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Hose

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In der Frühzeit der Menschheitsgeschichte bestand die Kleidung aus Tierfellen und war nicht geschlechtsspezifisch. Zeit und Ort der „Erfindung“ der Hose ist unbekannt. Erst im ausgehenden Mittelalter Europas wurde die Hose zum Statussymbol für den Mann.

Beschreibung

Mit dem Namen Hose bezeichnen wir heute ein Kleidungsstück zur Bedeckung der Beine mit Einschluss des Unterleibs, sei es nun kurz oder lang. Diese Bedeutung kam dem Wort ursprünglich jedoch nicht zu. Die ahd. und anord. hosa bedeutete so viel wie Strumpf oder Gamasche, auch Schote oder Hülse. Ursprünglich war es also die Bezeichnung eines Unterschenkelschutzes.

Geschichte

Bereits im 1. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung wurden Hosen von Reitervölkern wie den Skythen, Sarmaten und Dakern getragen. Die ältesten germanischen Hosen fanden sich in Eichenbaumsärgen der Bronzezeit (um 1000 v. Chr.) an der westlichen Ostseeküste in Form von Stoffstücken, die mittels Riemen um den Unterschenkel gewickelt wurden. Die Binden selbst waren entweder aus Wolle oder aus Tierfellen.

Römer- u. Eisenzeit

Um 750 v. Chr. (ältere Eisenzeit / Hallstattzeit) übernahmen die Germanen von anderen Völkern die knöchellange Hose, möglicherweise von den Kelten. Seit dieser Zeit sind Hosen bei den Germanen belegt. Die sehr weiten Hosen wurden dabei in der Taille durch einen Gürtel gehalten. Römer und Griechen lehnten in der Antike die germanischen und gallischen Beinkleider als unzivilisiert und barbarisch ab.

Der römische Dichter Marcus Annaeus Lucanus bezeichnete im 1. Jh. n. Chr. die sarmatische lange Hose, die der rheingermanische Stamm der Vangionen nachahmte, mit dem Ausdruck lat. (laxae) bracae. Diese lange Hose, diee zugleich Unter- und Oberschenkel bedeckte, ist bei Germanen mit am frühesten bezeugt in den Reliefs des Tropaeum Traiani-Monumentes von Adamclisi in der Dobrudscha (Rumänien). [1] Hier wie auf der Trajans- und Marcus Aureliussäule in Rom sind Germanen in langen, mehr oder weniger anliegenden Hosen, die von Hüfte bis Knöchel reichen, dargestellt. Einzelne Figuren bezeugen durch den eigentümlichen Haarschopf ihre Zugehörigkeit zum Suebenbund.

Eine Hypothese führt das Auftreten der langen Hose auf südosteuropäische Einflüsse zurück und in der Tat handelt es sich bei den Reliefs der obengenannten Monumente um Germanenstämme, welche wie die Bastarner und Markomannen nachbarliche Beziehungen zu den Langhosen-tragenden nichtgermanischen Stämmen hatten. Dagegen sprechen auch nicht die Funde langer Hosen bei den Moorleichen Norddeutschlands, die der Zeit von 200-400 n. Chr. angehören dürften. Besonders im Thorsberger Moorfund (um 300 n. Chr.) sind neben den langen Hosen auch Gegenstände gehoben worden, die auf südosteuropäische Stileinflüsse hindeuten. Doch wurde die lange Beinbekleidung nicht einfach von den osteuropäischen Völkern übernommen, sondern in der Form, wie sie auch von den Römern nach Annahme der Hose getragen wurde. [2]

Mann von Damendorf Hose, by Bullenwächter 2011-10-14.jpg

Hose der Moorleiche von Damendorf (Schleswig-Holstein, 2. Jh.)

Vor dem Aufkommen der Hosen blieb das Bein zwischen Knie und Knöchel entweder ganz unbedeckt oder wurde teilweise mit Stoffstreifen umwickelt. Dazu trug Mann Knöchelstrümpfe und Kniebeinkleider als Oberteil. Die Stoffstreifen wurden später durch die Hosen abgelöst, doch trug man gewickelte Stoffstreifen auch noch längere Zeit parallel zu Hosen.

So wurden Beinwickel z.B. aus der Römischen Eisenzeit an einer Moorleiche, dem "Mann von Rendswühren" (Kr. Segeberg, Schleswig-Holstein) bezeugt. Diese Unterschenkelbekleidung war als Wadenwickel bis in die fränkische Zeit und später noch sehr gebräuchlich. Aber bereits in römischer Zeit wandelte sich die Beinbekleidung und aus den Lappen und Binden der entstand eine strumpfartige Gamasche oder Lederstiefel. Diese Gamaschen wurden übergestreift und wie Strümpfe als ags. strapulas bezeichnet.

Völkerwanderungszeit

Über die Beinbekleidung der Männer während der Völkerwanderungszeit in Mittel- u. Nordeuropa unterrichten mehrere besonders reiche Moorfunde, aus denen man sehen kann, wie ein Krieger damals gekleidet und von Kopf bis Fuß ausgerüstet war. Diese Funde zeigten u.a., dass Mann außer Hosen nun auch Strümpfe an Stelle der früheren Stoffstreifen um den Fuß trug. Beinkleider, die bis zu den Knöcheln reichten, waren bereits seit der mitteleuropäischen Eisenzeit üblich.

