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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 27. November 2012 als Spotlight vorgestellt.

Im Mittelalter gab es zwar den Arzt an sich, doch titulierten sich auch viele andere Heilkundler gerne als Mediziner. Hierbei wurde in folgende separate Berufsgruppen unterschieden, die sich mit der Heilkunde befassten:

Geschichte

Aus der vorrömischen Zeit, als gallische Kultur und gallische Händler bis in die Donauländer Bedeutung und Verbreitung besaßen, stammt auch die dem Keltischen entnommene, im Deutschen übliche Bezeichnung für Arzt: irisch: liaig (althochdeutsch: lāhhida, angelsächsisch: laecedom = 'ärztliches Behandeln'. Althochdeutsch: lāhhituom = 'Medizin'. Althochdeutsch: lāhunga, lāhkin, angelsächsisch: lacnung = 'Medikament'). Bis in das 10. Jhd. war diese alte Bezeichnung lāhhi in Gebrauch, als lange schon römisches Ärztewesen in den mitteleuropäischen Ländern Eingang gefunden hatte.

Archiatrie

Daneben war seit dem Ende des 9. Jahrhunderts die Germanisierung des griechisch-römischen Ehrentitels Archiāter (arciāter) aufgekommen. Die Archiatrie selbst hatte sich schon lange vorher an den Fürstenhöfen eingebürgert. Der Ostgotenkönig Theoderich der Große hatte seinem comes archiatrorum schon große Befugnisse eingeräumt. Bei den Franken trifft man archiatri im 5. und 6. Jhd. bei weltlichen und geistlichen Fürsten in fester Stellung:

Nicht völlig fest steht, dass Karl der Große einen arabischen Leibarzt hatte. Wohl belegt ist aber der jüdische Leibarzt Zedekia von Ludwig dem Frommen. Die Ausbildung der gelehrten Ärzte, der römischen wie der germanischen, ging noch lange Zeit von Rom oder Byzanz aus, wie man aus den gelegentlichen Bezugnahmen der Archiatri auf ihre Lehrmeister ersieht.

Ärztewesen im Volk

Wie weit aber das Ärztewesen selbst schon in das Volk gedrungen war, zeigen die Gesetzessammlungen des 6. bis 8. Jahrhunderts, am eingehendsten die Lex Visigothorum [1] im Abschnitt de medicis et egrotis, der nicht nur das Honorar ärztlicher Leistungen, das Lehrgeld für ärztliche Unterweisung und den Schadenersatz für unglückliche Kuren festsetzt, sondern schon eine gewisse Spezialisierung erkennen läßt. Trotzdem wurde jede Person, die zur Ader ließ, Staare stach oder innerliche Krankheiten behandelte, als Medicus bezeichnet. Größere wundärztliche Kenntnis und Betätigung läßt die Lex Alamannorum erkennen [2].

Ärztewesen in Klöstern

Allmählich geriet die Heilkunde immer mehr in die Hände der Geistlichen, die sich der literarischen Hinterlassenschaft der Antike angenommen hatten, nicht etwa nur in Gallien, sondern auch in deutschen Gebieten, z.B. im Kloster St. Gallen, wo im 9. Jhd. der Mönch Iso einen Ruf als Arzt besaß und im 10. Jhd. Notker II., genannt "Pfefferkorn", auch besonders als Chirurg, und wo die domus medicorum des Klosterprojektes von 820 mit ihrem Krankenzimmer für Schwerkranke und ihrer Apotheke auf eine Lehrvereinigung einer Mehrzahl von Ärzten hinweist, zumal ausdrücklich ein Zimmer für den medicus ipse noch besonders vorgesehen ist. Im Kloster Reichenau am Bodensee enstand im 8. Jhd. gleichfalls eine Ärzteschule. Geilo, Teilo und Sigipreth stehen als "Medici" im Reichenauer Verbrüderungsbuche zu Anfang des 9. Jhd. Ärztlichen Ruhm genoß auch Bischof Wikbert von Hildesheim (880-903). Bekannt ist auch, dass ein Capitulare Karls des Großen, aus Thionville 813 datiert, eine Ärzteschule im 7. Artikel vorsieht [3], wohin infantes hanc artem discere mittantur.

Ausbildung

Der Ruhm der süditalienischen praktischen Ärzteschule von Salerno war schon im 10. Jhd. im westfränkischen Reiche verbreitet, drang aber erst im 11. Jhd. nach Deutschland. Auch Stadt-, Land- und gar Dorfarzt sind Errungenschaften späterer Zeit. Zum Ausgang des Mittelalters war die Ausübung der Arzneikunst in Deutschland vorwiegend noch in den Händen der Kleriker. Ohne durchgehend die Magisterwürde an einer ausländischen Hochschule errungen zu haben, nennt sich später im Mittelalter (wie der Artist und der Jurist) der Arzt Meister, naturlich Meister und Meister der Natur, was letztlich auf Wundärzte und selbst Scherer und Bader übergeht, während das lateinische physicus dauernder Beiname des gelehrten Arztes (des Bucharztes) bleibt, der nicht nur praktische Lehre und Routine besitzt, sondern auch wissenschaftliche Ausbildung.

Überlieferung

Herumziehende Ärzte gibt es kaum vor dem 11. Jahrhundert; der Wundarzt ist bis ins 13. Jhd. vom inneren Arzt nicht getrennt, auch der "Zahnbrecher" noch nicht als niederer Heilkünstler erwähnt. Die mittelhochdeutschen Bezeichnungen lachenaere ('Zauberer, Besprecher'), lachente ('Heilung durch Besprechung') erhielten sich im neuhochdeutschen lachinen ('hexen, zaubern'), lachsner ('Besprecher, Quacksalber'), lachsnerin ('Quacksalberin'), lachsnerei usw. bis in die heutigen Mundarten hinein. Sie weisen noch recht deutlich auf die Tätigkeit von früh- und vormittelalterlichen Heilkünstlern in Zusammenhang mit dem Volksglauben hin. Nebenher lief eine Summe von Erfahrungswissen in der Wundbehandlung und der Schaffung günstiger Heilbedingungen für andere Verletzungen und vor allem auch in der Kenntnis der heilsamen Wirkungen der Steine und Kräuter und der Zeiten und anderen Bedingungen bei deren Ausgraben oder Einsammeln, die eine besonders gute Heilwirkung gewährleisteten (s. Arzneipflanzen, Arzneistoffe, Heilaberglaube, Heilkunde).

Quellen

Einzelnachweise

  1. Hb. XII; vgl. Abteilung Leges der Monumenta Germaniae historica. I Tom. Band I, S. 400 - 403.
  2. Abteilung Leges der Monumenta Germaniae historica. Band VI, S. 21 und 117.
  3. Monumenta Germaniae historica. Capit. I 121.

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