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Crystal keditbookmarks.png Dieser Artikel wurde am 03. März 2015 als Spotlight vorgestellt.

Die gegossenen Bügelfibeln gehören hauptsächlich zu den Fibeln der Völkerwanderungszeit und des beginnenden Frühmittelalters. Sie entwickelten sich aus den sog. Fibeln mit umgeschlagenem Fuß (Almgren Gruppe VI) bzw. aus den Metallblechfibeln als Untergruppe, und wurden u.a. als Bestandteil einer germanischen Frauentracht, der sogenannten Vierfibeltracht, getragen.

Ausgehend vom Siedlungsraum der Ostgoten kamen Bügelfibeln ab der zweiten Hälfte des 5. Jhs. in Mode und sind bis ins 7. Jh. nachweisbar. [1] Im skandinavischen Raum datieren einige Varianten bis in die Wikingerzeit (etwa 800 - 1050 n. Chr.).

Beschreibung

Bügelfibeln wurden meist aus Silber oder aus Bronze gegossen und sind häufig vergoldet. Sie wurden in der Regel paarweise übereinander zur Befestigung einer Amulettkette oder einem Gehängeband im Schossbereich eines Tunikakleides getragen und galten als Statussymbol. [2] Im Design gehen sie auf ostgermanische, gotische Ursprungsformen aus dem Donaugebiet zurück.[3]

Die ursprünglichen ostgermanischen Metallblechfibeln mit umgeschlagenem Fuß bestehen aus zwei Platten, die miteinander mit einem Bügel verbunden sind. Spätere Exemplare sind aus einem Stück gegossen, wobei der dreiteilige Charakter erhalten blieb. Die Kopfplatte (Spiralplatte) ist rechteckig oder halbrund und mit eingravierten Ornamenten verziert. Auf der Rückseite der Kopfplatte ist eine Nadel befestigt, die durch den Bügel in Spannung gehalten wird. Fest gemacht wird die Nadel unterhalb der zweiten Platte, der sogenannten Haken- oder Fußplatte. Die verschiedenen Elemente sind häufig mit geometrischen Mustern verziert.

Südgermanische Bügelfibeln

Die südgermanischen Bügelfibeln gehören dem 5. bis 6., teilweise dem 7. Jh. an. Die schönsten Exemplare trifft man in Ungarn und Österreich, aber auch in Deutschland und Italien, Frankreich und England finden sie sich; die in Siebenbürgen und im Donautal seßhaften germanischen Völkerschaften standen jedoch deutlich an der handwerklichen Spitze der germanischen Entwicklungsformen. Eine interessante Zwischenstellung zwischen den süd- und nordgermanischen Gebieten nimmt Ostpreußen ein. Hier gibt es nicht nur Dreiknopffibeln (Abb. 75) und Fünfknopffibeln von sehr oft degenerierten Formen (Abb. 76), sondern auch Fibeln mit rechteckiger Kopfplatte, die deutlich skandinavischen Einfluß bekunden.

Nordgermanische Bügelfibeln

In Skandinavien fehlen die Fünfknopffibeln. Dagegen findet man im 5. Jh. Dreiknopffibeln (Bild) neben den allgemeinen Bügelfibeln mit rechteckiger Kopfplatte (Bild). Die nordeuropäischen Bügelfibeln des 7. Jhds. sind meistens cloisonniert und nicht selten vergoldet (Bild).

In dem heidnischen Norden begegnet man in den Gräbern vielen eigentümlichen und auffälligen Typen, in denen der robuste und prächtig verzierte Geschmack der Wikingerzeit (etwa 800-1050 n.Chr.) zutage tritt. Die letzte Entwicklungsstufe der monosymmetrischen Bügelfibel zeigt eine Rückenknopffibel (Bild) mit altgermanischen Tierornamenten der jüngsten Form. Bisymmetrische Bügelfibeln, die sog. gleicharmigen Fibeln, erscheinen schon im 6. Jh.; aber erst in der Wikingerzeit werden sie allgemein üblich, oft mit karolingischen Tierornamenten verziert (Bild).

Die altgermanischen Fibelformen verschwinden mit der nordischen Wikingerzeit; im 12. Jh. leben jedoch die gleicharmigen Bügelfibeln (Bild) als die letzten Sprößlinge der altitalischen Peschierafibel fort.

Übergang zu Scheiben- und Tierfibeln

Neben den Bügelfibeln erschienen zu Beginn des Frühmittelalters andere, jüngere Fibeltypen, die teilweise die Bügelfibeln ersetzten. Dazu gehören verschiedene Tierfibeln in Form von Schlangen- oder Lindwurmfibeln, die hauptsächlich in Süddeutschland, dem Rheinland, Norditalien und Frankreich gefunden wurden (Abb. 68 aus Rheinhessen gehört dem 7. Jh. an). Andere Tierfibeln sind die Adlerfibeln (Abb. 69) und die Fischfibeln (Abb. 70).

