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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 19. November 2013 als Spotlight vorgestellt.

Über den Bergkult, Höhenkult oder auch Höhendienst, berichten vorallem die Quellen der altgermanischen Bußordnungen und Synodalbeschlüsse, wo er sich fast immer unter den Verboten altheidnischen Kultes findet. Neben dem Bergkult, das Opfern super petras oder saxa ('auf den Felsen') wurden gleichermaßen der Baum- und Quellenkulte verboten. [1]

Beschreibung

Der Bergkult wurzelt wahrscheinlich im Seelenglauben der Germanen; zumindest läßt sich von dämonischen Gestalten in Form von Bergriesen, die der Volksglaube ebenfalls mit den Bergen in Verbindung brachte, ein ähnlicher Kult nicht nachweisen. Verehrt wurden besonders hohe, isolierte Bergkegel als Sitze der Götter und Dämonen. Allerdings beschränkt sich der Bergkult nicht auf das antike Europa; so ist in den indischen Mythen der Götterberg Meru der Sitz Indras und der Seligen. Die Perser hatten viele heilige Berge, die der Bundehesch aufzählt, darunter auch schon Hexenberge. Auf dem Sinai empfing Moses die Gesetzestafeln; die Samariter opfern noch heute auf dem Garizim bei Sichem, und der Salomonische Tempel wurde auf dem Berge Moria bei Jerusalem an Stelle einer uralten Kultstätte errichtet.

Rohe Steinaltäre aus unbehauenen, vom Eisen unberührten Blöcken bezeichneten diese uralten Bergkultstätten Palästinas. Bei den Griechen waren vor allem Olymp und Parnaß als Throne des Zeus und Apollon, der Helikon als Sitz der Musen gefeiert. Daneben erwies man den Vulkanen, in denen die Feuergötter und Zyklopen wohnend gedacht wurden, Verehrung, nicht bloß auf Lemnos und Sizilien, sondern auch in Japan sowie an mehreren Vulkanen der Anden und auf Hawai. Andere Berge wurden als Wohnorte von Heiligen und Propheten, besonders als Schauplätze ihrer Wundertaten verehrt und besucht, wie der Adamspik auf Ceylon und der dem Elias geheiligte Berg Karmel, und man zeigt daselbst Spuren ihres Daseins in Fußabdrücken, Versteinerungen etc.

Später sind oftmals solche heilige Berge der Vorzeit durch Kirchen- und Klosterbauten in Wallfahrtsberge umgewandelt worden, von denen der Berg Sinai und der Berg Karmel von Juden, Christen und Mohammedanern besucht werden, der Adamspik außerdem noch von Bekennern des Brahma und Buddha. Hierher gehören auch die unzähligen St. Georgs-, Michaels- und Walpurgisberge Deutschlands und der Nachbarländer. Anderseits wurden solche heilige Berge der Vorzeit von der Kirche oft in den Bann getan und als Sitze von Teufelskult, Hexendienst, Dämonenwesen etc. in Verruf gebracht, wie der Pilatus in der Schweiz, der Brocken, Zobten u. a.; die Kraterberge galten dem christlichen Mittelalter als Eingangspforten zur Hölle. Auch wurden einzelne als Wohnsitze alter Götter und verzauberter Helden, deren Wiederkunft man erwartete, betrachtet, wie der Hörselberg bei Eisenach und der Kyffhäuser bei Nordhausen (s. Bergentrückung). [2]

Europäischer Seelenglauben

Dass die Seelen der Verstorbenen nach dem Tod in die Berge gehen, war ein weitverbreiteter Volksglaube in Europa. Aus deutschen Quellen gibt es für die ältere Zeit keine Zeugnisse, dagegen aber zahlreiche in den Islandsagas. So glaubte Thórólfr, einer der ersten Ansiedler Islands, dass er und alle seine Angehörigen nach dem Tode in das Helgafell, an dessen Fuße er sich angesiedelt hatte, fahren würden (Eyrbyggja Saga. Kap. 4). Als dessen Sohn Thorsteinn im Meer ertrank, sah ein Hirte, wie sich der Berg auftat und der Tote von anderen Geistern feierlichst begrüßt wurde (ebd. Kap. 11). Auch die heidnischen Nachkommen der Aud glaubten nach ihrem Tode in den Berg zu kommen, wo einst ihre Ahnmutter das Kreuz aufgepflanzt hatte [3]. Der Berg wurde zum Aufenthaltsort der Seelen. In Schweden und auf Island gibt es noch heute Berge, die Valholl 'Totenberg' heißen.

