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Belgen bzw. Belger (lat. Belgae) ist der Name einer großen Gruppe keltischer Stämme, die den ganzen Nordwesten Galliens bis zum Rhein hin einnahm. Innerhalb des Gebietes der Belgen wurde ein engerer Bereich, die Bellovaci und ihre Nachbarn umfassend, als Belgium bezeichnet.

Herkunft

Caesars Angabe (BG. I, I), dass sich Belgen und Gallier auch durch die Sprache unterschieden hätten, wird von Strabo (176) auf das richtige Maß zurückgeführt. Sie sprachen damals einen höchstens unwesentlich vom übrigen Gallischen abweichenden Dialekt, der sich durch ihre Eroberungen im südlichen Britannien, wo viele belgische Stammnamen wiederkehren, auch dahin verpflanzt hatte.

Die Belgen standen auf einer altertümlicheren kulturgeschichtlichen Stufe als die südlicheren Gallier und sind daher den Germanen ähnlicher als diese. Doch kommt für einen Teil von ihnen tatsächlich auch eine germanische Abstammung in Frage. Caesar berichtete (BG. 2, 4) auf Grund von Mitteilungen des südbelgischen Stammes der Remi: "Viele Belgen stammten aus Germanien. Sie waren in den alten Zeiten über den Rhein gewandert, wegen der Fruchtbarkeit Galliens, und vertrieben jene, die diese Regionen bewohnten." Dies wird von vielen auf eine rein örtliche Herkunft der Belgen aus Germanien gedeutet.

Auch Tacitus, der von der germanischen Abstammung der Nervier und Treverer (Germ. 28) als gloria sanguinis (Ruhm des Blutes) redet, dachte an eine Herkunft aus germanischen Geblüt. Rasche Keltisierung der in keltisches Land eingedrungenen germanischen Vorposten läßt sich auch sonst beobachten; daher ist es für ihren Ursprung nicht entscheidend, wenn die Belgen der historischen Zeit schon Kelten waren oder nicht.

Die Rhein-Germanen (Kontinentalgermanen b.) werden bei Caesar von den Belgen auseinandergehalten, könnten aber auch sonst nicht allein zu einer Aussage über die meisten Belgen Anlaß gegeben haben. Auch kommt das Zeugnis anderer Quellen über Nervier und Treverer in Betracht.

Beschreibung

Die Belgen bildeten ein Drittel der gallischen Bevölkerung zwischen Seine und Marne (Grenzen gegen die eigentlichen Kelten), Ardennen, Niederrhein und Nordsee. Sie galten als sehr kriegerisch (300,000 Bewaffnete) und gliederten sich in mindestens 15 Stämme und Völkerschaften, die sich nur in Kriegszeiten ein gemeinsames Oberhaupt wählten. Als die bedeutendsten belgischen Völkerschaften werden genannt:

  • die Bellovaken (Bellovaci) mit einer Kriegsmacht von 100,000 Mann, um Caesaromagus (Beauvais);
  • die Nervier mit 50,000 Kriegern, an der Sambre;
  • die germanischen Aduatuker mit 50,000 Kriegern, um Tongern;
  • die Remer (Remi), um Durocortorum (Reims);
  • die Suessionen, um das heutige Soissons, mit zwölf Städten und 50,000 Mann;
  • die Atrebaten mit 15,000 Kriegern, im heutigen Artois;
  • die Moriner mit 25,000 Kriegern, am Pas-de-Calais;
  • die Menapier, im Scheldeland;
  • die Ambianer mit 10,000 Kriegern, um Amiens;
  • die Viromanduer, im heutigen Vermandois, ebenfalls mit 10,000 Bewaffneten. [1]

Belgica als römische Provinz

Daß die Kraft Galliens auf den Belgen beruhte, beweisen Cäsars Kämpfe 57 und 53 v. Chr.; organisiert wurden seine Eroberungen erst unter Augustus (Provinz "Belgica", zwischen Seine und Saöne, Rhein und Nordsee). Nach dem Aufstand 16 v. Chr. erhoben sie sich wieder unter Tiberius und dann vorallem zusammen mit den Batavern. Unter Diokletian bildeten Belgica prima und Belgica secunda zwei Provinzen der Dioecesis Galliarum.

Britische Inseln

Ein Teil der Belgen war schon früh nach Britannien übergesiedelt; zu Cäsars Zeit war allerdings nur noch der Süden (Wiltshire und teilweise Sussex, Somerset- und Hampshire mit der Insel Wight) von diesen britannischen Belgen bevölkert. Ihnen gehörten die Städte Venta Belgarum (Winchester), Aqua Sulis (Bath) u. a. Unter Kaiser Claudius wurden diese Belgen durch A. Plautins von den Römern unterjocht und bald darauf auch romanisiert. Den Angelsachsen unterlagen sie 527 n. Chr. auf der Insel Wight und in Wiltshire, seit 577 auch in den übrigen Teilen ihres Gebietes.

Etymologie

Der Name Belgae ist keltogerm. und gehört zu altirisch. bolgaim - 'ich schwelle', ahd. belgan, mhd. belgen - 'schwellen, zornig sein'.

Quellen

  • Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 1. Johannes Hoops, 1918-1919. S. 244.
  • Hettner, Zur Kultur in Germanien und Gallia Belgica (im 2. Band der »Westdeutschen Zeitschrift«);
  • Pirenne, Geschichte Belgiens, Bd. 1 (deutsch von Arnheim; Gotha 1899).

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 2. Leipzig 1905, S. 592.

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