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Besitz ist die tatsächliche Herrschaft über eine Sache, die jedoch nach germanischer Auffassung von wesentlicher Bedeutung auch für das Recht an der Sache ist (s. Eigentum). Er äußert sich zunächst im Haben, daher die Begriffe ahd. habida und anord. hefð.

Gewere, Fahrnis und Liegenschaft

Das "Haben" ist die regelmäßige Form des Besitzes bei Fahrnissachen (= tragbare Habe), bei denen er mit dem "Gewahrsam" identisch ist. Jedoch kann man z.B. Liegenschaften (= nicht tragbare Habe), und auch die darauf befindliche Fahrnis, besitzen, ohne sie in unmittelbarer Gewahrsam zu haben. Diese Austattung mit der Besitzgewalt, die auch bei Entfernung der Person von der Sache nicht erlischt, wird in der südgermanischen Rechtssprache durch das Wort "Gewere" (Besitzrecht) wiedergegeben.

In lateinischen Texten erscheint seit dem 9. Jhd. als unmittelbare Übersetzung vestitura, das ursprünglich, wie investitura, für den Akt der Übertragung des Besitzes, die Einkleidung in die Herrschaft (ahd. giwerida), gebraucht wird. Die Gewere ist, wie der heutige Besitz, im Gegensatz zur römischen possessio ein Rechtsverhältnis. Daher ist es möglich, die Gewere zu übertragen, ohne unmittelbar die Sache selbst zu übergeben. Dabei ist zwischen Fahrnis und Liegenschaften zu unterscheiden.

Besitzübereignung

War der Vorbesitzer zur Zeit eines Überganges seiner Habe entwert, so ging nicht die Gewere (das Recht am Besitz), sondern nur das Recht des Anspruches auf Wiedereinsetzung der Gewere, der sog. „Anfall" auf ihn über. Wie sehr die Rechtssprechung im deutschen Mittelalter auch tatsächlich an der Gewere festhielt, ergibt sich insbesondere daraus, dass eine Auflassung (Übereignung), die dem Erwerber nicht den unmittelbaren Besitz verschaffte, zur Begründung der Gewere nicht ausreichte. Wer z.B. bei der sog. „Lehnsauftragung" ein Grundstück übereignet bekam, um es sofort an den Gegenkontrahenten als Lehen zurückzugeben, mußte es, wenn er das Besitzrecht darüber erlangen wollte, erst drei Tage lang „besitzen" (sessio triduana).

Im späteren Mittelalter wandelte sich dann die Form der Übereignung. Die gerichtliche Auflassung entwickelte sich zur Eigentumsübertragung an Liegenschaften. Zum maßgebenden Akt wurde im Stadtrecht die Eintragung in das Stadtbuch, dessen öffentliche Beglaubigung das Gerichtszeugnis ersetzte. Das dadurch entstehende Rechtsverhältnis wurde in Anlehnung an die ältere Entwicklung noch eine Zeitlang als Gewere bezeichnet. Aber Besitz war es damit nicht, ebensowenig wie durch das besitzlose Pfandrecht ein ideelles Besitzverhältnis geschaffen wurde. Gemeinsamkeiten der beiden Rechtsinstitute, Gewere und Grundbucheintragung, gab es nur teilweise. Beide standen eigenständig nebeneinander, nur durch die historische Entwicklung verbunden.

Wer äußerlich formgerecht von einem Nichtberechtigten eine Fahrnissache erwarb, der erlangte das Besitzrecht daran - Es sei denn, dass sie geraubt oder gestohlen war. Bei Liegenschaften erstarkte die formgerecht, insbesondere im Mittelalter durch "Auflassung", erworbene Gewere nach Fristablauf (meist ein Jahr und Tag) durch Ausschluß (Verschweigung) aller Anfechtungsberechtigten am rechten Gewere (anord. lagahefð).

Quellen

Einzelnachweise

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