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Als Beizjagd, auch Beize, bezeichnet man das Abrichten, die Pflege und das Jagen mit Hilfe eines Greifvogels. Die bekannteste Art dieser Jagd mit Beizvögeln ist wohl die Falkenbeize. Dabei ritt der Jäger in Begleitung des habuh-hunt (Beizvogels), der das Wild aufscheuchen mußte, auf die Beize. [1]

Beschreibung

Federwild (und kleinere Haartiere) mit abgerichteten Stoßvögeln zu erlegen ist eine Jagdweise, deren rein materieller Ertrag stets eher gering war. Sie fiel wirtschaftlich so wenig ins Gewicht, daß sie in den waldreichen, für diese Jagd an und für sich nicht besonders geeigneten Gebieten Europas vorwiegend aus sportlichem Interesse betrieben wurde. Das Beherrschen dieser Jagdtechnik setzt eine hochentwickelte Weidmannskunst voraus. Die Beize wurde besonders im Herbst und Winter (vor allem im Oktober) veranstaltet.

Frühe Art der Vogeljagd

Im klassischen Altertum bedienten sich Griechen und Römer einer eigentümlichen Art der Vogeljagd, die laut Aristoteles auch in einer Gegend Thrakiens üblich war (s.u.). Aus einem Bericht bei Oppian von Apamea (200 n. Chr.) geht hervor, dass jene Jagdtechnik auf der Erfahrung beruhte, daß kleinere Vögel, durch das plötzliche Erscheinen von Habichten und Falken erschreckt, wie betäubt zur Erde niedersinken oder festgebannt auf dem Zweige sitzenbleiben, so daß man sich ihrer leicht bemächtigen kann. Die Raubvögel wirkten also entweder, für sich selbst jagend, vollkommen zufällig mit dem Menschen zusammen (laut Aristoteles) oder in seinem Dienste: dann aber lediglich unter einen Busch gelegt (laut Oppian), d.h. an einen Busch oder Baum gefesselt.

Jagdlust des Adels

Wenn die historischen Quellen der Jagdlust der fränkischen und deutschen Könige gedenken, heben sie auch fast regelmäßig ihre Vorliebe für die Beize hervor. Diese Jagdmethode mit gezähmten Raubvögeln, Falken insbesondere, war eine besondere Passion des Adels, und vor allem die vornehme Jugend pflegte sie mit Leidenschaft; ebenso, wie es scheint, die Geistlichen trotz Verbotes - so dokumentiert über Bischof Thietmar von Merseburg (975-1018) in seiner Chronik [2]. Besonderen Reiz erhielt der Sport durch die Teilnahme der Frauen, die schon für frühe Zeit feststeht: in einem reich ausgestatteten, der merowingischen Periode angehörenden Frauengrabe in Rheinhessen fand sich das Gerippe eines Sperbers, der als Beizvogel bekannt war.

Stundenbuch des Herzogs von Berry

Im Stundenbuch Herzog von Berry von 1416 (siehe Abbildung) zeigt das Kalenderblatt für den Monat August den Beginn einer Beizjagd auf Feder- oder Haarwild. Ein Falkner mit zwei Greifen auf der linken Faust, deren Köpfe mit kleinen Hauben bedeckt sind, zieht mit der rechten eine lange Stange nach, die dazu diente, das Wild aus den Büschen zu scheuchen. Auf der behandschuhten Faust des Reiters hinter dem Falkner sitzt ein weiterer Falke. Die Reiter werden von kleinen Hunden begleitet, deren Aufgabe hier das „Vorstehen“ (Anzeigen) des Wildes ist, worauf den Falken die Hauben abgenommen und sie zum Steigen geworfen werden, womit die eigentliche Jagd beginnt. [3]

Geschichte

Bei den osteuropäischen und asiatischen Völkern wurde die Beizjagd bereits seit den frühsten Zeiten betrieben. Sie entstand vermutlich vor etwa 3.500 Jahren in Zentralasien. Mit der Zeit wurde diese Jagdtechnik an die slavischen und griechischen Völker weiter vermittelt. Im 4. Jahrhundert v. Chr. erwähnte Aristoteles (384-322) bereits die Vogeljagd bei den Thrakern und Indern. Caesar (100 bis 44 v. Chr.) äußerte sich recht ausführlich über die Jagd bei den Germanen. Um 79 n. Chr. beschreibt Plinius in seiner Naturalis Historia die Beizjagd bei den Thrakern, während Römer diese offenbar noch nicht ausübten. Sie fingen noch Vögel mit Wurfhölzern, Schlagnetzen oder Leimruten.

