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Bürgertum

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Vom Bürger als eigenständigem Stand spricht man ab dem 11. Jh. Zeitgleich löste das Wort “stat” das ältere Wort “burg” ab. Diese Schicht zählte in der Ständeordnung im Mittelalter genau wie Bauern zum dritten Stand.

Allgemeines

Als Bürger bezeichnete man einen Stadtbewohner, wobei die Bezeichnung "Bürger" im engerem Sinn (formelle Gemeindemitglieder) und weiterem Sinn (Stadtbewohner überhaupt) gebraucht wurde. Man differenzierte zwischen den burgaere, der alle politischen Rechte besaß, und dem medewoner (Einwohner), der keine politischen Rechte besaß. Alle Stadtbewohner waren aber im Gegensatz zur der Landbevölkerung frei.

Das Bürgertum bildete sich im Hochmittelalter, seit etwa dem 11. Jhd., mit der Gründung der Städte als eigener, neuer Stand (s. Ständeordnung), zu denen der einfache Stadtbürger gehörte. Diese einfachen Bürger waren manchmal ehemals Bauern, denn Einige von ihnen hatten ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und waren vor den elenden Lebens- und Arbeitsbedingungen vom Land in die Stadt geflohen. So war dem Aufblühen des Bürgertums auch die Beseitigung der Unfreiheit in seinem Kreise zu verdanken.

Entwicklung

Einige stadtähnliche Gemeinden gab es in Deutschland seit der Römerzeit. Eine eigene Stadtverfassung bildet sich jedoch erst im 11. und 12. Jhd. aus. Damit hängt es zusammen, dass die Quellen seit der 2. Hälfte des 11. Jhds. von burgenses sprechen. Die Bezeichnung 'Bürger' für die Stadtbewohner wurde allmählich vorherrschend, teilte sich allerdings die Verwendung mit urbani, cives, mercatores und anderen Ausdrücken, die zugleich eine andere Bedeutung hatten. [1]

Vom Bauern zum Bürger

Löste sich also eine Person aus der Landbevölkerung von seinem Vorseher und wanderte ab in die Stadt, so konnte er das Bürgerrecht nehmen, vorausgesetzt sein Vorseher machte keine Ansprüche geltend. Nach einem Mindestaufenthalt von einem Jahr innerhalb der Stadt war er nicht mehr unfrei, sondern freier Bürger. Das volle Bürgerrecht erlangte er jedoch erst, wenn er den Bürgereid leistete und sich verpflichtete seine bürgerlichen Pflichten zu beachten.

Bürgertum in England

Über die Verhältnisse der Einwohner der englischen Städte stammen zuverlässige Nachrichten erst aus dem 11. Jhd.; in den angelsächsischen Gesetzen und in der Sachsenchronik, sowie im Domesdaybuch, finden sich nur gelegentliche Anspielungen auf die Städte und Bürger. Obgleich der Ausdruck mlat. burgensis, ags. burhwara seiner Ableitung nach eigentlich für alle Einwohnern einer Stadt gelten sollte, zeigt das Domesdaybuch, dass die Städte auch Einwohner enthielten, die keine Bürger waren... Weiterlesen.

Bürgertum in Skandinavien

In Nordeuropa findet sich der Bürgerstand nicht vor dem 12. Jhd. In Norwegen ging dem Stadtrecht als Territorialrecht das auf allen Handelsplätzen geltende Bjarkeyjarrettr (ein Kaufmanns- oder Handelsrecht) voraus. Erst am Ende des 11. Jhds. schied sich das Stadtrecht vom Landrecht ab. Die ursprünglich auch in den Städten geltenden Standesunterschiede (s. Ständewesen in Skandinavien) wurden beseitigt, denn im Stadtrecht sollte jede Freie Mann das Recht des hǫlðr haben.

Seitdem bestand der Begriff des Bürgers (bæjarmaðr, búri) als eigener Stand, wobei Ansässigkeit mit Grundbesitz die Voraussetzung der vollen Bürgerrechtsfähigkeit war. Das älteste dänische Stadtrecht, das Stadtrecht von Schleswig, vom Anfang des 13. Jhds., zeigt bereits das Bild eines Stadtrechts mit eigenem Stand von cives, die von den hospites (ruricolae oder fremden Kaufleuten) scharf getrennt und selbst nicht ständisch gegliedert sind. Am spätesten, wohl nicht vor der Mitte des 13. Jhds., bildete sich in Schweden ein Stadtrecht mit eigenem Bürgerstand (byamänn) heraus.

Renaissance

Während der Renaissance war die Gesellschaft vom Bürgertums geprägt. Allerdings war das Bürgerrecht im 16. Jh. und 17. Jh. an Haus- und Geldbesitz gebunden. Großfamilien waren nur in reichen Häusern üblich. Ehen wurden nach Vernunft geschlossen, für Abhängige und Arme herrschte Eheverbot. [2]

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Quellen

Einzelnachweise

  1. "Deutsche Verfassungsgeschichte" (Internet Archive). George Waitz. 8 Bände. Berlin 1880-96. Bd. 5, S. 405 ff.
  2. Geschichtsbaum Deutschland. National Geographic Deutschland. Britta Orgovanyi-Hanstein. Candor-Verlag, 2006. ISBN 3200005572, ISBN 9783200005570.

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