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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 19. April 2013 als Spotlight vorgestellt.

Sowohl Wälder, Haine als auch einzelne Bäume genossen bei allen germanischen Stämmen heilige Verehrung. Ursprünglich mögen beide, vor allem die Wälder, als Wohnsitze der Seelen aufgefaßt worden sein, zur Zeit des Tacitus waren letztere den Göttern geweiht (Germ. 9). Auch aus der Keltischen Glaubenswelt wurden diese Heiligen Haine als Nemetons überliefert.

Heilige Wälder und Haine

Im Semnonengebiet befand sich der dem "regnator omnium deus" (Gott, Herr aller) heilige Wald (Germ. 39), auf einer Ostseeinsel das "castum nemus" (heilige Hain) der Nerthus (Germ. 40), in der Nähe der Weser die "silva Herculi Sacra" (der heilige Wald des Herkules; Ann. 1112), in Nordwestdeutschland der "lucus Baduhennae" (Hain der Baduhenna; Ann. IV 73), und noch später erwähnen Gregor von Tours und die fränkischen Annalen wiederholt heilige Haine im westlichen Deutschland, wie Adam von Bremen eines solchen bei Bremen (II, 46) und in der Nähe Upsalas (IV, 27) gedenkt.

Mit der Heiligkeit der Haine hing es zusammen, dass hier die signa deorum (Götterstatuen), wie der Wagen der Nerthus, aufbewahrt wurden. Aus ihrer Bedeutung als Verehrungsstätte der Götter erklärt es sich auch, dass die althochdeutsche Bezeichnung des Waldes haruc, in Skandinavien die Bedeutung 'Tempel' annahm, als den Göttern besondere Gotteshäuser erbaut wurden.

Heilige Bäume

Neben dem Waldkult hatten die Germanen auch einen tiefgewurzelten Baumkult. Von Agathias an, der im 6. Jhd. den Baumkult bei den Alemannen (28, 4), und Gregor von Tours, der ihn bei den Franken bezeugt (2, 10), haben sich zahlreiche Zeugnisse über den Baumkult vor allem in den Verboten altheidnischer Sitte der Geistlichen und weltlicher Fürsten erhalten [1].

Fast immer begegnet darin die Baumverehrung neben der Quellenverehrung, wie sich auch in Altupsala ein heiliger Baum neben heiliger Quelle befand. Die ganze Umgebung war tabu, und hieraus erklärt sich, dass Baum und Quelle später, als anthropomorphische Göttergestalten in den Mittelpunkt des Kultes traten, diesen heilig waren. So z.B. war die "robur Jovis" bei Geismar dem Donar heilig, jene Donareiche, die im Jahre 723 von Bonifatius gefällt wurde. Solche heilige Bäume mögen ebenso Veranlassung zu Mythen gegeben haben, wie die Weltesche Yggdrasils in einem solchen ihr Vorbild haben könnte.

Baum des Lebens / Weltenbäume

In vielen Kulturen kommt bestimmten Bäumen eine besondere Symbolik und Stellung zu; so z.B. dem Baum des Lebens in der jüdischen Kabbala, dem Baum der Erkenntnis im Garten Eden oder der Esche Yggdrasil als Weltenbaum in der germanischen Mythologie.

Bräuche und Sitten

Die Heiligkeit des Baumes und der sich daran knüpfende Kult wurzeln in seiner Verbindung mit der Mutter Erde, in der damit zusammenhängenden sprossenden Kraft, die er im Frühjahr zeigt, und in dem Glauben, dass er der Sitz seelischer Geister sei. Infolge dieses wird alles vermieden, was ein fühlendes Wesen verletzen könnte, und alles getan, was einem solchen gebührt. Baumfrevler werden mit den schwersten Strafen belegt; wenn der Baum gefällt wird, wird er um Verzeihung gebeten; der Tod seines Herrn wird ihm feierlichst angekündigt.

Heilkunde

Seine Verbindung mit Mutter Erde läßt den Baum besonders in der Heilkunde des Volksglauben hervortreten. Wie durch ihn und aus ihm vielfach Krankheiten kommen sollen, so nimmt er diese auch ab. So werden Kranke durch hohle Bäume gezogen; der Baum wird gebeten, die Krankheit zu entfernen; Gegenstände, die der Kranke getragen, werden im Baume 'verpflöckt', damit so die Krankheit in den Baum gehe. [2]

Fruchtbarkeitsritus

Noch mehr tritt der Baum im Zauberkult als Spender frischen Lebens und der Fruchtbarkeit hervor. Nach Erwachen der Natur im Frühling wird er unter allen möglichen rituellen Gebräuchen aus dem Wald in die menschliche Wohnung gebracht, im Dorf als Maibaum auf dem Anger aufgepflanzt, vom Liebhaber dem jungen Mädchen vor ihrem Gemach oder vor dem Stall der Tiere aufgestellt, damit die Fruchtbarkeit des jungen Baumes auf die Geschöpfe übergehe.

