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Aus der spätkeltischen Zeit ist ein gewaltiger Sagenzyklus um Artus bis heute lebendig geblieben. Die Geschichten um König Artus und seine Ritter der Tafelrunde sind sagen umwoben und sehr berühmt. Seine Heldentaten werden noch heute in vielen Ländern erzählt. Über die frühen keltischen Mythen wissen wir dagegen nur das, was später von den Mönchen aufgeschrieben wurde oder was sich in Märchen und Erzählungen über die Jahrhunderte im Volkswissen erhalten hat.

Geschichtliches

Im Jahr 1136 nahm sich ein Historiker namens Geoffrey of Monmouth seiner Gestalt an und veröffentlichte die „Geschichte der Könige Britanniens“, ein teils historisches, teils frei erfundenes Werk voller heroischer Taten. Wenn man aber bedenkt, dass seit dem Wirken des historischen König Artus 600 Jahre vergangen waren, kann man verstehen, dass die Recherche keine leichte Aufgabe für ihn war. Artus wird als König dargestellt, beinahe christlich, ritterlich und respektabel. In Monmouth‘ Werk tritt übrigens das erste Mal Merlin, der Magier und Berater des Königs, auf.

Der Nächste, der sich des dankbaren Erzählstoffs annahm, war Chretien de Troyes. Er griff auf die „Geschichte der britischen Könige“ zurück, doch sein Bestreben war es, einen Roman zu gestalten. Er führte einige neue Personen ein, vor allem brachte er den Heiligen Gral ins Spiel. Bald darauf widmete sich der burgundische Dichter Robert de Boron Artus und seinen Mannen, ihm gebührt die Einführung des Motivs der Gralssuche. Wenn auch die Gralssuche erst sehr spät in die Artussagen einfloss, so deutet doch auch das „Mabinogion“ das Thema schon im „Kessel von Annum“ an.

Thomas Malory gab Artus den endgültigen Schliff. Sein „Le Morte D‘Arthur“ erschien 1485 und zeigt ihn ganz im ritterlichen Gewand des Mittelalters. Die Tafelrunde ist gegründet, Guinivere seine Königin, Excalibur heißt sein Schwert. Von Artus' heldenhaften Taten ist kaum noch die Rede; im Mittelpunkt stehen jetzt die Abenteuer seiner Ritter, während er selbst sich zu einem väterlichen Gastgeber und König gewandelt hat. Die Geschichte endet mit dem Hinweis, dass Artus im Kreise seiner Mannen schläft und zurückkommen wird, wenn sein Land ihn braucht.

Artus' Tafelrunde reizte auch deutsche Dichter zur erzählerischen Gestaltung. Wolfram von Eschenbach hat den Ritter Parzival zur zentralen Figur seines Werkes gemacht.

Persönlichkeiten

In den späteren Dichtungen um König Artus verwandeln sich die Druiden, einst weise Ratgeber der Könige, als Anpassung an den Zeitgeist immer mehr zu undurchsichtigen Zauberern. Die wichtigsten männlichen Persönlichkeiten sind:

Die Helden

  • Artus: Der Sohn von Uther und Igraine, Hochkönig Britanniens und Begründer der nach ihm benannten Tafelrunde, ist die grandiose Personifizierung des Königs schlechthin. Er herrscht über die Herzen der Menschen. Artus gehört zu den frühen keltischen Gestalten und basiert auf einer historischen Figur.
  • Uther: Der „Pendragon“, der „Erste Drache“, wurde er genannt. Er zeichnete sich zeit seines Lebens durch außerordentliche Tapferkeit aus und zog noch im Sterben in die Schlacht, um die Sachsen zu besiegen. Er herrscht über Entschlusskraft und persönlichen Mut. Uther Pendragon taucht ebenfalls bei Geoffrey of Monmouth auf.
  • Amfortas: Der Fischerkönig ist verletzt und kann seine Macht nicht ausüben, solange seine Wunde nicht heilt. Das Land verödet und wird unfruchtbar. Er hat der Herrschaft entsagt, solange er mit seinem Leiden geschlagen ist.
  • Pellinore: Er wird als Parzivals Vater bezeichnet, und seine Lebensaufgabe ist es, ein unheimliches Biest zu verfolgen, mal ein Drache, mal das bellende Tier. Er herrscht über die Schatten und die Ängste.
  • Merlin: Er ist Berater des Königs, Mittler zwischen dieser und der Anderswelt, der Weiseste der Weisen. Er herrscht über das Wissen der Anderswelt. Merlin geht wahrscheinlich auf einen historischen Magier oder Druiden namens Myrddin zurück.
  • Taliesin: Der Barde Taliesin taucht erst in Artusgeschichten neueren Datums auf, doch der historische Sänger und Dichter hat eine Reihe Gedichte hinterlassen, in denen er die Gestalten besingt, in denen er einmal existiert hat. Er herrscht über den inneren Wandel.
  • Cathbad: Der irische Druide zeichnet sich dadurch aus, dass er wie kein anderer über Kalender, Glücks- und Unglückstage sowie über die Zukunft Auskunft zu geben vermag. Er ist der Herrscher über die Zeit und die Termine. Das Leben von Talisien und Cathbad ist durch Quellen belegt.

