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Bergbau

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Der Gebrauch von Metallen war bei den Germanen älter als die Fertigkeit im Bergbau, sie selbst zu gewinnen. Allerdings weisen Bergbaureste in Mittel- u. Nordeuropa bis in die vorgeschichtliche Zeit.

Beschreibung

Noch Tacitus berichtet im 1. Jhd. n. Chr. von einer nur geringe Bergbautätigkeit der Germanen, was daran lag, dass erdahin unterrichtet war, dass Germanien an Eisen wenig, und an Gold und Silber nichts erzeuge (Germ. c. 5 u. 6). [1] Sprachliche und andere Gründe deuten auf erstmals einwirkende Beziehungen zu den Kelten, die eine nach Umfang und Technik bedeutende Metallproduktion betrieben. [2] [3]

Betriebsstätten

Seit wann genau im Gebiet des alten norischen Bergbaus germanische Betriebe auf Eisen entstanden ist ungewiß und ebenso zweifelhaft die Bedeutung der Überlassung von Bergwerken in Pannonien an die Langobarden durch Kaiser Justinian im Jahre 548. Die Lager des steirischen Erzberges wurden frühestens seit Ende des 8. Jhds. von Deutschen betrieben.

Urkundliche Zeugnisse seither beweisen die Verbreitung des Eisenbergbaues in zahlreichen Betriebsstätten über das nördliche und südliche Alpengebiet (Montafon c. 831, Obdach 931, Bergamasker Alpen), im Westen über Neustrien (siehe. Capitulare de villis 812 c. 62), weiter über Mitteldeutschland, wie im Weiltal und Wetzlarer Gebiet 780, Grabfeld, Kirchbracht usw. In England reichen Nachrichten über Eisengruben in die sächsische Zeit zurück, wie z.B. in Kent. [4] [5]

Verhältnis zum vorgermanischen Bergbau

Vielfach wird die Kontinuität germanischer Bergbaubetriebe mit vorgermanischen und insbesondere die Fortwirkung römischer Einrichtungen behauptet. Richtig ist zunächst, dass an verschiedenen Orten die Germanen in unmittelbare, nachweislich aber nur äußere Beziehungen zu älterem Bergbau traten und dass eine Reihe von Bergwerken später dort betrieben wurde, wo insbesondere schon die Römer abgebaut hatten.

Die gallischen Cotiner arbeiteten als Untertanen der Quaden, wahrscheinlich im heutigen Mähren in Eisengruben, während die Langobarden Herren pannonischer Bergwerke wurden. Auch an einen möglichen Fortbetrieb des Zinnbergbaues durch die Kelten in Cornwall ist zu denken.

Was den römischen Bergbau betrifft, dessen Unterbrechung oder Einstellung die "Barbaren" mehrfach herbeiführten und der im 3. und 4. Jhd. bereits in starkem Niedergang begriffen war, ist zwar die Fortführung einzelner Betriebe durch römische Provinzialen oder eigene Volksgenossen in den nunmehr germanischen Reichen möglich, nirgends aber im Sinne einer vollen Kontinuität wahrscheinlich, da sich nach Änderung der kulturellen Voraussetzungen im allgemeinen die Bergbauindustrie nicht isoliert auf gleicher Stufe erhalten ließ.

Es läßt sich damit wohl vereinen, dass jüngerer Bergbau in Gegenden allerdings bezeugt ist, wo sich eine romanische Bevölkerung forterhielt (wie im Montafon); ebenso auch die bergmännische Betätigung einzelner Romanen (Walen), die in Resten unter der neuen Bevölkerung lebten (790 ein Latinus als Goldwäscher [6]).

In keinem Zusammenhang mehr steht das spätere Auftreten von Romanen der bürgerlichen Walenkolonien als Bergwerksunternehmer (1188 laut Urkdb. Goslar I, S. 354). Im ganzen ist wahrscheinlich, dass die Verbindung nach rückwärts nur durch wenige Überbleibsel keltischer und römischer Bergwerksbevölkerung vermittelt wurde, die in den Germanen aufgingen, wogegen sich die Hauptmasse im Verlauf der äußeren Kämpfe zerstreute.

Fremder Einfluss

Das Maß des fremden Einflusses ist an Technik, Recht und insbesondere an der Sprache zu ermessen und kann danach nur als gering bezeichnet werden. Unzweifelhaft war die keltische und vor allem die römische Bergwerkstechnik, die sich z.T. in Großbetrieben mit sehr bedeutenden Arbeitermassen betätigt hatte, ebenso die Hüttentechnik, bereits weit voraus, worauf erst schrittweise wieder jüngere Erfindungen, wie Künste für die mechanische Hebung der Grubenwässer, entschwundene Kenntnisse nachgeholt haben.