Wadenwickel Leg Wrap.jpg

Wadenwickel

Die Fußbekleidung selbst bestand aus Knöchelstrümpfen aus festen Stoff, der in manchen Fällen an die Beinkleider festgenäht war, so dass diese und die Strümpfe ein zusammenhängendes Ganzes bildeten.

Bei der Frauenkleidung zur Völkerwanderungszeit ist nicht eindeutig geklärt, wie sich die verschiedenen Beinbekleidungen zueinander verhielten. Eine Theorie hält die kurze Kniehose für die germanische Frauenkleidung der Völkerwanderungszeit, während die lange Hose aus Südosteuropa importiert wurde und eigentlich immer fremd in Deutschland blieb.

Vielleicht war die Bruche in Verbindung mit der als Hose bezeichneten Unterschenkelbekleidung nur bei einzelnen Stämmen, wie z.B. besonders den Franken, eine Tracht. Denn diese hatten den engsten Kontakt mit den Galliern, in deren Sprache sowohl bráca oder bruch als auch hosa heimisch sind. Diese Beinbekleidung hat sich in der Volkstracht bis heute in großen Gebieten Deutschlands erhalten, besonders im Gebirgsland, wo sie zugleich die zweckmäßigste ist. Eine andere Entwicklung ist die Verlängerung der zu Strümpfen ausgebildeten einzelnen Hosen bis an den Gürtel. Darunter wurde die Bruche beibehalten, bis man erst gegen Ende des 15. Jhds. diese Beinstrümpfe miteinander zu einem einzigen Kleidungsstück vereinigte.

Frühmittelalter

Die Beinkleider des Frühmittelalters bestanden üblicherweise aus Leinen, konnten aber auch ganz fehlen. Eine gemeinsame Bezeichnung für Hemd und Unterbeinkleider zusammen war "Leinenkleider", die man normalerweise nächtens trug. Sehr selten trug der Mann ein weißes, teils längeres, teils kürzeres Unterkleid.

Die Bezeichnung der vollen Beinbekleidung durch den Namen der "Hose", wie sie jetzt üblich ist, wurde in fränkischer Zeit und vielleicht auch schon früher durch die Kenntnis der südöstlichen langen Hose (osa partica) gefördert, welche der langobardische König Adebald (616-26) zuerst getragen haben soll.

Für das 8.-9. Jh. wird eine Tracht aus einer enganliegenden Jacke und Kniehose bezeugt durch eine seltene Zeichnung eines Münchener Evangelienbuches [3], wo König Herodes mit einem anliegenden Gewand bekleidet ist, das vom Hals bis zum Knie reicht und die Oberschenkel hosenartig umschließt.

Im 9. Jh. kamen die Gamaschenhosen auf, die bis ins 11. Jh. getragen wurden. Sie bestanden ursprünglich aus einem breiten Stoffstück, die das Bein zwischen Knie und Knöchel bedeckten und den "Tibialia" der Römer entsprachen. Die Gamaschenhosen wurden mit Hilfe eines Hosenbandes festgehalten, das mehrere Male von außen um die Hose gewickelt wurde. Auch kommt nun die Mode der Farbenteilung an ein und demselben Kleidungsstück auf, zuerst am Beinkleid. So sieht man z.B. im Stuttgarter Psalter aus dem 9. Jh. das rechte Bein eines Königsbildes vorn rot, hinten grün, das linke Bein umgekehrt gefärbt.

Bis ins 10. Jh. wurden in Europa sowohl lange Hosen (u.a. von Franken) als auch die Brouche und Beinlinge (z. B. von Angelsachsen) getragen. Außerdem war die Kniehose als Beinbekleidung gerade bei den westlichen Germanenstämmen, besonders den Franken, sehr beliebt, während in Nordeuropa und auch im Osten an der Donau die Langhose vorherrschte. Doch auch die die strumpfartigen Gamaschen finden sich als Unterschenkelkleidung in den Miniaturen bis zum 10. Jh. unzählige Male abgebildet. Vom 10. Jh. an verschwinden die Beinwickel und es treten an ihre Stelle Halbstiefel und Schuhe.

Hochmittelalter

Im Hochmittelalter waren die Beinkleider (als → Brouche) meistens Kniebrouche oder Kurzbrouche, aber schon früh die Langbrouche, von der es verschiedene Arten gab, wie z.B. Knöchelbrouche, die bis zu den Knöcheln gingen, Strumpfbrouche, bei denen Strümpfe und Brouche (als Hose) eins waren und die Stegbrouche, bei denen die Hosenbeine unten nur mit Stegen versehen waren, die unter die Fußsohlen gingen. Die Beinkleider wurden durch einen Hosengürtel festgehalten, an dem zuweilen eine lose Tasche befestigt war.

