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Ein Badezimmer bzw. eine Badestube als besonderer Raum zum Waschen und Baden wurde bereits vor dem Frühmittelalter in Europa im Hause abgetrennt. Dort war das Badegerät fest aufgestellt und Wasser konnte erhitzt werden (siehe: Badeofen, Badehaus).

Geschichtliches

Wenn auch das Vorbild der Römer, die keine Villa ohne Badezimmer bauten, diese Entwicklung gefördert haben mag, so waren größere Wohngebäude bereits bei den Germanen im alten, freien Germanien mit einem Badegelaß versehen. Oft war auch im Hof ein selbständiges kleines Haus hierfür hergerichtet.

Klösterliche Badestuben

Der schematische Grundriß des Klosters von St. Gallen (um 820) zeigt mehrere Baderäume mit Wandbänken, die an der Wand herliefen, und feststehende kreisrunde Standgefäße und im selben Raum oder im Raum direkt nebenan einen Herd. Auf einen Herd kamen vier Badekufen. Solche Badegelasse waren für die Mönche, für die Schüler, für Kranke und für die Diener getrennt vorgesehen, während dem Abte und den Gästen die Badekufe in ihr Zimmer getragen wurde. Später findet sich der Baderaum direkt neben dem Schlafzimmer, oft mit besonderem Ruhebett (nach dem Bade) ausgestattet und auch mit einem Auskleideraum (abcziehkemerlin) in Verbindung. [1]

Großbritanien und Skandinavien

Das germanische Dampfbad (altnordisch. bað im Gegensatz zu laug, angelsächsisch. stofbaeþ, stānbaeþ, mit bähen verwandt) hat mit dem römischen, auf Luftheizung beruhenden Bade nichts zu schaffen. Die altnordische Badestube (baðstofa, vgl. angelsächsisch. stofa neben baethus, baethstow = 'thermae', siehe Stube) stimmt dagegen mit dem slavischen Badehaus ziemlich genau überein.

Der Dampf wurde dadurch hervorgebracht, dass über einen Steinofen Wasser gegossen wurde. Eine in mehreren Absätzen aufsteigende Bühne machte es möglich, den Körper einer immer höheren Temperatur auszusetzen; diese Bühne hieß im Altnordischen pallr (der Name wird noch in norweg. Dialekten bewahrt). Auf dieser Bühne liegend peitschten sich die Badenden mit Ruten (vgl. lit. pirtis = 'Badestube': perti = 'baden, mit dem Badequast schlagen').

Auf Island gab es auch über heißen Quellen errichtete Badehäuser (ein solches, das im angelsächsischen Gedicht Ruine erwähnt wird, war allerdings eine alte römische Anlage). Ein paar Sagastellen scheinen unterirdische Badestuben zu schildern, was nur rein äußerlich an die gleichartige römische Sitte erinnert. Während in der Sagazeit Badehäuser auf den Höfen üblich waren und in den Städten als öffentliche Einrichtung bestanden, gerieten sie später außer Gebrauch.

Auf Island wurde, nachdem der Ofen der alten Badestube in die Wohnstube übertragen worden war, badhstofa die gewöhnliche Benennung jeder erwärmten Stube, später auch der heutigen, nicht erwärmten Stube, wo alle Leute des Hofes sowohl am Tage wie in der Nacht sich aufhalten (vgl. finn. pirtti = 'Wohnung, Stube' aus lit. pirtis = 'Badestube'). Im Neunorwegischen dagegen bedeutet badstova = 'Darrhaus' (wie die 'Badestuben' der bajuvarischen Alpen): vielleicht war von Anfang an das Dörren des Kornes und Malzes ein Nebenzweck der Badestube.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Bauriß des Klosters St. Gallen. Ferdinand Keller. Zürich 1844 (Mitt. d. Antiq. Ges. Zürich. 6. Anhang).

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