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„Ir manche macht zwen tuttenseck
Damit so snurt sie umb die eck,
Das sie anschau ein ieder knab,
Wie sie hübsche tütlein hab;
Aber welcher sie zu groß sein,
Die macht enge secklein,
Das man icht sag in der stat,
Das sie so groß tutten hab.“

Auszug aus „Meister Reuauß“, satirisches Gedicht des 15. Jahrhunderts

Vor 100 Jahren wurde der erste Büstenhalter in Serie gefertigt, aber schon weit früher wurden offenbar vergleichbare Kleidungsstücke getragen. Innsbrucker Archäologen entdeckten in Schloss Lengberg bei Nikolsdorf in Osttirol (Österreich) mehrere BHs aus dem Spätmittelalter.

Beschreibung

Die gefundenen leinenen Büstenhalter glichen frappierend den heute verwendeten Kleidungsstücken. Bisher war man davon ausgegangen, Büstenhalter seien vor rund hundert Jahren erstmals verwendet worden und Frauen im Mittelalter hätten Unterkleider aus Leinen getragen. Eine Untersuchung von Faserproben zur Altersbestimmung mit Hilfe der sogenannten Radiokarbonmethode habe aber bestätigt, dass die Stücke etwa zwischen 1440 und 1485 getragen wurden.

Unterschiedliche Textilien

Insgesamt wurden vier Textilien aus Leinen gefunden, die modernen BHs ähneln. Zwei stärker fragmentierte Exemplare scheinen eine Kombination aus einem BH und einem kurzen Hemd zu sein. Sie enden direkt unter der Brust, haben aber zusätzliche Stoffteile oberhalb der Körbchen zum Verdecken des Dekolletés und keine Ärmel. Die beiden weiteren gefundenen „BHs“ ähneln modernen BHs noch stärker: Der dritte ‚BH’ sieht mit zwei breiten Trägern und einem nicht erhaltenen Rückenteil modernen BHs viel ähnlicher. Dieser ist auch der am aufwändigsten dekorierte. Der vierte „BH“ ähnelt einem modernen Büstenhalter am meisten. „Er ist eine Kombination aus einem BH und einem Mieder und kann am ehesten mit einem modernen Longline-BH verglichen werden.“

Erfindung im 15. Jahrhundert?

Eine eigens durchgeführte Kohlenstoff-14-Datierung an Faserproben zweier BHs haben die Datierung der Stücke ins 15. Jahrhundert bestätigt. Bisher gab es keine Beweise für die Existenz von BHs mit deutlich sichtbaren Körbchen vor dem 19. Jahrhundert. Mittelalterliche schriftliche Quellen äußern sich eher vage über das Thema, manchmal werden ‚Taschen für die Brüste’ oder ‚Hemden mit Säcken’ erwähnt. Andere Quellen erwähnen nur Brustbänder, um übergroße Brüste an den Körper zu binden. Mit Ausnahme des ‚Longline-BHs’ mit einer eher kleinen Körbchengröße weisen die drei anderen gefundenen ‚BHs’ sehr große Körbchen auf, was zur Aussage mancher Schriftquellen über ‚Säcke’ in Kleidern und Hemden passt.

Quellen

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