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Als Bart, Barthaube (baviere, haute pièce, engl. bevor), auch „fürfallender Bart“ oder „abschlächtiger Bart“, bzw. Kinnreff bezeichnete man das Rüstungsstück europäischer, spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Helme, welches Kinn und Hals des Trägers abdeckte. [1]

Beschreibung

Mit der Beckenhaube erschien bereits um 1350 eine Deckung der unteren Gesichtshälfte durch ein "Kinnreff", das zuweilen steif, oft aber aufschlächtig war. Bildete diese Deckung keinen Bestandteil des Helmes, so dass sie an der Brust mittels Riemen oder Vorsteckkloben haftete, dann bezeichnete man sie als "Bart" oder "Barthaube". Diese deckte die untere Hälfte des Gesichts bis an die Augen.

15. Jahrhundert

Im 15. Jh. war der Helmbart ein wesentliches Begleitstück der deutschen Schaller, wo er mittels Federkloben an der Brust befestigte wurde. Da die Schaller mit beweglichen Visieren ausgestattet waren, die so kurz waren, dass sie nicht über die Nasenspitze reichten, war das Kinnstück, Vorhelm oder Barthaube, welches auf den oberen Teil des Brustschildes geschraubt wurde, um den Hals, das Kinn und den Mund zu schützen, unentbehrlich.

Vornehme trugen in Städten den Bart aus Leder gefertigt und mit Stoff überzogen. An den Geschlossenen Helmen des 15. Jhs. findet sich als Verstärkungsstück häufig ein Vorsteck- oder Anschnallbart, der sog. "Feldbart", der einem Visier ähnlich das Gesicht deckte (Bild).

16. Jahrhundert

Im 16. Jh. wurden Sturmhauben üblicherweise mit einem Feldbart verstärkt. Dieser war schmal geschnitten, bedeckte nur die Kinnpartie und reichte bis zu den Visierbolzen hinauf, die er an beiden Seiten bedeckt; unterhalb reihte sich daran ein geschobener Halsreifen. Auch in der Reiterei wurde um 1560 zur Sturmhaube ein Bart getragen, der am Bruststück befestigt war und die Form der Helmbärte von 1480 hatte, nur dass dieser eher nach vorn gerichtet war (Bild).

Deutsche und niederländische Sturmhauben besaßen im 16. Jh. Feldbärte mit Halsreifen, die, angeschnallt oder mittels Häkchen an den Backenstücken befestigt wurden und der Haube ganz das Aussehen eines Geschlossenen Helmes gaben (Bild). Sie waren gewöhnlich drei bis viermal abwärts geschoben, um sie nach Bedarf teilweise oder ganz öffnen zu können. Im Laufe des 16. Jhs. entwickelte sich aus dem Helmbart dann der Harnischkragen.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Bart (Rüstung)
  2. Boeheim, Waffenkunde. aaO. S. 43, Fig.031: Geschlossener Helm neuerer Form, mit Kinnreff, auf- und abschlächtigem Visier. Der Helm gehört zu einem Harnisch von Kaiser Maximilian I.
  3. Boeheim, Waffenkunde. aaO. S. 44, Fig.033: Geschlossener Helm mit niedrigem Kamm, Kinnreff, Visier, aufstellbarem, mit Deckel zu schließendem Stirnstulp. Hals- und Nackenreifen sind dreimal geschoben. Arbeit des Jörg Seusenhofer. Innsbruck, 1547.