Die Übernahme römischer Rechtseinrichtungen hat man neuestens um so eher annehmen zu können geglaubt, als der Fund von Aljustrel die spezifische Bergbau-Unternehmungsgesellschaft als bereits den Römern lange bekannt erwiesen hat. Indes ist gerade in diesem Punkte jede Kontinuität zu leugnen. Die kapitalistische Gewerkschaft paßt nur in geldwirtschaftlich entwickelte Verhältnisse und ist unvereinbar mit den wirtschaftlichen Zuständen der Germanen zur Übergangszeit.

Vielmehr läßt sich ihre Neuentstehung aus der Arbeitsgenossenschaft klarstellen. Vollends schließt die bergmännische Sprache aus, an eine eigentliche Kulturübernahme zu denken. Nur wenige Ausdrücke sind übernommen (wie aquaeductus, puteus, testa, massa, furcula); die reiche Terminologie für die Gegenstände, Personen und Funktionen des Berg- und Hüttenwesens ist fast durchwegs germanisch.

Verkehrswirtschaft

Für die älteste Verkehrswirtschaft wurde der Bergbau, der Metallkultur die eigene Grundlage gebend, zu einem wichtigen Faktor. Denn in weitverzweigten Handelsbeziehungen gelangten die Metalle, deren Erzeugung weitaus Marktproduktion war, bis in die fernsten Stätten des Bedarfs. Die ältesten Zolltarife bezeugen diesen Metallhandel, allerdings nur dürftig im Verhältnis zu seiner schon aus der Anwendung der Metalle folgenden Ausdehnung (z.B. 983 Visé: Eisen und "Metalle"; 1070 (1047?) Dinant: Kupfer, Zinn, Blei, „Metalle"; 1104 Koblenz: Kupfer; Zoll an der Lechbrücke, Mitte des 12. Jhds.: Eisen, Stahl, Blei, Kupfer).

Die ursprünglichen Bezugsquellen des Handels sind selten festzustellen. Aus den Harzer Bergwerken stammt z.B. das nach Köln und weiter westwärts ausgeführte Kupfer: 1103 (Hans. Ukb. Hin. 601). Einen Hauptexportartikel bildete englisches Zinn; doch lassen sich die Handelswege nicht verfolgen. Seit mind. dem 10. Jhd. bezogen die nordischen Länder Silber aus dem deutschen Raum. Dass der Metallhandel z.T. in den Händen des jüdischen Bevölkerungsteils lag, gilt für Devon und Cornwall, vermutlich auch für das Festland, wobei seine Bedeutung für die Erschließung des Fern- und Nahhandels hervorgehoben werden muss.

Abbau der verschiedenen Metalle

Bleiabbau

Der bergmännische Abbau von Blei hing z.T. mit dem von Silber (silberhaltige Bleierze) zusammen, so z.B. in Goslar. Im Allgemeinen berichten über Bleigruben die Gesta Dagoberti I. regis Francorum [7] (c. 40) und das Capitulare de villis. Im Hessischen bestand ein Bleibergwerk nach den Traditiones et antiquitates Fuldenses [8]. Englische Bleigruben werden seit der Sachsenzeit durch urkundliche Nachrichten (Worcestershire 836, Somerset), auch durch das Domesdaybook (1086) bezeugt; Bedeutung erlangte die Bleigewinnung von Alster-Moor und Derbyshire.

Eisenabbau

Alter Eisensteinbergbau in Deutschland wird von dem Dichter Otfried von Weißenburg (um 790-875) am Main in der ersten Hälfte des 9. Jhds. erwähnt. Der Erzberg bei Amberg wird 931 urkundlich genannt. Insgesamt aber war der Bergbau mit Schächten und Stollen auf Eisenstein in der ersten Hälfte des Mittelalters noch selten. Eine Verordnung Karls des Großen (747-814) legt dem Amtmann (judex) die Anzeigepfiicht für alle in seinem Gebiet befindlichen Eisensteingruben (fossae ferrari) auf.