Am häufigsten aber waren die Scheibenfibeln. So verschwanden am Übergang vom 6. zum 7. Jh. die Bügelfibeln allmählich aus dem Inventar der germanischen Gräber und wurden durch große Scheibenfibeln abgelöst. Darin spiegelte sich ein Wandel der Frauentracht. Die Vierfibeltracht geriet aus der Mode. [4] Von den vielen Verzierungsarten der Scheibenfibeln seien genannt: die Ausschmückung mit weit voneinander entfernt stehenden Steinen, die älteste (Abb. 71), die etwas jüngere Zellentechnik mit Glas oder Almandinen (Abb. 72), die Tauschierung (Abb. 73) und die Tierornamentik des 7. Jhds. (Abb. 74).

Arten

Dreiknopffibel

Die Dreiknopffibel entwickelte sich im 5. Jh. während der Völkerwanderungszeit aus der südrussischen Metallblechfibel mit umgeschlagenem Fuß der spätrömischen Zeit (Abb. 50), die sogar in Italien und Frankreich vorkamen. Der auf der Krim gefundene Typus (Abb. 51) findet sich in ähnlicher Art auch in Ungarn. In den österreichischen Ländern trifft man nicht selten eigenartige Varianten der Dreiknopffibel. Im Westen erscheinen Dreiknopffibeln dann und wann in Frankreich (Abb. 52) und England (Abb. 53). Im Großen und Ganzen ist der Typus jedoch nicht allgemein verbreitet.

Fünfknopffibel

Im Gegensatz zur Dreiknopffibel war die Fünfknopffibel im 5. Jh. vergleichsweise weit verbreitet. Nur in Skandinavien fehlen sie. Der Ausgangspunkt war auch hier ein Typus der südrussischen Metallblechfibel mit umgeschlagenem Fuß (Abb. 41), der zwei bis drei Rollen mit Endknöpfen erhielt (Abb. 54). Die gewöhnliche Serie der gegossenen Fünfknopffibeln hat ein rhomboidisches Fußstück, meistens mit einem Tierkopf am Ende. Diese Fibeln waren nicht nur häufig, sondern auch, geographisch gesehen, weit verbreitet, von Rußland bis Italien, Frankreich und England. Russisch sind die Typen in Abb. 55 und Abb. 56; Abb. 57 stammt aus Ungarn, die mit Almandinen verzierte Fibel in Abb. 58 aus Rheinhessen.

Vielknopffibel

Eine späte Entwicklungsform der Fünfknopffibel sind Vielknopffibeln mit 7 oder mehr Knöpfen; so wie die mit Almandinen verzierte schöne italienische Fibel in Abb. 59. Eine späte Hauptserie, die sich aus den Fünfknopffibeln entwickelte, hat ein ovales Fußstück und viele Knöpfe, die nicht selten aus einem Stück mit der Fibel gegossen sind (Abb. 64). Sie wurden hauptsächlich in Österreich, bisweilen in Italien und Deutschland gefunden, dagegen nicht in Frankreich und England... → Weiterlesen.

Vogelknopf- u. Tierfußfibel

Eigenartige Varianten des Bügelfibeltypus sind auch die Vogelknopffibeln in Abb. 60, die aus Rußland, Ungarn, Deutschland, Schweiz und Frankreich bekannt sind (Abb. 60 aus der Schweiz), und die Fibeln mit Tierfiguren am Fußstück (Abb. 61), die in den genannten Ländern, sowie Italien und Belgien vertreten sind.

Bügelfibel mit rechtwinkligem Kopfstück

Dem Ursprung nach nordgermanisch, dh. skandinavisch ist der Typus der Bügelfibeln mit rechtwinkligem Kopfstück. Solche Fibeln findet man in Deutschland, Frankreich und Italien. Doch sind sie hier nicht allgemein verbreitet. Es sind meistens späte Typen, aus dem 6. Jh. Die südgermanischen Formen unterscheiden sich dabei von den skandinavischen und englischen durch das fast immer platte Fußsttick ohne First. Diese Fibeln sind meistens degenerierte und schlechte Exemplare (Abb. 65 aus Frankreich, Abb. 66 aus Nassau).

Eine Mischform der Bügelfibel mit rechtwinkligem Kopfstück und der späten Vielknopffibel mit ovalem Fußstück ist Abb. 67. Das Verbreitungsgebiet dieser Fibel war beträchtlich, man findet sie in Italien, Ungarn, Deutschland, Frankreich und England. Das abgebildete Exemplar stammt aus Hannover, dem Gebiet, über das der süd-nordgermanische Handelsverkehr vordrang. Die skandinavischen Fibeln dieser Zeit haben meistens das Fußstück firstähnlich gegliedert und sind mit Tierfiguren orniert; Abb. 79 zeigt die Form des 6. Jhds. mit degenerierten Tierornamenten.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia:Bügelfibel; Version vom 18. Jun. 2012‎.
  2. Gudula Zeller: Tracht der Frauen. In: Die Franken – Les Francs. Band 2. Zabern, Mainz 1996. S. 673ff.
  3. Rosemarie Müller, Heiko Steuer: Fibel und Fibeltracht. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 8, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1994, S. 541–545.
  4. Wikipedia: Vierfibeltracht
  5. Nordische Altertumskunde (Internet Archive). Sophus Müller. Übersetzung. V. Jiriczek. 2 Bände. K.J. Trübner Verlag, Straßburg 1897-98. Bd. II, Abb. 132

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