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Birka auf der Insel Björkö im Mälarensee (Schweden) war der wichtigste Handelsplatz Skandinaviens zwischen dem 8. und 10. Jh. Diese Wikingersiedlung wurde etwa um 790 n. Chr. gegründet, während auf der benachbarten Insel Adelsön ein Königshof gebaut wurde (Hovgården). [1]

Beschreibung

Die Stadt Birka war - durch Natur, wie durch Kunst - stark befestigt und war von einer Ringmauer umgeben. Sie wurde von einer Burg geschützt und hatte eine befestigte Einfahrt in den Hafen. Archäologische Untersuchungen haben gezeigt, dass der Ort vor 800 keine Bedeutung hatte. Die Stadt wurde vielmehr in einer bestimmten Absicht angelegt - zu Handelszwecken; und so waren auch die ursprünglichen Einwohner Birkas keine wilden Wikinger, sondern friedliebende Kaufleute.

Etymologie

Der Name der Insel Björkö wird historische allgemein mit 'Birkeninsel' gedeutet. Der schwedische Literaturwissenschaftler Henrik Schück (1855-1947) war der Ansicht, dass Birka und weitere Handelsniederlassungen, die an den großen Verkehrsadern lagen oder wo Jahrmärkte gehalten wurden, „Birkeninseln" genannt wurden, weil der Stellvertreter des Königs den fremden Kaufleuten selbst Frieden verkündete und weil dieser Beamte in einem Amtslokal aus Birkenreisern saß, und auch das Zelt des Praefectus Bircae war zur Zeit Ansgars von Bremen aus Laub und Zweigen gemacht [2].

Neuere Forscher wie Reinhard Dzingel vertreten dagegen die Ansicht, dass der Name von fries. Berik (= Bereich einer Handelsniederlassung) stammt, was die frühmittelalterliche Anwesenheit von Friesen in Birka belegt. [3]

Handelsverkehr

Birka war der Mittelpunkt des Schwedischen Handels der Wikingerzeit (9.-11. Jh.). Nach Birka wurde u.a. Wein aus dem Frankenreich importiert; zudem pflegten die Einwohner Handelsverkehr mit Dorstat in Friesland, der erst infolge der Seeräubereien gefährlich wurde. Auch das Christentum fand schon vor Erzbischof Ansgar von Hamburg-Bremen (801-865) durch Handelsbeziehungen, wohl von Dorstat her, Eingang in Birka.

Wikingerzeit

Auf einer Volksversammlung zu Birka (ca. 850) sagte ein Greis: „Viele unserer Landsleute haben schon oft in Seenot und sonstigen Gefahren die Macht des Christengottes erprobt ... Einst sind einige von uns nach Dorestad gekommen und haben freiwillig das Christentum angenommen ... Jetzt aber ist dieser Weg durch die Anfälle der Seeräuber sehr gefährlich geworden." (Vita Anskarii c. 27). [4]

Birka hatte, als Ansgar von Hamburg-Bremen die Stadt um 830 zum erstenmal besuchte, einen eigenen Befehlshaber (praefectus Bircae), war der Sitz vieler reicher Kaufleute und besaß Überfluss an allen Gütern und an Geld. In der Nähe der früheren Stadt zählt man noch heute mehr als 2.000 Grabhügel.

Die Einwohner Birkas unterhielten, wie man aus Rimberts Vita Anskarii und aus Münzen und andern in der schwarzen Erde Birkas gefundenen Sachen ersieht, vor allem mit Schleswig, dem friesischen Dorestad und dem Frankenreich, aber auch mit England und Osteuropa Handelsverkehr. Runensteine sprechen ebenfalls von Verkehr zwischen Birka und Hedeby (Schleswig). Nach Adam von Bremen wurde Birka des Handels wegen von Schiffen aus Dänemark, Norwegen, Wenden und Samland besucht, und man segelte von dort in 5 Tagen nach Schonen und Russland.

Friesische Beziehungen

Der schwedische Historiker Knut Stjerna (1874–1908) vertrat die These, dass Birka ursprünglich keine schwedische Stadt, sondern eine friesische Gründung war (s. Friesenhandel), und dass die ältesten nordischen Münzen, halb barbarische Nachahmungen von den in Dorestad geprägten Münzen Karls des Großen, nach Birka gehören [5]. Später erhob der schwedische Literaturwissenschaftler Henrik Schück (1855-1947) gegen diese Ansicht Einwand [6].

Dass schon lange vor dem Erscheinen Ansgars in Birka an diesem Handelsplatz eine friesische Niederlassung bestand, schlossen Forscher wie Sophus Bugge (1833-1907) u.a. aus den deutschen Namen mehrerer dort genannter christlicher Frauen, die ihr Vermögen den Kirchen und Armen in Dorstat spendeten. So tragen einige der getauften Einwohner Birkas unnordische Namen wie Frideburg und Catla (Vita Anskarii c. 20).

Ebenso zeugen einige bei Birka gefundene christliche Gräber von Verbindungen ins Frankenreich. Vermutlich waren daher auch die christlichen Kaufleute, die das schwedische Heer auf dem Feldzuge nach Kurland begleiteten, friesischer Herkunft. Um 853 werden dann in der Vita Anskarii (dem Leben des heiligen Ansgar) christliche Kaufleute in Birka ausdrücklich erwähnt (c. 30) und eine friesische Niederlassung auf Birka ist zumindest für die Zeit Ansgars sehr wahrscheinlich.

Stadt- und Handelsrechte

Nach Birka bzw. Björkö waren die ältesten Stadt- und Handelsrechte Schwedens, Norwegens und Dänemarks benannt (aschwed. bjærköærætiær, anorw. bjarkeyjarréltr, dän. biærkeræt). Das Wort bjarkeyjarréltr kommt schon 1083 auf Island in Verbindung mit Norwegen vor.

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Birka (Version vom 9. Mär. 2016‎)
  2. Vita Anskarii c. 19: "folia ramorum de umbraculo ibi facto"; vgl. H. Schück, Birka. S. 26 f.
  3. Reinhard Dzingel: Friesen in der frühmittelalterlichen Ostsee?, Moisburg 2012 (PDF; 420 kB)
  4. Rimbertus archiepiscopus Hammaburgensis et Bremensis, Vita Anskarii (Leben Ansgars). 865-876. (in "Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters")
  5. Knut Stjerna, Lund och Birka. S. 38
  6. Henrik Schück, Birka, Upsala univers. ärsskrift 1910

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