Der Eisenstein fiel aber nicht unter das Bergregal (Bergrecht), sondern war freies Eigentum des Grundbesitzers, des Gutsherrn oder der Gemeinde. Diese mußten davon eine Abgabe in natura an die Landesherrschaft leisten. Die Lorscher Chronik (Traditiones Laureshamenses) meldet, dass unter König Karl und dem Abt Helmerich, der von 780 bis 785 regierte, ein gewisser Adelolt dem Kloster Lorsch den dritten Teil seiner Eisengrube in der Gemarkung Wannendorf (Kreis Wetzlar) geschenkt habe.

Goldabbau

Von Edelmetallen wurde Gold im Flußgebiet der Alpen als Waschgold gewonnen, vielleicht auch bergmännisch (wie nach Chron. Merseb. c. 3: Godefridesrod, ubi effoditur aurum). Zu einer geregelten Produktion scheinen sich, als Zinsbetriebe der Königlichen Kammer, die Goldwäschereien am Po und dessen nördlichen Zuflüssen, wie Adda (872) und Tessin (1014) entwickelt zu haben, auf deren Existenz auch die karolingisch-italienische Goldausprägung weisen dürfte. Diesseits der Alpen lieferten nach urkundlichen Quellen Waschgold die Salzach und deren Nebenflüsse (790, 908, 1074), die Donau (Ende 10. Jhd.), der Rhein (9. Jh., 778?). Reicherer Ertrag ist vor dem schlesischen Goldbergbau (seit dem 13. Jhd.) kaum erzielt worden.

Kupferabbau

Nach Kupfer, von dessen bedeutenden vorgeschichtlichen Betriebsstätten insbesondere in den Alpen sich alle Kunde verloren zu haben scheint, grub man im Frankenreich nach Otfrid von Weißenburgs Zeugnis im 9. Jhd. Reichere Ausbeute gaben die Lager von Goslar.

Silberabbau

Silber, Himmelsfürst Mine, Brand-Erbisdorf, Freiberg 37896.jpg

Silber aus der Himmelsfürst Mine Brand-Erbisdorf (Landkreis Freiberg, Sachsen)

Die Erzeugung von Silber war wenigstens seit der spätkarolingischen Zeit als bereits beträchtlich anzusehen, was aus dem großen Exporten (Handel in den Orient, Normannentribut, Dänengeld) zu schließen ist. In Deutschland sind Betriebsstätten durch eine Münzumschrift unter Karl dem Großen und durch Otfrids Bericht (silabar ginuagi) nachzuweisen.

Auch eine Urkunde Karls III. von 882 erwähnt königliche Eigenbetriebe (?) im Silberabbau. Unter Otto I. begann der Abbau der Lager von Goslar mit Silber, Blei und Kupfer, womit das bedeutendste der Reviere erschlossen war, das erst durch Freiberg, Iglau und insbesondere Kuttenberg im Laufe des 13. Jhds. überholt wurde. [9]... Weiterlesen.

Zinnabbau

Der Zinnbergbau blieb auf das westliche Devon und das angrenzende, zuletzt steigende Bedeutung gewinnende Cornwall beschränkt; noch in die angelsächsische Zeit führen einige Spuren zurück. Böhmisches Zinn wird nicht vor dem 13. Jhd. bezeugt.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.
  2. Sprachvergleichung und Urgeschichte. Schrader. Jena 1906-07. Band II (1. Aufl.): Die Metalle.
  3. Deutsche Altertumskunde (Internet Archive). Karl Müllenhoff. Berlin 1870-1908. Band 4, S. 158.
  4. Das Eisenwesen in Innerberg-Eisenerz bis zur Gründung der Innerberger Hauptgewerkschaft im Jahre 1625 (Google Books). Ludwig Bittner. Gerold in Comm., 1901
  5. Geschichte des Eisens in Inner-Österreich von der Urzeit bis zum Anfange des XIX. Jahrhunderts (Band I) (Google Books). Alfons Müllner. Halm und Goldmann, 1909.
  6. Jung, Römer und Romanen in den Donauländern, 2. Aufl. 5. 263
  7. Gesta Dagoberti I. regis Francorum (Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters). Repertorium Fontium 4, 724. Entstehungszeit: 830-835.
  8. Traditiones et antiquitates Fuldenses (MDZ). Ernst Friedrich Johann Dronke. Müller, Fulda 184. S. 39
  9. Geschichte Des Mittelalterlichen Handels Und Verkehrs Zwischen Westdeutschland Und Italien Mit Ausschluss Von Venedig (Google Books). Aloys Schulte. Duncker & Humblot, 1900.

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