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Brettchenweberei

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Die Brettchenweberei ist eine Webtechnik zur Herstellung von Bändern und Borten (ahd. borto), die weit älter als das Mittelalter ist. Hierbei sind an einem Miniaturwebstuhl in einer mehr oder weniger breiten Reihe Schnüre (als 'Kettfäden') angeordnet. Diese werden dann durch 'Schussfäden' verwebt, wobei die Schussfäden durch die Mitte der Schnüre gehen.

Beschreibung

Die Technik des Brettchenwebens findet ihre Vorläufer in einer bestimmten Art des Flechtens in den neolithischen Pfahlbauten der Schweiz. Ihre ersten sicheren Spuren treten in der zweiten Hälfte der Römischen Kaiserzeit in Skandinavien und Norddeutschland auf. Kleine, metallene Modelle solcher Webegeräte (Brettchen, Nadeln und Webeschwertchen) haben sich in dem Gräberfeld von Anduln und anderen des Kreises Memel und der russischen Ostseeprovinzen gefunden.

Brettchenapparat

Beim Brettchenweben werden kleine, quadratische Brettchen aus Bronzeblech oder Holz mit einer Größe von ca. 6 x 6 cm an den vier Ecken durchlocht.

  • Durch die Löcher zieht man je einen Faden ('Kettfaden').
  • Die Brettchen werden mit ihrer Fläche in die Laufrichtung der Fäden gestellt.
  • Spannt man letztere fest ein, so bilden sie die Kette, der dreieckige Raum zwischen ihnen ist das sog. "Fach".
  • Führt man den Schußfaden durch das Fach und gibt den Brettchen eine Vierteldrehung, so kommen die Fäden der oberen Kette nach unten, der unteren nach oben,
  • So liegt der Schußfaden fest, kann zurückgeführt, und durch abermalige Vierteldrehung der Brettchen wieder festgelegt werden usw.

Die Fäden drehen sich umeinander, so dass man außerordentlich haltbare Schnurbänder bekommt. Durch das Drehen der Täfelchen entstehen die Schnüre in vierfacher Zwirnung. Gleichzeitig bildet sich bei jeder Vierteldrehung ein neues "Fach", durch welches der Schuss läuft. So entstehen durch die Zwirnung der Kettfäden extrem starke Gewebe, die als Gürtel, Hosenträger und Tragegurte an Taschen und Körben, ja sogar als Riemen für Pferdegeschirre verwendet werden können.

Quellen

  • Archäologisches Lexikon: Mit 'Brettchen' weben
  • M. Lehmann-Filhés: Über Brettchenweberei. Berlin 1901
  • Karl Schlabow: Die Kunst des Brettchenwebens. Neumünster 1976
  • Experimentelle Archäologie in Deutschland. Beiheft 4, 1990 (= Lit. 21)
  • Grubenhaus und Brettchenweber, Archäol. in Bayer.-Schwaben 1, 2005
  • Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, 4 Bände (1. Aufl.). Johannes Hoops. K. J. Trübner, Straßburg 1911-1919. Bd. IV, S. 490, § 5a.

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