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Die kleine Beckenhaube (bacinet [1], beggelhûben) bzw. Kesselhaube kam als Helmform im Hochmittelalter neben dem Topf- und Glockenhelm in Gebrauch.

Beschreibung

Die kleine Becken- bzw. Kesselhaube war leichter und bequemer und wird als Erweiterung der Hirnhaube bzw. als Verkleinerung des alten Glockenhelms betrachtet.

"Kleine Kesselhaube" nannte man allerdings auch einen spitzen Helm orientalischer Form, der eng am Kopf anliegend, wie eine Kappe getragen wurde. Dieser orientalische Helm ist jedoch nicht zu verwechseln mit der großen Kesselhaube, einer Schutzwaffe von ähnlicher Form.

Die grosse oder hochgekegelte Kesselhaube (franz. barbute) bzw. große Beckenhaube tauchte ab dem 14. Jh. im Spätmittelalter auf. Diese bedeckte auch die Wangen und den Nacken und hatte häufig ein bewegliches Visier, das sich gewöhnlich mittels eines Scharniers an der linken Seite öffnete und zuweilen gegen die Spitze der Glocke aufschlug.

Hochmittelalter

Im Hochmittelalter wurde die "Kleine Beckenhaube" über der Kettenkapuze getragen und war mit dieser sogar zuweilen unmittelbar verbunden, denn sie bildete im Grunde nur einen Ersatz der Hirnhaube und wurde auch nicht abgenommen, wenn man den Topfhelm aufsetzte, vielmehr stülpte man diesen über die Kesselhaube.

Da der übergestülpte, schwere Topfhelm die Bewegungsfreiheit des Kopfes stark behinderte, wurde er von den Rittern oft erst im letzten Moment aufgesetzt. Um trotzdem jederzeit einen gewissen Schutz des Kopfes zu besitzen, wurde die Kapuze des Kettenhemdes mit einer festen Stahlkappe verstärkt, aus der sich die Beckenhaube als eigenständige Helmform entwickelte.

13. Jahrhundert

Im Spätmittelalter (ab ca. 1250) trat mit dem Plattenpanzer die grosse oder hochgekegelte Kesselhaube bzw. Beckenhaube auf, die mit ihrem Visier das Antlitz völlig deckt, aber die Nachteile der kleinen teilte. Um die Mitte des 13. Jhs. begann man, an der Kesselhaube ein Visier zu befestigen, das bei plötzlichen Fällen der Notwehr herabgeschlagen werden konnte, falls der grosse Topfhelm nicht zur Hand war. Die kleine Kesselhaube dieser Form fand sehr viel Beifall, denn sie erlaubte es, sich in jedem Augenblicke durch Aufschlagen des Visiers Luft und freie Umsicht zu gestatten und sicherte den Krieger gleichzeitig ausweichend gegen Schläge, die nach Hals und Gesicht geführt wurden.

Ihr grösster Nachteil war jedoch, dass das herniedergelassene Visier als rüsselartiger Vorsprung den feindlichen Schlag leichter auffing als die Ovale und Flächen, und somit, wenn auch keine Verwundungen, so doch heftige Hirnerschütterungen zuliess. Darum kam mit und neben ihr auch der einfache Eisenhut auf.

Am Ende des 13. Jhs. trug der Ritter eine niedrige Beckenhaube (bacinet) unter dem Topfhelm, die sog. kleine Kesselhaube. Daran wurde Haube außerdem die Halsbrünne befestigt, die bis auf die Schultern herabhing. Zuweilen erschien der Ritter entweder nur mit Helmbrünne oder mit der kleinen Kesselhaube, am häufigsten jedoch trug er die beiden Schutzbedeckungen zusammen unter dem Topfhelm.

14. Jahrhundert

Zu Beginn des 14. Jhs. wurde der Topfhelm im Gefecht seltener und man ging nach anderthalb Jahrhunderten wieder zum alten Nasalhelm zurück, den man mm nach den waltenden Verhältnissen und den gewonnenen Erfahrungen allmählich zur Beckenhaube umformte. Dieser Helm wurde in seinem Umfang größer gestaltet, so dass er nun nicht mehr auf der Stirn aufsaß, sondern tiefer in den Nacken reichte; an der Vorderseite wurde die Glocke ausgeschnitten, so dass das Gesicht bis an die Stirn frei war; ebenso war dieselbe auch im Nacken leicht ausgeschnitten (Bild).

An den Seitenrändern wurde die Halsbrünne mittels einer durch Kloben gezogenen Drahtschnur befestigt Diese Halsbrünne bestand aus einem Geflecht aus genieteten Eisenringen, dem sogenannten Panzer- oder Musszeug, und fiel vorn und hinten über den Hals herab. Vorn war sie nur soweit ausgeschnitten, dass das Gesicht bis zum Kinn frei blieb.

