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Als Bogen bezeichnet man in der Architektur eine zwischen zwei festen Stützpunkten bogenförmig gestellte Reihe von keilförmigen Steinen, deren Fugen nach einem gemeinsamen Mittelpunkt gehen bzw. eine überwölbte Öffnung in einer Mauer. Die frühgermanische Bogenform ist der Regel nach ein Halbkreis; auch überhöhte Halbkreise (mit verlängerten Schenkeln) sind häufig.

Beschreibung

Im frühen Mittelalter sind Hufeisenbögen weit verbreitet; sie erscheinen einerseits schon in Kleinasien, besonders in Anatolien im 6. oder 7. Jh., andererseits aber gleichzeitig bei den Bauwerken der Westgoten, Angelsachsen, Langobarden und Franken; vor allem auch im frühesten Holzbau der Skandinavier. Es scheint daher, als ob diese Form bei allen Germanen sehr beliebt gewesen sei, sowohl in der Architektur als der Dekoration in Plastik und Malerei. Auch liegt der Gedanke nahe, dass der Bogen damals gleichzeitig von zwei Seiten her in die westeuropäische Baukunst eingedrange, da er ebenso im nordischen Holzbau wie im frühchristlichen Orient selbständig auftritt. Sicher ist es, dass die spanischen Araber den Hufeisenbogen von den Westgoten übernahmen.

Hufeisen- u. Parabelform

In den frühesten Miniaturen des Nordens ist die Hufeisen-Bogenform beliebt, sowohl um wirkliche gemalte Architekturen zu gliedern, als auch zu rein dekorativen Zwecken. Fenster mit ungefähr parabolischer Linie der Überwölbung treten bei den Angelsachsen (Kirche von Escomb, Durham, 7. Jh.) und in Deutschland (Sylvesterkapelle in Goldbach, Überlingen am Bodensee, 9. Jh.) auf.

Halbkreisform

Eine eigentümliche Bogenform, die in allen germanisch beherrschten Ländern bis nach Nordafrika hin auftritt, ist der Halbkreis. Dieser wird von vorspringenden Pfeilern getragen, so dass die untere Öffnung enger ist, als der Durchmesser des darauf ruhenden Halbkreises, und sich zwei rechtwinklige Vorsprünge am Bogenauflager ergeben. Diese schon bei den Römern vorkommende Form mag ihren Ursprung der Absicht verdanken, auf die Vorsprünge den hölzernen Lehrbogen aufzulegen, der als Unterlage für, das Wölben diente. Vielleicht auch der Absicht, auf ihnen einen Querbalken zum Tragen von Lampen, Kreuzen und dgl. ruhen zu lassen. Dafür spricht das Vorkommen dieser Form an Chorbögen und besonders der Umstand, dass die vorspringenden Pfeiler öfters durch frei vortretende, scheinbar nichts tragende Säulen ersetzt werden.

Allgemeiner Aufbau

Theoderich Mausoleum, Ravenna Bogennischen Süd 2010-07-29

Mausoleum des Theoderich in Ravenna: Äußere Bogennischen (Südseite)

Der Bogenanfang wird, besonders bei kirchlichen Bauwerken, meist durch ein Kämpfergesims bezeichnet, das der Regel nach aus einem Karnies (Glockenleiste) mit Platte, später aber anstatt des Karnieses häufig aus einer einfachen Schräge besteht und dann - charakteristisch für die karolingische und die folgende Zeit - nur nach der Bogenlaibungsseite zu vorspringt, nach den beiden anderen Seiten aber mit der Bogen- und Pfeilerfläche gleich (bündig) ist.

Die Bögen selber sind bis zu karolingischen Zeit häufig abwechselnd aus Stein und Ziegeln gebildet, erscheinen also bunt; eine Technik, die, bereits von den Römerbauten entnommen, insbesondere für merowingische Bauwerke typisch ist; oder auch in wechselnder Farbe der Steine, insbesondere weiß und rot (s. a. Buntmauerwerk).

Die Keilform der dem Bogenmittelpunkt zustrebenden Bogensteine erschien offenbar von Anfang an dem nordischen Holzbaukünstler unsicher, so dass er versuchte, wo es anging, den Bogen aus einem einzigen Stein ohne Fugen zu schneiden, ihn also konstruktiv zu verleugnen; eine Sitte, die noch im Mittelalter nachwirkte. Oder er bildete ihn aus überkragenden Steinen, also nur einen Scheinbogen; oder er griff zu dem schon bei den Römern und im Orient auftretenden Ausweg, dass die Steine in Hakenform gebildet also daran gehindert wurden, zur Mitte zu rutschen. Ein Beispiel dafür ist das Mausoleum des Theoderich in Ravenna. Auch sind manchmal nur die Schlußsteine als Hakensteine geformt (wie z.B. häufig in Spanien).

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

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