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Die Sitte, Tote in ausgehöhlten Baumstämmen, in Baumsärgen, beizusetzen, ist in Nordeuropa schon zur Jungsteinzeit (5500-2200 v. Chr.) nachweisbar. Allgemein verbreitet wird sie jedoch erst in der Frühen Bronzezeit (2200-1600 v. Chr.). Ihre eigentliche Heimat scheint Südschweden und die cimbrische Halbinsel zu sein, seltener beobachtet ist sie auf den dänischen Inseln, in Mecklenburg-Vorpommern, Hannover, England und Schottland. [1]

Beschreibung

Die Särge wurden aus 2-3 m langen dicken Eichenstämmen hergestellt, die an den Enden gerade abgehauen, der Länge nach gespalten und ausgehöhlt wurden. In den unteren Teil bettete man auf einer Kuhhaut den bekleideten Toten. Waffen, Schmuck und allerlei Hausrat wurden ihm mitgegeben, Mantel und Decke hüllten ihn ein. Der Oberteil diente als Deckel. Zuweilen wurde noch ein größerer Schutzdeckel darüber gestülpt. Steine oder Pfähle stützten den Sarg, ein Steinhaufen, in der Nähe der Küste auch eine Tangschicht, bedeckten ihn.

Über dem Ganzen wölbte sich der Grabhügel empor. Dieser Bestattungsart verdanken Forscher viele wichtige Funde, die man aus der Nordischen Bronzezeit (1800-530 v. Chr.) kennt. Die durch den Hügel eindringende und in den Särgen angesammelte Feuchtigkeit übte nämlich in Verbindung mit der Gerbsäure des Eichenholzes eine konservierende Wirkung auf alle organischen Bestandteile, wie Holz, Leder, Stoffe, Haare und dgl. aus, so dass Forscher dadurch Aufschluß nicht nur über viele sonst unbekannte Gerätschaften, sondern auch über die männliche und weibliche Tracht und über die blonde Haarfarbe jener Menschen erhalten.

In Schonen und Hailand sind Baumsärge auch einige Male mit verbrannten Gebeinen und Beigaben aus der Späten Bronzezeit (1300-800 v. Chr.) gefunden worden. Im Allgemeinen verschwinden sie aber mit der Einführung der Leichenverbrennung. Doch treten sie aufs neue bei den Körpergräbern der Römischen Kaiserzeit (1-375 n. Chr.) in Pommern und Ostpreußen, und der Völkerwanderungszeit in Thüringen, Süddeutschland und Frankreich auf. Auch für das christliche Mittelalter ist ihr Gebrauch an zahlreichen Stellen Nord- und Süddeutschlands, der Schweiz, der Niederlande, Englands und Schwedens bezeugt. Noch heute wird in manchen Gegenden Württembergs der Sarg als Totenbaum bezeichnet, und auch der Ausdruck nauffus aus der Lex Salica (tit. LVIII 2) und truncus der späteren kirchlichen Statute war auf diese Art von Särgen gemünzt, wobei an deren Ähnlichkeit mit den zur Schiffahrt gebrauchten Einbäumen zu denken ist.

Außerhalb der germanischen Länder kennt man einige Beispiele aus der Eisenzeit (800–450 v. Chr.) aus Italien, Böhmen und Rußland, und ebenso liegen Berichte über Baumsärge aus dem Kaukasus, Indien und China vor.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Nachrichten deutsche Altertumsfunde, 1899, S. 1 ff.

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