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Außer den Baumfrüchten sind auch die eßbaren Beerenarten von jeher von den Menschen gesammelt und als erfrischende Zukost genossen worden. In den steinzeitlichen Pfahlbauten der Schweiz fanden sich neben den Resten des Kern- und Steinobstes auch die Kerne der verschiedensten Beerenfrüchte zum Teil in reichlichen Mengen (s. Obstbau); so besonders häufig die Brombeere (Rubus fruticosus und caesius L.), Himbeere (Rubus idaeus L.), Erdbeere (Fragaria vesca) und die Beeren des Holunders (Sambucus nigra L.), vereinzelt auch die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus L.) und Preißelbeere (V. vitis idaea L.).

Beschreibung

Die Kerne von Beerenarten kommen unverkohlt recht häufig vor. Die im Rohzustand kaum genießbaren Holunderbeeren wurden vielleicht gekocht. Recht häufig kommen ferner die Früchte des Attichs oder Zwergholunders (Sambucus ebulus L.) und in mehreren Pfahlbauten die des wolligen Schneeballs (Viburnum lantana L.) vor. Ob die letztern auch gegessen wurden, ist unsicher. Die Beeren des Attichs (ebenfalls unverkohlt) wurden vielleicht zum Blaufärben der Stoffe gebraucht, da sie einen blauen Farbstoff enthalten, oder sie fanden wegen ihrer schweißtreibenden Eigenschaft offizineile Verwendung; zum Essen werden sie bei ihrem "widerwärtigen Geruch und unangenehmen säuerlichen und bittersüßen Geschmack" kaum gedient haben.

Die Stachelbeere (Ribes grossularia L.) scheint in der Urzeit wenig beachtet worden zu sein; in prähistorischen Siedlungen wurde sie nicht gefunden. Doch war sie im Frühmittelalter bekannt; da sie einen alten westgermanischen Namen hat: ags. þefanþorn, þifeþorn, ahd.: depandorn [1] [2]. Dagegen fehlt für die rote und schwarze Johannisbeere (Ribes rubrum und nigrum L.), die heute überall in den Gärten gezogen werden, in der alten Zeit merkwürdigerweise jegliches sprachliche und archäologische Zeugnis. Ihre heutigen Benennungen in den germanischen Sprachen sind durchweg jung.

Von einem Kulturanbau der einheimischen Beerensträucher ist aus dem Mittelalter in Nordeuropa nichts bekannt. Es scheint, dass damit erst etwa vom 16. Jhd. ab der Anfang gemacht wurde. Manche viel genossenen Beerenarten, wie Brombeeren, Heidelbeeren und Preißelbeeren, haben sich der Kultur ja bis heute entzogen. Die einzigen schon im Frühmittelalter in Mittel- und Westeuropa vielerwärts gebauten Beerenfrüchte sind zwei südländische, von den Römern eingeführte: die Weintraube und die Maulbeere. Um 500 n. Chr. erwähnt der griechische Arzt Anthimus in seinem Werk "De observatione ciborum" von den Beerensorten: Weintrauben, Maulbeeren und Brombeeren aus dem Garten oder Wald als "sehr bekömmlich für Gesunde und Kranke, wenn sie ausgereift sind an ihrem Baum oder ihrer Staude." [3]

Etymologisches

Übereinstimmend mit den archäologischen Zeugnissen lehrt die Sprachgeschichte, dass die indogermanischen Völker früh den Beeren des Waldes ein lebhaftes Interesse zuwandten. Für den Begriff Beere im allgemeinen liegen zwei Wortreihen vor, die eine aus dem lat. uva (aus idg. *oug-a) 'Weinbeere', lit. uga, akslaw. jagoda 'Beere'; die andere aus dem got. basi n. (in weina-basi), anord. ber n., dän. beer, schw. bär, ags. berige f., ne. berry, as. beri n., ndl. bes und bezie, ahd. beri n., nhd. beere f. (urgerm. *básja-, *bazjá-).

Auch für die Brombeere (Rubus fruticosus L.) gibt es zwei alte Namenreihen, eine lat. morum 'Brombeere', dann auf die 'Maulbeere' übertragen, ir. merenn, kymr. mer-wydden 'Maulbeere', armen. mor, mori [4]; die andere gemeingerm. dän. brambaer, brombeer, schwedisch. brombär, ags. braemelberian (pl.), ne. bramble-berry, mnd. bramber, ndl. braambezie, ahd. bramberi, nhd. brombeere.

Gemeingermanisch sind ferner die Namen der Himbeere (Rubus idaeus L.): dän. hindbaer, ags. hindberige, as. hindberi, ahd. hintberi, nhd. himbeere. Die Erdbeere (Fragaria vesca L.) ist dän. jordbaer, schw. jordbär, ags. eorþberge, ndl. aardbezie, ahd. erdberi, nhd. erdbeere. Es sind durchweg Namen von Beeren, die auch archäologisch in menschlichen Siedlungen der Vorzeit nachgewiesen sind.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Althochdeutscher Sprachschatz (Internet Archive). Eberhard Gottlieb Graff. Berlin, 1834-42. Teil 5., S. 227
  2. Altdeutsches Wörterbuch: Gothisch, Altsächsisch Alt- und Mittelhochdeutsch (Google Books). Oskar Schade. Buchhandlung des Waisenhauses, 1866. Band I, S. 99 b
  3. Epistula Anthimi ad Theodoricum regem (Fol. 72r-74v) im Lorscher Arzneibuch (Digitalisat mit deutscher Übersetzung der Staatsbibliothek Bamberg; Kaiser-Heinrich-Bibliothek)
  4. Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde (Internet Archive). Otto Schrader. K. J. Trübner Verlag. Straßburg, 1901. S. 64, 533

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