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Bandhelme tauchten in Mitteleuropa in der Spätantike auf. Bei den Angelsachsen waren diese Helme während des 6.-8. Jhs. so ziemlich die einzige verwendete Art. Sie werden durch mindestens ein geschlossenes Scheitelband von zwei sich überkreuzenden Eisenbändern charakterisiert. [1]

Beschreibung

Bandhelme bestehen aus einer niederen, konischen Haube mit einem Gerüst (vgl. Eisenkreuz) von zwei am Kreuzpunkt oben durch eine Scheibe zusammengehaltenen und unten an einem schmalen Streifen vernieteten Spangen. Die Füllung bestand z.B. aus mehreren Stücken Bronze oder Eisen, aber auch Geflechte aus Horn kamen vor.

Eine Stirnrippe verlängerte sich zu einem Nasenschutz, der oftmals verziert war. Vom Rand der Spangen hing mitunter ein Kettengeflecht oder ein mit Ringen benähter Stoff herab, der sich unter dem Kinn am Hals schloss. Dies war der Vorläufer der Halsbrünnen, die ihr Original im Orient haben.

Helmspitze

Die Helmspitze ist bei einigen angelsächsischen Funden mit einem bronzenen Eber, dem heiligen Tier des Schwertgottes Freyr geziert [2] Auch auf den verwandten skandinavischen Helmen war der Eber als Helmschmuck sehr beliebt, wie die Darstellungen auf den Treibmodellen von Torslunda und den Zierplatten des Wendelhelmes [3] zeigen.

Funde

Noch in später Zeit wird Hildisswin als Helmname verwendet [4]. Mit den angelsächsischen Helmen verwandt sind zwei fränkische Eisenkappen aus Bretzenheim (bei Mainz) und Trivieres. Auch diese gehören zum Bandhelmtypus, wurden jedoch in ihrer Konstruktion durch Spangenhelme beeinflußt.

Reitermaske von Thorsberg

Einer der berühmtesten Bandhelme ist die Gesichtsmaske mit Kappe aus dem Thorsberger Moor, ein nordisches Fabrikat aus der Spätantike. Sie besteht aus zwei Teilen, die wohl ursprünglich nicht zusammengehörten, einer Gesichtsmaske aus getriebenem, zum Teil vergoldetem Silber und einem kalottenartigen Kappengerüst, das aus einem Ringband mit darüber von der Stirn zum Nacken sich wölbendem Scheitelband und die Zwischenräume netzartig füllenden Schmalbändern aufgebaut ist. Sie saß auf einer Lederoder Zeugmütze, wie sie schon aus der nordischen Bronzezeit (1800 bis 530 v. Chr.) bekannt sind [5].

Helmgestelle (Kreuzhelm, Eisenkreuz)

Zwei angelsächsische Bandhelmgestelle (auch als Kreuzhelm bezeichnet) von etwa um 500 n. Chr., wurden in Leckhampton Hill bei Cheltenham und Benty Grange in Derbyshire (Bild) gefunden [6]. Beim Helm von Leckhampton Hill ist die Konstruktion aus Bronze. Er wird im British Museum aufbewahrt und ursprünglich den Bretonen zugeschrieben, ist aber wohl skandinavisch. Der Helm von Benty Grange besteht aus einem Eisengestellt (Eisenkreuz), der Nasenschutz ist mit einem Kreuz verziert.

Helme von Ultuna und Vendel

Die in Skandinavien gefundenen Exemplare stehen dem ältesten durch die Thorsbergkappe repräsentierten Bandhelmtypus näher. Bei dem Helm von Ultuna (Bild) [7] ist die Füllung des Gerüstes, eines Stirnreifes mit breitem Scheitelband, noch aus einem Kreuzgeflecht von breiten Metallbändern hergestellt.

Der Bandhelm aus Vendel (Bild), Uppland (ca. 600 n. Chr.) zeigt schon das Ende der Entwicklung. Die Füllung ist zu einem halbkugligen Eisenkern geworden, der mit zwei sich über dem Scheitel kreuzenden, aufgenieteten Bändern und einem breiten Bandstreifen aus Silberblech verziert ist.

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Spangenhelm - Bandhelme und Band-Spangenhelme
  2. vgl. dazu Deutsche Mythologie. Band 4. Jacob Grimm. Berlin 1875—78. S. 195
  3. Kulturgeschichte Schwedens von den ältesten Zeiten bis zum elften Jahrhundert nach Christus (Internet Archive). Oscar Montelius. Leipzig : E. A. Seemann, 1906., S. 232
  4. Skaldskaparmal. E. Jónnson. S. 108
  5. S. Müller, Ordning af Danmarks Oldsager. Vol. I: Bronzealderen.
  6. Collectanea Antiqua. C. Roach Smith. Band II, S. 37
  7. Zeitschrift für Ethnologie. Organ der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Berlin : Behrend & Co, 1869 ff. Homepage. Jahrgang 1894. S. 315 ff.

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