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Die ältesten Beamten im politischen Gemeinschaftsleben der Germanen waren Beauftragte des Volkes. Die römischen Geschichtschreiber sprechen von magistratus. Die dort ebenso genannten Principes und duces der Germanen dürften als Volksbeamte angesehen werden. Das Königtum aber wuchs aus der Sphäre des Beamtentums hinaus; der König war, auch wenn das Volk bei seiner Erhebung und an seiner Regierung Anteil hatte, kein Beauftragter des Volkes mehr (Tacitus, Germ. 25: gentes quae regnantur).

Beschreibung

Das Beamtentum (agentes, actores) der fränkischen Zeit entwickelte sich aus dem Bedarf des Königs an Gehilfen heraus und stand in einem gewissen Gegensatz zum älteren Volksbeamtentum, selbst wenn es in den monarchisch organisierten Staaten durchaus auch weiterhin noch Volksbeamte gab. Der König mit seinen Beamten übernahm zwar nicht alle Funktionen des Gemeinschaftslebens, die Volksbeamten wurden jedoch mehr und mehr eingeengt und beiseite geschoben.

Im salischen Volksrecht stand dem königlichen Beamten, dem Grafen und Sakebaro, der Thunginus oder Zentenarius als Volksbeamter gegenüber. Der Gegensatz von Königs- und Volksbeamten klingt ebenso in dem vom Sachsenspiegel hervorgehobenen Dualismus der "gekoren oder belent richtere" (Ldr. I, 55. 56) noch nach. Er lebte sogar noch weiter, nachdem das von oben her abhängige und abgestufte Beamtentum die alten Volksvertreter verdrängt hatte, im Gegensatz zu den bestellten bzw. belehnten Beamten des Staates und den Vertretern der Gemeinden (Dorf- und Markgenossenschaft).

Doch noch ein Wesenszug war charakteristisch für das ältere Beamtentum: die stark schwankende Kompetenzabgrenzung. So gab es noch keine Trennung von Verwaltung und Justiz, keine festen Dezernate auf bestimmtem Gebiet; den Mittel- und Unterbehörden waren die verschiedensten politischen Funktionen zugewiesen. Selbst jene Zentralbehörden, welche einen festeren Wirkungskreis besaßen, wurden nach dem freien Belieben des Monarchen zu den vielen Diensten verwendet.

Staatsbeamte

Die Staatsbeamten unterteilten sich je nach Umfang ihres Wirkungskreises in drei Gruppen: Zentral-, Mittel-, Unterbeamte. Schon in der älteren germanischen Zeit war dort, wo über die kleinere Hundertschaft hinaus in einer größeren Stadt ein ständiges Regiment wirkte, ein Unterschied zwischen unteren und höheren politischen Vertretern zu beobachten. Noch mehr war dies im größeren Stammesreich der Fall, und vor allem im Fränkischen Reich: neben den Beamten des Königshofes wirkten in mehrfacher Abstufung Mittelbeamte (Herzoge, Grafen) und Unterbeamte (Zentenare und dergl.).

Besoldung

Eine feste Besoldung der Beamten gab es nicht. Der Hofbeamte trat in den herrschaftlichen Hausstand ein und wurde dort versorgt, er erhielt darüber hinaus reiche Geschenke und Güter mit dauernden Einnahmen. Der Provinzialbeamte wurde dadurch entlohnt, dass er Anteil an den Einnahmen des Staates erhielt, da es noch keine Zentralisierung der Einnahmen gab. Die provinzialen Eingangsstellen waren zugleich die Ausgabestellen, und nur eventuelle Überschüsse wurden an die höheren und höchsten Instanzen- abgeführt. Im Fränkischen Reich - nachzuweisen allerdings erst in der Karolingerzeit - erhielt der Graf als wichtigster Provinzialbeamte, den dritten Teil der Bußgelder und Gerichtseinnahmen, er war aber überdies, wie auch die anderen Beamten, mit einem bestimmten Gut ausgestattet. Amtsbefugnisse und Gut verbanden sich zu einer Einheit.

Verwaltung

Trotz der schwankenden Zuständigkeiten war das Beamtentum als solches seit Beginn der Staatenbildung in Europa ein Organ des Inhabers der Staatsgewalt. Sie waren von ihm ein- und absetzbar, und waren ihm verantwortlich. Besonders im Reich Karls des Großen kam das stark zur Geltung, doch dann begann sich eine bedeutsame Wandlung zu vollziehen. Das partikulare Amt wurde zum Träger selbständig erworbener Rechte. Diese Umbildung hatte vielfach eine Anlehnung an das Lehnwesen und bewirkte eine Feudalisierung der Provinzialämter.

So unterscheiden sich in nach-karolingischer Zeit diejenigen, welche politische Befugnisse im gesellschaftlichen Leben ausübten, in zwei Gruppen: in Belehnte und in amtsmäßig Beauftragte. Des Unterschiedes von beneficium bzw. feudum und officium bzw. ministerium war man sich wohl bewußt. Seinen zentralen Beamten übertrug der König niemals amtliche Befugnisse als beneficium, auch wenn die Form der Amtsübertragung dem Lehnsformalismus nachgebildet war. Die wichtigsten Provinzialämter (Herzogtum, Grafentum) dagegen wurden feudalisiert, und nur da, wo unmittelbares Königsgut zu verwalten war, wurde die Feudalisierung vermieden und der Beamtencharakter erhalten.

Überhaupt gelangten die unteren politischen Vertreter in geringerem Maße zur Feudalisierung als die höheren Beamten. So versuchten die höheren beamten die Umbildung des ius officiale in ein ius feodale zu hindern, ja eher das ius feodale in ein ius officiale zurückzubilden. Erst im Hoch- u. Spätmittelalter sind in den deutschen Territorien die ersten Grundlagen anzutreffen, auf denen ein wirkliches Beamtentum zur Entwicklung gelangen konnte.

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Quellen

Einzelnachweise

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