Dass man es hier mit einem Fruchtbarkeitszauber zu tun hat, dafür spricht schon die Tatsache, dass "die Maie" auch beim Hochzeitsritual nicht fehlen darf. Auch den letzten Erntewagen schmückt vielfach ein grünender Baum, der vor der Scheune aufgepflanzt oder an ihren Toren angenagelt, vorher aber öfter mit Wasser begossen wird, damit die Fruchtbarkeit der Felder im kommenden Jahre nicht ausbleibe.

Lebensrute

In der Auffassung vom Baum als Spender des Lebens und der Fruchtbarkeit wurzelt auch der Schlag mit der Lebensrute. Mit jungen Birkenreisern, an denen sich das erste Grün zeigt, werden im Frühjahr junge Mädchen, das weibliche Vieh, besonders die jungen Kühe, aber auch die Äcker geschlagen, damit die Lebenskraft des Zweiges frisches Leben bei ihnen erwecke. Dasselbe geschieht vielfach mit der jungen Braut am Hochzeitstag.

Seelenglauben

Der Baum gilt ebenso als Sitz der Seelen Abgeschiedener, und vor allem in diesem Seelenglauben, der seit dem 5. Jhd. in den Quellen begegnet, wurzelt der Baumkult. Nach weitverbreitetem Volksglauben wohnt in jedem Baum eine 'arme Seele'; die Seele Verstorbener geht oft in den Baum über. Wer daher einen Baum verletzt oder fällt, verletzt oder tötet eine Seele. Wie man sich die Seele nur körperlich vorstellen konnte, so konnte die Baumseele auch bluten.

Es entstand der Glaube, dass verletzte Bäume bluten. Um die Baumseele oder den elfischen Geist oder die Gottheit, mit der man in spätheidnischer Zeit vielfach den Baum in Zusammenhang brachte, gewogen zu stimmen, hing man Spenden (Blumen, Bänder, Bilder und dgl.) am Baum auf, wie einst an den heiligen Bäumen von Upsala die Körper der geopferten Menschen und Tiere (Adam von Bremen, IV 27). Auch die Tänze, die im Mittelalter vielfach um heilige Bäume stattfanden, und die damit verbundenen Gesänge erinnern an die neniae und die anderen Riten, die Adam von Bremen zu erwähnen sich scheut.

Schutzbaum

In der Funktion des Baumes als Seelensitz wurzelt auch der Schutzbaum bzw. Schicksalsbaum. Vor allem in Skandinavien ist der Schutzbaum der Familie weit verbreitet. So wohnt z.B. im schwedischen Vardträd, der meist eine Linde oder Esche ist, der Schutzgeist des Hauses, der bei allen Krankheiten den Menschen Hilfe bringt. Und wie einzelne Häuser, so haben ganze Gemeinden ihren Schutzbaum, dem blutige und unblutige Opfergaben gespendet werden. Vielfach besteht auch der Glaube, dass das Schicksal eines Menschen, einer ganzen Familie an das Leben eines Baumes geknüpft ist.

Deshalb werden bei der Geburt eines Kindes oft Bäume gepflanzt, von deren Wachstum und Gedeihen man das des Kindes abhängig wähnt. Die Menschenseele im Baum wird zum elfischen Geist und so kann dieser elfische Geist auch mit dem Baumstamm, in dem er seinen Sitz hat, wandern. Daraus erklärt sich die Sage vom norddeutschen Klabautermann, der durch den gefällten Baumstamm in den Mastbaum des Schiffes kommt, dessen Schutzgeist er nun wird, wenn ihm die Schiffsleute die verlangte Spende und Nahrung zuteil werden lassen.

Im Glauben an die Baumseele wurzelt auch in der Nordischen Mythologie das Motiv der Edda. Danach wurden die ersten Menschen aus den Bäumen askr (Esche) und embla (Ulme?, vgl. ahd. elmboum) geschaffen, in dem die Asen Odin, Hönir und Lodur ihnen Atem, Blut und menschliche Gestalt gaben (Völuspa 18).

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Quellen

Einzelnachweise

  1. vgl. Geschichte und System der altdeutschen Religion. Wilhelm Müller. Göttingen, Vandenhoeck und Ruprecht, 1844. S. 59ff.
  2. Wald- und Baumkult in Beziehung zur Volksmedizin Oberbayerns. Max Höfler. Verlag O. Galler, 1894.

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