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„Oh, große Kräfte sind's;
Weiß man sie recht zu pflegen;
Die Pflanzen, Kräuter; Stein
In Ihrem Innern hegen.“

Shakespeare, Romeo und Julia

Als Arzneipflanzen werden Gewächse bezeichnet, die zur Heilung von Krankheiten bei Menschen und Tieren verwendet werden. Manche von ihnen dienen zugleich als Gewürzpflanzen. Der Anbau von Arzneipflanzen bringt hohen Gewinn, verursachte sehr wenig Arbeit und selten Verlust durch Mißraten oder Verderben. Besonders wichtig war aber der Umstand, daß sich zum Anbau vieler Arzneipflanzen Plätze eignen, die wegen ihrer schlechten Beschaffenheit zu anderweitigem Anbau nicht verwendbar sind. [1]

Beschreibung

Der Grieche Dioskurides beschrieb im 1. Jh. zahlreiche Heilpflanzen und deren Anwendungen. Der Zusammenhang zwischen Nahrung und Arznei wurde insbesondere in der orientalischen Heilkunst schon früh erkannt, und dementsprechend finden sich zahlreiche Hinweise in den Medizinbüchern des Orients, etwa bei Ibn Sina (Avicenna) um 1000 n. Chr.

Bis ins Frühmittelalter hinein verwendeten die Kräuterfrauen meist Heilmittel aus dem Pflanzenreich, die am Gehege ihres Hofzaunes oder in dessen Nähe wuchsen. Das Heilkraut dörrte mit dem Küchenkraut und den Nahrungsmitteln aus dem Pflanzenreiche im Rauchfang, an der Hüttenwand oder wurde durch direktes Rösten hergerichtet oder konserviert. [2]

Eine Fülle von Heilmitteln spendeten Baum und Strauch, Kraut und Gras in Wurzeln, Körnern, Beeren, Blüten und Blättern. Der betäubende Rauch mancher eingetragenen Kräuter führte auf die Erkenntnis der betäubenden, einschläfernden, schmerzstillen Wirkung mancher narkotischen (z.B. Nachtschatten-, eig. Nachtschaden-) Gewächse, wie der starke Geruch an ätherischen Ölen reicher Pflanzen (siehe noch den Diptam in der Minnesängerzeit.) zur Verwendung als krampfstillende Substanz.

Die sog. Signatur, die Ähnlichkeit mancher Pflanzenteile mit Körperorganen, als Leitstrang zur Auffindung von „Pflanzenkräften" ist späteren Datums. Erst in den Zeiten der beginnenden Herrschaft der gelehrten Heilkunde aus dem Altertum bei den Karolingern und in der Mönchsmedizin ging man daran, die Heilkräuter anzubauen.

Anbau

Während des Mittelalters erfolgte der Anbau, die Beschreibung und Anwendung von Heilpflanzen vorallem durch die Klöster. Der Kräutergarten aus dem Kloster St. Gallen sollte 16 Heilpflanzen auf getrennten Beeten enthalten, alles ausländische und bis auf zwei oder drei stark wohlriechende, an ätherischem Öle sehr reiche Pflanzen, die sich in dem Hortulus des Walahfrid Strabo mit seinen 23 Kräutern, durch ähnliche vermehrt, wiederfinden. Karl der Große ordnete in seiner "Capitulare" die Kultivierung von 73 Arzneipflanzen in seinen Hof gärten an; überdies ließ man sich Arzneikräuter aus Italien kommen. Fremde und heimische Kräuter empfahl die dem heimischen Heilwissen zugewendete Äbtissin Hildegard von Bingen. Was die Rezeptbücher des Mittelalters in Klosterlatein und in der Volkssprache verzeichnen, ist gelehrtes Gut der Vergangenheit, vielfach neu geprägt in dem heilbeflissenen Salerno.

Verarbeitung

Viele der Heilpflanzen wurden im Altertum in Wein eingelegt und als Medizin eingenommen. Andere wurden als Tee verabreicht oder als Badezusatz verwendet. Andere wurden zerkleinert / zerstoßen und direkt auf z.B. wunde Hautstellen gelegt bzw. eingerieben. Weitere Zubereitungen waren Salben, Öle oder Tinkturen aus Heilpflanzen. Die gangbarste Arzneimittelform von Alters her, blieben auch im Mittelalter Arzneitränke (wie z.B. Schwedenkräuter).

Beispiele für Heilpflanzen

Für bessere Ausdauer und zur Heilung von Asthma und Bronchialerkrankungen aßen schon die alten Ägypter rohen Knoblauch und rohe Zwiebeln. Sie beschrieben ebenso bereits die Anwendung von Myrrhe, Weihrauch, Fenchel, Cassia, Thymian, Wacholder und Aloe. Frische Knoblauchzehen wurden geschält, zerdrückt und in einer Mischung aus Essig und Wasser eingeweicht und der Sud anschließend als Spülung gegen Halsentzündungen und Zahnschmerzen verwendet.