Völkerwanderungszeit

Im Zeitraum von ungefähr 100 bis 500 n. Chr. gelangte das Wissen über die Beizjagd zu den Germanen. Ob diese nun die neue Kunst eigenständig erfunden oder lediglich von anderen Völkern übernahmen - nach einer Theorie im Zuge der östlichen Ausdehnung der Goten durch die Sarmaten [4] - ist dabei eine alte Streitfrage. Die Germanen vermittelten ihre Kenntnis jedenfalls den Kelten weiter.

Aus dem Ende des 4. Jhd. berichtet der weströmische Aristokrat und Autor Paulinus von Pella (376-459 n.Chr.) in seiner Autobiographie Eucharisticos Deo sub ephemeridis meae textu: Ihm sei in seiner Jugend, die er in Bordeaux verlebte, neben einem schönen Pferde mit herrlichem Brustschmuck, einem schlanken Reitknecht und schnellen Hunden auch ein speciosus accipiter ("herrlicher Habicht / Falke"), womit nur ein Beizvogel gemeint sein kann, als begehrenswerter Besitz erschienen.

Ecdicius, der Sohn des römischen Kaisers Avitus aus dem keltischen Stamm der Arverner führte die Falkenbeize im 5. Jahrhundert dann in Rom ein. 506 wurde die Beizjagd auf der Synode zu Agde in Gallien allerdings schon wieder verboten. Dort wurde verordnet, daß Geistliche weder Jaghunde noch Falken halten sollten. Im Verlauf der Völkerwanderungszeit brachten die Vandalen die Beizjagd nach Spanien und machten die Völker der westlichen Mittelmeerküste Nordafrikas damit bekannt.

Frühmittelalter

Für das 6. Jahrhundert ist in Quedlinburg ein weiblicher ausgewachsener Habicht als Grabbeigabe gefunden worden. Dies wird als Zeugnis der Ausübung der Beizjagd bei den Germanen angesehen. Sie erfreute sich bei den germanischen Stämmen bald großer Beliebtheit und ist durch germanische Stammesrechte der Franken in der Lex Salica (507-511) mit Bußbestimmungen für den Diebstahl von Beizvögeln und der Lex Ribuaria (613-625), der Langobarden im Edictum Rothari (643), der Bayern im Lex Baiuvariorum und der Burgunden in der Lex Burgundionum bezeugt. Die Beliebtheit der Beizjagd ließ in Europa seit Karolingerzeit allerdings stark nach.

Hochmittelalter

Im Hochmittelalter erlebte die Beizjagd im Rahmen neuer östlicher Kontakte infolge der Kreuzzüge eine neue Blütezeit und entwickelte sich dabei zu einem Privileg und Statussymbol des Adels.

Die Techniken wurden durch Erfahrungsaustausch mit arabischen Falknern erheblich verfeinert. Kaiser Friedrich II., der in Sizilien leichten Zugang zum arabischen Fachwissen auf diesem Gebiet besaß, führte zum Beispiel die Falkenhaube ein, die bis dahin in Europa noch unbekannt war. Sein Buch "De arte venandi cum avibus" (wörtl. "Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen", veröffentlicht unter "Über die Kunst zu beizen") war der erste Traktat dieser Art in der europäischen Literatur. Für Friedrich II. war die Beizjagd aufgrund der dafür benötigten Kombination aus Willensstärke und Fürsorge eine ideale Vorübung für die Menschenführung. Der ideale Falkner war für ihn der ideale Herrscher. Seine Erkenntnisse konnte Friedrich II. nicht nur auf arabische Quellen, sondern auch auf jahrelange eigene Beobachtung der in seinem Buch behandelten Tiere stützen.

Quellen

Wikipedia
Dieses Dokument basiert in seiner ersten oder einer späteren Version auf dem Artikel „Beizjagd“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 10. Aug. 2012‎ und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


  • Allgemeine Encyklopädie der gesamten Forst- und Jagdwissenschaften. Von Raoul von Dombrowski. Ab 1886.
  • Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde. Schrader. Straßburg 1901. S. 210 ff.

Einzelnachweise

  1. Lex Baiuvariorum. C. 20, 6 (Monumenta Germaniae historica, Abteilung Leges. Fol. 3, 330)
  2. Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon. Hrsg. von Robert Holtzmann. Berlin 1935. (Monumenta Germaniae Historica. Abteilung Scriptores. 3, 834
  3. Wikipedia: Très Riches Heures: August
  4. Mythologisches. Falkenjagd. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 6, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 10.

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