Die Heldinnen

Hier einige Beispiele der charakterstarken Damen der Artussagen:

  • Dindrane: Parzivals Schwester führt die Gralssucher auf den richtigen Weg, doch dann gibt sie ihr Blut für eine kranke Frau und stirbt daran. Sie symbolisiert aufrichtiges Mitleid.
  • Elaine: Die Tochter des Königs Pelle liebt Lanzelot, und mittels eines Zaubertrankes verführt sie ihn. Er aber krankt an seiner aussichtslosen Liebe zu Guinivere. Elaine heilt und tröstet ihn. Sie bewirkt Heilung von Liebeskummer.
  • Elaine von Astolat: Sie liebt, wie ihre Namensschwester, Lanzelot, doch der kann ihre Liebe nicht erwidern. Sie verzichtet auf ihn und ihr Leben und geht als Lilienmaid in die Geschichte ein. Sie steht für Verzicht und Entsagung.
  • Guinivere: Sie ist die Gemahlin Artus‘, die Königin, die Lanzelot liebt. Die mythologische Gestalt verkörpert den Aspekt der Jahreszeitengöttin, die den Ausgleich zwischen altem (Artus) und neuem Jahr (Lanzelot) herstellen muss. Sie symbolisiert die Harmonisierung von alten und neuen Ideen. Guinivere geht auf Gunhamera zurück, das Eheweib des historischen Artus, doch die Geschichte hat sie mit den Zügen verschiedener Göttinnen versehen.
  • Igraine: Artus‘ Mutter war, bevor sie König Uther kennen lernte, die Frau des Herzogs Gorlois. Sie verliebt sich in den König und nimmt alle Konsequenzen auf sich, um seine Gattin zu werden. Sie symbolisiert konsequentes Handeln.
  • Isolde: Die irische Isolde soll König Marke heiraten, verliebt sich aber in Tristan und schockiert den Artushof mit ihrer Affäre. Sie steht für selbstbewusste Sexualität.
  • Lyones: Sie und Gareth verlieben sich ineinander, kurz nachdem dieser zum Ritter geschlagen worden ist. Um zusammen zu sein, muss er eine Reihe von fast aussichtslosen Kämpfen überstehen, in denen Lyones ihm den Mut und die Kraft gibt zu siegen. Sie symbolisiert partnerschaftliche Unterstützung.
  • Maledisant: Die wenig bekannte Maid dient dem angehenden Ritter Breunor als Führerin und übergießt ihn trotz seiner Erfolge mit Spott. Sie steht für Durchhaltekraft in Prüfungen.
  • Morgane le Fay: Sie ist Igraines Tochter, doch die mythologische Gestalt der Morgane ist viel älter. Sie ist Priesterin, Heilerin und Magierin und verkörpert oft den Aspekt der dunklen Göttin. Morgane, die auch dunkle Seiten aufweist, ist die Nachfahrin der Morrigan.
  • Morgause: Igraines Schwester, die Königin von Orkney, regiert nach dem Tode ihres Mannes souverän das Land und erzieht auch ihre fünf Söhne. Nach Lust und Laune nimmt sie sich den ein oder anderen Liebhaber. Sie symbolisiert Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein.
  • Nimue: Sie ist eine der Priesterinnen von Avalon, die ihr Wissen bei Merlin erlernte. Nachdem sie umfassende Kenntnisse erworben hat, trennt sie sich von ihm und geht an Artus‘ Hof, um ihm dort als Beraterin zur Seite zu stehen. Sie steht für den Kontakt zur Anderswelt.
  • Ragnell: Sie wird in eine hässliche Alte verzaubert und kann erst erlöst werden, wenn sie einen Mann trifft, der ihr die Entscheidung über ihr Leben lässt. Sie symbolisiert freien Willen und unabhängige Entscheidungen.
  • Viviane: Die Herrin vom See, ist verwandt mit Coventina, der Göttin der Quelle.

Die Frauen aus dem Sagenkreis um Arthus sind seltsamerweise nicht so leicht in den walisischen und irischen Geschichten wieder zu finden. Sie scheinen stärker als die Ritter durch die Zensur der Autoren verändert worden zu sein. So dienen der Isolde beispielsweise drei Gestalten zur Vorlage: Essylt, Grainne und Deirdre. Natürlich haben Frauen schon immer einen eigenen Willen gehabt, aber in Zeiten patriarchalischer Unterdrückung mussten sie seltsame Wege gehen, um ihn durchzusetzen. Dass die Keltinnen sich ohne Missbilligung durch die Männer durchsetzen konnten, zeigen vor allem die Gestalten mythischer Führerinnen. (Siehe: Frauen der Kelten)

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Externe Verweise

Quellen