  • Aloe vera - Diente zur Linderung von Verbrennungen, Geschwüren, Hautkrankheiten und Allergien.
  • Arnika - Hilft schnell bei Prellungen, Schwellungen, Venenentzündungen. Sie wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und desinfizierend.
  • Augentrost - Die Wiesenpflanze hilft bei Augenproblemen wie Entzündungen, Gerstenkorn, Müdigkeit und Brennen.
  • Baldrian - War bereits in der Antike als Beruhigungs- und Einschlafmittel bekannt.
  • Balsamapfel (Apfel von Jerusalem) wurde als Abführmittel und Leber-Stimulans genommen.
  • Bärentraube - Bewährt bei Blasen- und Nierenentzündungen: Die Blätter wirken in den Harnwegen antibakteriell.
  • Basilikum - Wurde als Herzmedizin verschrieben. Laut dem Oxford Dictionary wurde Basilikum am königlichen Hof als Einreibung, Badezusatz oder Medizin verwendet. In Frankreich ist es als l’herbe royale (das königliche Kraut) bekannt.
  • Beifuß - Zur Behandlung von Krankheiten im Bereich des Magen-Darmtraktes und weiblichen Krankheiten.
  • Beinweill - Hat äußerlich angewendet eine abschwellende Wirkung, regt die Neubildung von Zellen an. Unterstützt als Salbe die Heilung von Zerrungen, Verstauchungen, Verrenkungen, Blutergüssen, Wunden und Geschwüren.
  • Brennessel - Gut für eine Entwässerungskur, denn sie liefert harntreibendes Kalium sowie Flavonoide. Auch zur Behandlung von rheumatischen Beschwerden.
  • Bockshornklee wurde verschrieben gegen Atemwegserkrankungen sowie zur Reinigung des Magens und Beruhigung von Leber und Bauchspeicheldrüse.
  • Dill wurde wegen seiner abführenden und harntreibenden Wirkung geschätzt.
  • Eibisch - Die Wurzel des Malvengewächses liefert Schleimstoffe, die Entzündungen hemmen (z.B. in Magen, Mundraum, Atemwegen).
  • Eisenhut - Eine der giftigsten unserer Wiesenblumen. In homöopathischen Zubereitungen aber heilsam bei Nervenschmerzen, Ischias, Fieber und Erkältung.
  • Enzian - Die Bitterstoffe und andere heilende Substanzen aus der Wurzel des Gelben Enzian (Gentiana lutea) lindern Magenbeschwerden.
  • Eukalyptus - Bewährte Anti-Erkältungs-Pflanze: Ihr ätherisches Öl hemmt das Wachstum von Bakterien und Viren, verflüssigt Schleim und entkrampft.
  • Frauenmantel wirkt gegen typische Frauenleiden wie Menstruations- und Wechseljahrbeschwerden (z.B. Hitzewallungen).
  • Granatapfelwurzel wurde mit Wasser eingeweicht und getrunken, gegen »Schlagen im Bauch« (Bandwürmer). Die im Granatapfel enthaltenen Alkaloide legten das Nervensystem der Würmer lahm, so dass sie sich im Darm nicht halten konnten.
  • Herbstzeitlose (Citrullus colocynthus oder Wiesensafran) linderte Rheumatismus und minderte Schwellungen.
  • Hopfen - Beruhigend und schlaffördernd. Er regt durch seinen Bitterstoff aber auch Appetit und Verdauung an.
  • Johanniskraut - Eine der wichtigsten Pflanzenarzneien gegen depressive Verstimmungen. Kuriert aber auch leichte Verbrennungen und Wunden.
  • Kamille - Ihr ätherisches Öl wirkt krampflösend und entzündungshemmend. Sowohl innerlich (z.B. bei Magenproblemen) als auch äußerlich (z.B. bei Wunden, Mundentzündungen) hilfreich.
  • Knoblauch wurde den hebräischen Sklaven täglich verabreicht, um ihnen Vitalität und Kraft für den Bau der Pyramiden zu verschaffen.
  • Königskerze - Die Blüten enthalten Schleimstoffe, die sich als schützender Film über die Schleimhäute in Mund und Rachen legen und so trockenen Reizhusten lindern können.
  • Koriander wurde als Tee bei Erkrankungen der Harnwege, auch bei Blasenentzündung, getrunken.
  • Kümmel beruhigte die Verdauung und erfrischte den Atem.
  • Lakritz wurde als mildes Abführmittel verwendet, zur Schleimlösung und zur Linderung von Brust- und Atembeschwerden.