Deutschland

Brocken Spectre

In Deutschland wissen zahlreiche Sagen von einzelnen Totenseelen oder ganzen Seelenscharen in den Bergen zu berichten [4]. Unter ihnen treten besonders die Sagen von dem im Berg schlafenden Kaiser (wie z.B. Friedrich II., Karl der Große oder Karl V.) oder Nationalhelden (Siegfried, A. Hofer) hervor, von denen die Kyffhäusersage die bekannteste ist [5].

In den Bergen war auch der Ruheort der Wilden Jagd, des wütenden Heeres, der Perchten und Holden und all der anderen mythischen Gestalten, die im Seelenglauben wurzeln und im Wehen des Windes sich offenbaren. Von hier zog der Wilde- oder Nacht-, Heljäger aus, hierher kehrte er zurück. Dieser Glaube an die Berge als Sammelort seelischer Wesen spielt auch in den Hexenglauben hinein, nach dem sich die Hexen in der Regel auf Bergen (Brocken) treffen. (s. Bergentrückung). [6]

Bergopfer

Der Glaube an den Aufenthaltsort der Seelen hatte den Bergkult zur Folge. Die Opfer, die auf den Bergen dargebracht wurden, waren in ihrem Ursprung alte Seelenopfer. Die Feuer, die man oft dabei entfachte, waren von Haus aus Zauberfeuer: sie hatten nichts mit Opfern zu tun, sondern waren selbständig entstanden; sie sollten der Sonne, die sich auf den Bergen zuerst zeigt, frisches Leben zuführen und die unheilbringenden Dämonen der Berge fern halten. Erst später wurden sie an den Bergkult geknüpft.

Als dann das Seelenheer in Wodan oder der Frau Holle bzw. Perchta einen Führer erhielten und dieser sein Machtgebiet wesentlich erweiterte, trat er ebenso in enge Beziehung zum Berg. Als Odin dem jungen Sigurd seinen Beistand anbot, nannte er sich selbst der "Alte vom Berg" (Reginsmál 18). Die Gudrun verfluchte Atli bei Odins Berg (Atlakviða 30); zahlreiche Berge in Deutschland und England sind nach Wodan benannt, und auch aus dem Namen seiner Herrscherburg Valhall spricht dieser Glaube. Man übertrug den Bergkult auf den Führer des Seelenheeres, und deshalb läßt es sich meist nicht entscheiden, ob die Überreste des alten Bergkultes Überbleibsel des heidnischen Seelen- oder Wodanglaubens sind.

Donnersberge

Neben den Wodansbergen finden sich, vorallem in Deutschland, auch zahlreiche Donnersberge [7]. Ob diese mit dem Gewittergott Donar in direkten Zusammenhang stehen, läßt sich allerdings nicht beweisen, da Zeugnisse von Donars- oder Thorkult auf Bergen fehlen. Wenn auch Thórólfr als Thorsverehrer die Landspitze, an der sein Thorsbild angeschwommen war, þorsnes nennt, so galt die Heilighaltung des darauf liegenden Berges doch nicht Thor, sondern den Seelen der Vorfahren (Eyrbyggja Saga 4). Aber der noch heute herrschende Volksglaube, dass der Donner aus den Bergen komme, und die Abstammung Thors von der Berggöttin Fjorgyn, die die nordischen Mythen kennen, lassen einen Kult Donars auf Bergen nicht unwahrscheinlich erscheinen.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Homil. de sacril. S. 17 f.
  2. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 444.
  3. Landnámabók ("Landnahmebuch") II 16; (englische Übersetzung).
  4. Deutsches Sagenbuch (Google Books). Friedrich von der Leyen, Friedrich Ranke. O. Beck, 1920. Band 4, S. 95ff.
  5. Die deutsche Kaisersage und die Wiedergeburt des deutschen Reiches (Google Books). Richard Schroeder. C. Winter's Universitätsbuchhandlung, 1893.
  6. Die deutsche Kaiseridee in Prophetie und Sage (Internet Archive). Franz Kampers. H. Lüneburg, 1896.
  7. Deutsche Mythologie (Internet Archive). Jacob Grimm. E. H. Meyer. Berlin, F. Dümmler, 1875. Band I (4. Aufl. ), S. 141 f.

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