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Baldachin

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Der Baldachin, bzw. Ciborium ist eine aus kostbaren Stoffen bestehende zelt- oder schirmartige Decke über einem Thron, Ruhebett, Altar, Bischofsstuhl, eine Kanzel, und dgl. Auf Stangen oder Säulen wurde er als "Traghimmel" bzw. "Thronhimmel" über dem Sanctissimum bei feierlichen Prozessionen oder fürstlichen Aufzügen getragen. [1]

Beschreibung

Baldachin bezeichnet eigentlich einen Prachthimmel, der aus einem kostbaren Stoff (z.B. Goldbrokat, Seide) aus Baldach (die mittelalterlichen Form für "Bagdad") gefertigt wurde. Das Wort wie die Sache stammen aus dem Orient, wo die Herrscher und Vornehmen teils aus Rücksicht auf die heißen Sonnenstrahlen, teils zum Zeichen ihres Ansehens sich selten anders als unter einem oft von den Großen des Volkes getragenen oder auf dem Rücken eines Reittieres befestigten Baldachin zeigen.

Trug man früher Baldachine also häufig bei feierlichen Aufzügen über vornehmen Personen, in der Neuzeit kommt er in Europa allerdings nur noch bei den Prozessionen der katholischen Kirche vor, wo der die Monstranz tragende Geistliche unter dem Baldachin geht. In dem Abendland erschienen sie besonders seit den Kreuzzügen. [2]

Später wurden auch feste Altarüberbauten, im gotischen Stil die kleinen Schutzdächlein über Statuen, als Baldachine bezeichnet. In der Gotik ruhen sie meist als Überdachung über Kanzeln oder Statuen auf Stützen (Säulen), die tragbar oder fest installiert sein können. Dort bilden sie eine nach drei Seiten offene Nische, die außen an Türmen und Strebepfeilern, im Innern an Säulen oder Pfeilern angebracht sind.

Spätantike

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Wiener Genesis (um 550): Melchisedek vor Altar mit Baldachin.

Steinerne Baldachine über Altären aus der Spätantike sind hier und dort noch ganz oder teilweise erhalten (so z.B. in San Vitale, Ravenna; Valpolicella oder St. Ambrogio in Mailand). Ein reichgezierter, allerdings aus älteren langobardischen Stücken zusammengesetzter, Baldachin ruht auf zwei Säulen über dem Bischofsitz (cathedra) des Doms zu Grado. Ein sechseckiger auf Säulen über dem Taufbecken zu Cividale im Dom, bezeichnet als durch den Patriarchen Sigwald (762-776) hergestellt; mit reichgeschmückter Brüstung echt langobardischen Stils.

Eine Darstellung aus der Wiener Genesis (um 550) zeigt die wesentlichen Bestandteile eines Altars aus der frühchristlichen Zeit bis zum 10. Jh. Der freistehende Altartisch, umgeben von vier Säulen, auf denen ein dachförmiger Baldachin ruht. Die Kapitäle verbunden mit Stangen, daran ein verschiebbarer Vorhang. Man nannte das Ganze Ziborium - ein Ausdruck, der später nur für den Hostienbehälter gebraucht wurde. [3]

Etymologie

Prunkbettlade mit doppeltem Baldachin Peter Flötner HL20805a.jpg

Prunkbettlade mit doppeltem Baldachin (Holzschnitt; 1. Hälfte 16. Jh.)

Das Wort Baldachin, ital. Baldachino, franz. Baldachin, und Baudequin, altenglisch Bandekin, kommt seit dem 12. Jh. in den europäischen Sprachen vor, und wird im Lateinischen u.a. Baldakinus, Baldekinus, Baldekinius, Baldechinus oder auch Baldochinus, Bandaquinus und Baudequinus geschrieben. Um das Jahr 1278 wird Baldekin durch purpura vel Samyt erklärt.

Beim Karpentier kommt Baldicuarius für einen Sticker vor. In den niedersächsischen Urkunden ist Boldek ein Thronhimmel, was mit Baldicum in den Annal. Colmariens übereinstimmt. Um Bremen bedeutete Boldten auch ein Leichentuch. Im Bremisch-Niedersächsischen wurde er durch das übliche Boll oder Polle, das Haupt bzw. Decke erklärt. [4]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911., S. 143.
  2. Pierer's Universal-Lexikon, Band 2. Altenburg 1857, S. 236.
  3. Trachten, Kunstwerke und Geräthschaften vom frühen Mittelalter bis Ende des achtzehnten Jahrhunderts (Internet Archive). Band 1-10 : nach gleichzeitigen Originalen. Jakob Heinrich von Hefner-Alteneck. Frankfurt am Main : H. Keller, 1879. S. 7, Tafel 6.
  4. Adelung, Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, Band 1. Leipzig 1793, S. 698.

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