200 n.Chr.) ist merkwürdig arm an solchem Schmuck. Den eigenartigsten und gewöhnlichsten Armring, meistens aus Gold oder Elektrum, zeigt dieses Beispiel, der in kaum bemerkbaren Variationen bei allen germanischen Stämmen zu finden ist; er ist augenscheinlich aus der vorrömischen Formenwelt hervorgegangen.

In spätrömischer Zeit (ca. 200-400/450 n. Chr.) erscheinen einige neue Formen, z.B. der nordische Schlangenring und das gemeingermanische Armband, beide Typen aus Gold. Der letztgenannte Typus trägt sehr oft trianguläre Blattornamente, die erste germanische Pflanzenornamentik; durch südöstlichen Einfluß entstanden, sind diese Ringe in Nordeuropa wohl meistens Importgegenstände.

Völkerwanderungszeit

Die Form setzt sich in der Völkerwanderungszeit (etwa 450-750/800) fort. Die meistens offenen Ringe sind gegen die Enden zu verdickt; neben dem flachen Band verwendet man auch runde oder eckige Spangen, hohl oder massiv gearbeitet. Das Material ist in Deutschland meistens Bronze oder Silber, selten Gold, im Norden meist das letztere. Dieses Beispiel zeigt die runde Form, die im Norden öfters mit dreieckigen oder halbmondförmigen eingestempelten Ornamenten verziert ist [2] (s. Art. 'Halsring').

Außerdem findet man gelegentlich in einigen niederrheinischen, bayrischen und schweizerischen Gräbern Glasarmringe älterer Formen, die nicht eigentlich dem germanischen Formenkreis angehören. Die Goldspiralringe des Nordens, die nicht wie in der Bronzezeit aus dünnem Draht, sondern aus dicken Barren bestehen, sind vielleicht öfters als Zahlgeld gebraucht worden.

Frühmittelalter

Armringe der Kontinental- und Inselgermanen der Karolingerzeit (8.-10. Jh.) sind sehr wenig bekannt. Der reiche Formenschatz der entsprechenden nordgermanischen Wikingerzeit zeigt aber am augenfälligsten, was in jener Zeit als schön und vornehm angesehen wurde. Die glatten Formen sind verschwunden, die Ringe sind gedreht oder geflochten, Spiral- oder zirkeiförmig, offen oder geschlossen, aus Silber, Gold oder Bronze; auch massive, aber stark profilierte Formen liegen vor. Einige Typen gedreht, geflochten oder mit einem imitierten Flechtmuster verziert. Mit dem Hochmittelalter verschwinden allmählich die Armringe, mutmaßlich wurden sie durch die äußerst beliebten Fingerringe ersetzt.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. J. Hoops, RdgA. aaO. Bd. III, S. 379 (Art. Ornamentik, §. 17.)
  2. vgl. den entsprechenden Halsring bei Kulturgeschichte Schwedens von den ältesten Zeiten bis zum elften Jahrhundert nach Christus (Internet Archive). Oscar Montelius. Leipzig : E. A. Seemann, 1906. Abb. 344

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