Während es im 10. und in der ersten Hälfte des 11. Jhds. Mode war, mit strammsitzenden Hosen zu gehen, wurden in der letzten Hälfte des 11. Jhds. am Hofe in Norwegen sog. Staatshosen (drambhosur) eingeführt, die sehr weit waren, aber durch eine Schnur in Lagen oder Falten über dem Bein zusammengezogen wurden, wobei einige noch Goldringe um die Bein über die Hosen spannten.

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Kämpfer mit Haubert und Lendenhosen (Teppich von Bayeux)

Als zur Rüstung gehörig werden Brünnenhosen (brynhosur) erwähnt, die oft von zusammengeketteten Eisenringen waren, zuweilen aber auch aus Leder. Wenn die Hosen aus Fries oder anderem Wollstoff waren, waren sie blau, braun, braunrot und rot.

Im Anfang des 11. Jhds. trugen fürstliche Personen in Norwegen schneeweiße Hosen, aber aus welchem Stoff sie waren, ist nicht ersichtlich. Als Weiterentwicklung der Gamaschenhosen lösten ab dieser Zeit die Strumpfhosen ihren Vorgänger ab. Das waren lange Strümpfe, die den ganzen Fuß bis zum Knie deckten und manchmal auch bis zur Mitte des Schenkels oder noch höher hinauf reichen konnten.

Anfang des 11. Jhds. waren die Strumpfhosen noch ziemlich selten, während sie am Ende desselben Jhds. allgemein verbreitet waren und danach im ganzen 12. und 13. Jhd. getragen wurden. Eine eigene Art waren die Stiefelhosen, die Anfang des 11. Jhds. in Gebrauch kamen. Unter den Stiefelhosen oder Lederhosen wurden Strümpfe oder Strumpfhosen getragen. Um die Mitte des 13. Jhds. war es in Norwegen Mode, Hosen aus braunem Tuch oder aus schwarzem Fell zu tragen. Die Panzerhosen waren aus weicher, geschwärzter Leinwand.

Spätmittelalter

Im 14. Jh. wurde das Obergewand kürzer, bedeckte oft gerade noch das Gesäß, und machte so Unterhose und Strümpfe sichtbar.

Mitte des 15. Jhs. kam die Strumpfhose auf, die nun zur Oberhose wurde. Aus dem Hosenlatz entwickelte sich gegen Ende des 15. Jhs. die Schamkapsel. Erst gegen Ende des 15. Jh. verband man beide Beinstrümpfe oben durch Zwickel miteinander. Daher rührt auch die noch nicht vergessene Bezeichnung ein "Paar Hosen".

Renaissance

Erst im 16. Jh. erfolgte im Allgemeinen die Trennung der Fußbekleidung von den Beinstrümpfen bzw. Strumpfhosen. Um 1550 kam am spanischen Hof eine kurze Hose in Mode, deren Beine mit Kleie oder Rosshaar kugelförmig ausgestopft wurden, die so genannte Heerpauke. Sie wurde an das Wams angenestelt. Bis ins 17. Jh. hinein war sie die europäische Hofkleidung für Männer. Der einfache Mann trug einfache knielange Hosen aus Wollstoff. In Deutschland trugen die Bürger in der zweiten Hälfte des 16. Jhs. eine Pump- oder Pluderhose, die von den Landsknechten übernommen worden war.

Arten der Beinbekleidung

Frauenhosen

Aus der Antike finden sich Belege für hosentragende Frauen in römischen Berichten und Darstellungen der Kelten und Germanen:

"Auch die Weiber haben keine andere Tracht, als die Männer, außer dass die Weiber sich öfter in leinene Gewänder hüllen, welche man durch Hochrot bunt macht..." (Tacitus, 17 [4])

Auch aus dem Frühmittelalter in Nordeuropa ist überliefert, dass Frauen Hosen zumindest als Unterbeinkleider trugen, die sich nur darin von denen des Mannes unterschieden, dass sie kürzer und ohne Hinterstück waren. Zudem war es ein rechtsgültiger Scheidungsgrund für den Mann, wenn seine Frau Beinkleider mit Hinterstück trug. [5] Später im Hochmittelalter wurde das Tragen von Hosen für europäische Frauen jahrhundertelang tabu.

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Quellen

Wikipedia
Dieses Dokument basiert in seiner ersten oder einer späteren Version auf dem Artikel „Hose“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 4. Jul. 2012‎ und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Weitere Quellen

Einzelnachweise

  1. Furtwängler hielt das Monument im Gegensatz zu Tocilesco nicht für ein trajanisches Bauwerk, sondern für ein Siegesdenkmal des Crassus nach seinen Kämpfen gegen den german. Stamm der Bastarner und andere nichtgermanische Völker in den Jahren 29-28 v. Chr.
  2. Kostümgeschichte der Kulturvölker (Digitalisat). Jacob von Falke. Stuttgart : Spemann, 1880. Online-Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, 2012.
  3. v. Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften von dem frühen Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts (1879), Taf. 12, E
  4. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.
  5. Hoops, RdgA. aaO. Bd. IV, S. 354 (Art. Trachten, § 30).

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