  • Lavendel - Innerlich wie äußerlich wirken seine ätherischen Öle beruhigend, entspannend und schlaffördernd. Lavendel wirkt stimmungsaufhellend bei Niedergeschlagenheit, lindert Kopfschmerzen, hilft bei einem Kater und wirkt schmerzstillend. Sein Duft belebt den Geist beinahe auf der Stelle, löst Ängstlichkeit, Muskelverspannung und Migräne. Außerdem kann er zu besserem Schlaf verhelfen. Lavendel wurde in der Antike sogar verwendet, um Löwen und Tiger zu zähmen.
  • Lorbeerbaum - Die Frucht des Lorbeerbaums wurde bei Durchfall, Geschwüren und Hämorrhoiden verordnet.
  • Malve - Ein Malvenblütentee hilft gegen Bronchitis, Heiserkeit oder Husten.
  • Mariendistel - Ihre Früchte stärken die Leber. Hat als Tee allerdings nur geringe Wirkung.
  • Mistel - Sie fand als Allheilmittel vielseitige Verwendung und wurde u.a. zur Stärkung von Herz und Kreislauf oder als Begleittherapie bei Krebs verwendet.
  • Nachtkerze - Das fetthaltige Öl der Samen beruhigt empfindliche Haut und kann sogar Neurodemitis lindern. Präparate gibt es sowohl zur innerlichen als auch zur äußerlichen Anwendung.
  • Passionsblume - Nervosität und Schlafstörungen sind die Haupteinsatzgebiete dieser Pflanze. Die Früchte der essbaren Varianten kennt man als “Maracuja”.
  • Petersilie wurde als harntreibendes Mittel verordnet.
  • Rosskastanie - Ihre Wirkstoffe stärken die Gefäße, vor allem die Venen. Da sie gleichzeitig entwässern und die Durchblutung fördern, können sie Krampfadern und Hämorrhoiden vorbeugen.
  • Schlüsselblume - Auch bekannt als “Primel”. Der Frühlingsbote hilft bei Erkältungen, da seine Inhalts-stoffe festsitzenden Schleim in den Atemwegen lösen.
  • Sonnenhut (Echinacea) - Da er das Immunsystem stimuliert, ist der Sonnenhut häufig Bestandteil von Präparaten zur Vorbeugung von Erkältungskrankheiten und grippalen Infekten.
  • Sonnentau - Wird seit dem 12. Jahrhundert als Heilpflanze genutzt. Auszüge aus Sonnentau lindern Erkältungen, vor allem Reizhusten und Bronchitis.
  • Thymian wurde als Schmerzmittel und Kurkuma für offene Wunden verabreicht. Er entkrampft, löst bei Husten den Schleim, bremst das Wachstum von Bakterien und Viren.
  • Wasserdost - Stimuliert das Immunsystem, vor allem bei Erkältungskrankheiten. Wirkt am besten, wenn man ihn schon bem ersten Anzeichen der Infektion nimmt.
  • Weihrauch wurde gegen Hals- und Racheninfektionen sowie gegen Blutungen und Erbrechen eingenommen.
  • Weissdorn war das wichtigste Herzstärkungsmittel im Pflanzenbereich.
  • Zaubernuss - Eine der bekanntesten Heilpflanzen zur Behandlung von Wunden und Entzündungen der Haut.
  • Zimt - Zimt wird seit Jahrhunderten, schon in antiken chinesischen Schriften und in der Bibel, wegen seiner medizinischen Eigenschaften geschätzt. Ob nur der Duft eingeatmet oder Zimt gegessen wird, er kann den Geist erfrischen, die Gehirnleistung erhöhen und das Gedächtnis stärken. Zimt kann Stress mindern und den Blutdruck senken. Es hilft auch gegen Magenschmerzen und Verdauungsbeschwerden, mindert Muskelkater und Arthritisschmerzen, senkt den Blutdruck und verhindert die Bildung von Blutgerinnseln. Und schließlich liefert er Eisen, Kalzium und Mangan.
  • Zwiebeln wurden zur Abwehr von Erkältungen und gegen Herz-Kreislaufbeschwerden genommen.

Der Gott der Süße

Schon lange wußte man um die Heilkraft des Honigs. Tatsächlich reicht die erste offizielle Würdigung des Honigs bis in die Erste Dynastie Ägyptens und den »Versiegler des Honigs« zurück. In Niuserres Sonnenheiligtum sind in Hieroglyphen Imker abgebildet, die Rauch in Bienenstöcke blasen, während sie die Honigwaben herausnehmen. Der Honig wurde sofort verpackt und versiegelt, er blieb dadurch jahrelang verwendbar und wurde für die Herstellung von Medizin und Salben verwendet. Sie nutzten ihn sogar als natürliches Antibiotikum. [3]

Verwandte Themen

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Pierer's Universal-Lexikon, Band 1. Altenburg 1857, S. 793.
  2. Volksmedizinische Botanik der Germanen. Max Höfler. Wien 1908.
  3. Reshafim: Ancient Egypt: Bee-keeping. July 2009

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