Am Punkt des Kinnes setzte sich das Nasenband (breteche) fort, an das sich ein zur Nasenform getriebenes Blechstück reihte. Das Nasenband wurde im Gefecht hinaufgeschlagen und an der Stirn an einem Kloben befestigt; er deckte das Gesicht mit Ausnahme der Augen (Bild). Diese Nasenbänder, vorwiegend in Deutschland, doch auch da nicht allgemein üblich, erscheinen um 1330 und verschwinden um 1370.

Mit dem frühen 14. Jh. tauchte zudem ein beweglicher Gesichtsschutz, das Visier, auf; dieses wurde vorerst mit einem Scharnier am Stirnteil der Beckenhaube befestigt und konnte nach oben hochgeklappt werden. In der zweiten Jahrhunderthälfte wurde der so entstandene Visierhelm als Form des adeligen Kopfschutzes allgemein üblich und konnte zuletzt um 1400 überall an den Beckenhauben getroffen werden. Vom spitz getriebenen Visier, einer Hundeschnautze ähnlich, und der gotischen Stoffkapuze, der Gugel, leitet sich der Name Hundsgugel ab. [2]

15. Jahrhundert

Mit der Beckenhaube erschien bereits um 1350 eine Deckung der unteren Gesichtshälfte durch ein Kinnreff, das zuweilen steif, oft aber aufschlächtig war. Bildete diese Deckung keinen Bestandteil des Helmes, so dass sie an der Brust mittels Riemen oder Vorsteckkloben haftete, dann bezeichnete man sie als Bart (baviere).

Gegen das Ende des 14. Jhs. wurde die Beckenhaube allmählich oben flacher und näherte sich mehr der Kugelform. Der Nackenteil wurde ausgeschweift und von 1420 etwa an bildet sich ein leichter Grat über den Scheitel, damit entstand eine ganz neue Helmform, die Schallern, welche bis ans Ende des Jahrhunderts unter Rittern und Söldnern sich einer großen Beliebtheit erfreute.

Weiterentwicklungen

Große Beckenhaube

Die große Beckenhaube oder hochgekegelte Kesselhaube (grand bacinet, franz. barbute) erschien in der 2. Hälfte des 13. Jhs. Sie schützte die Wangen und den Nacken. Von eiförmiger zugespitzter Form hat sie anfangs weder Visier noch Nasenberge, dagegen war sie üblicherweise mit Ringnägeln zum Anheften des Maschenwerkes versehen, welches die Stelle des Visiers und des Nackenschutzes vertrat. Später war sie häufig mit einem beweglichen Visier versehen, das sich durch ein Scharnier an der linken Seite öffnen ließ und deren Glocke zuweilen oben spitz zulief.

Ritter mit dieser großen Kesselhaube bewaffnet finden sich bereits in einer böhmischen Handschrift aus dem 13. Jh. Gegen das Ende des 14. Jhs. erscheint eine ähnliche Helmform mit hundsschnauzenförmigem Visier; das Scheitelstück ist der Beckenhaube nachgebildet, nur setzt sich daran ein steifer Bart und ein Nackenstück derart fort, dass der Helm auf den Schultern aufsitzt.

Diese Verlängerungen nach unten auf Brust und Rücken stellen einen Ersatz der Halsbrünne dar. Die Form ist italienisch und wurde in Frankreich irrtümlich Aquilea genannt. Die Helme von Aquilea fanden allerdings bereits am Schluss des 13. Jhs. ihr Ende. Nicht weniger irrt man, wenn man sie schlechtweg Bacinets benennt; am treffendsten bezeichnet man sie als "Große Beckenhaube: Grand Bacinet". Der Gebrauch der großen Kesselhaube hörte mit Anfang des 15. Jhs. auf, als um diese Zeit der Schaller auftauchte.

Hundekappe

Es wird ferner angenommen, ist aber nicht erwiesen, dass die im Althochdeutschen vorkommende Beggelhübe (Beckenhaube) mit der späteren Pickelhaube übereinstimmend war, ebenso wie die als Hundekappen im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) bezeichneten Kopfbedeckungen, die aber vielleicht zu den Eisenhüten gehörten. [3]

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Bacinet, abgeleitet vom keltischen bac (?), bateau, Lateinisch bacinatum
  2. Explore Europe's cultural collections: Hundsgugel (Inv.-Nr. HJRK_A_24)
  3. Demmin, Kriegswaffen. aaO. S. 497.

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