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Als Brouche oder auch Bruche (anord. brokr, Sg. brōk, vgl. ahd. bruoch) bezeichnet man eine Art der Beinbekleidung im Mittelalter, die einer Unterhose ähnelt.

Beschreibung

Die Brouche wird in zeitgenössischen Abbildungen meistens weiß oder naturfarben dargestellt. Eine Ausnahme bildete die sog. Brünnenbruche (anord. brynbrokr) aus geschwärzten Leinen; doch auch andere schwarze, blaue und blaugestreifte Brouchen werden erwähnt.

Sie wurde fast immer aus Leinen, weißer Wolle oder anderen, regional verfügbaren Fasern gefertigt, die sich leicht reinigen ließen. Dazu gehörten außerdem Fell (anord. skinnbrokr), zuweilen mit den Haaren (anord. lodbrokr), oder häufig auch Fries (anord. brókavadmál, söluvádarbrokr).

Arten u. Trageweise

Am häufigsten wurde diese Art von Beinkleidern als Kniebruche oder "Kurzbruche" (anord. stuttbrokr) getragen, entsprechend den "feminalia" der Römer. Neben ihnen tauchte schon früh auch "Langbruche" (anord. langbrokr) auf, von der es verschiedene Arten gab:

  • Knöchelbruche (anord. ökulbrokr, hökulbrokr), die bis zu den Knöcheln gingen,
  • Strumpfbruche (anord. leistabrokr), bei denen Strümpfe und Bruche (bzw. die Hosen) eins waren.
  • Stegbruche (anord. ilandabrokr, nafarskeptar brokr), bei denen die Hosenbeine unten nur mit Stegen versehen waren, die unter die Fußsohlen gingen.

Die Beinkleider wurden durch einen Hosengürtel (anord. brókabelti, bróklindi) festgehalten, unter dem man meistens nur einen breiten Hosenbund (anord. bróklindahald) verstand, zuweilen aber auch einen besonderen Gürtel, an dem eine lose Tasche (anord. brókabeltispúss, -pungr) befestigt war. An die Brouche wurden Beinlinge angenestelt, bis die enge Kleidung des 14. Jhs. es notwendig machte, dass letztere an einem Wams oder Pourpoint befestigt wurden. Diese Kombination wurde schließlich Anfang des 15. Jhs. von der geschlossenen Strumpfhose mit Schamkapsel verdrängt.

Geschichte

Der genaue Ursprung der Brouche ist nicht geklärt. Möglicherweise stammt sie von der germanischen Bundhose ab und wurde durch byzantinischen Einfluss mit langen Strümpfen, Beinlinge, ergänzt und zur Unterbekleidung degradiert. Die genaue Form schwankt je nach Region, Stand und Jahrhundert.

Die Bruche bildete in Mitteleuropa eine Ergänzung der Hose als ursprüngliche Unterschenkelbekleidung und diente als Schutz des Leibes und der Oberschenkel. Anfänglich war sie eher ein Gürtel oder Lendenschurz. In Baumsargfunden der älteren Bronzezeit in Schleswig kommt ein solcher Schurz vor, ein viereckiges Stoffstück mit Ledergürtel, das von der Brust bis zum Knie reichte.

Eisenzeit

Die Bruche war bei den Germanen eine kurze Kniehose zum Schutz der Lenden und Oberschenkel und entstand aus dem einfachen Schurz unter Einwirkung der gallischen Mode. Der gemeingermanische Name dieses leicht zur kurzen Hose umgewandelten Schurzes ist ahd. brúoh, anord. brók, ags. bróc 'Bruch'. Diese Bezeichnung ist in der Schweiz noch heute gebräuchlich. Diese aus Gallien kommende und von Römern und Germanen teilweise übernommene Tracht wurde mit dem gallischen Namen bráca bezeichnet.

Völkerwanderungszeit

Die Bruche in Verbindung mit den wadenschützenden Hosen wurde in der Völkerwanderungszeit die allgemeine Kleidung der Germanen und erhielt sich bis heute in den Volkstrachten. Dass diese Kniehosentracht im Altertum nicht nur von den Männern, sondern auch von den Frauen gebraucht wurde, scheint aus einem Steinrelief im Mainzer Museum hervorzugehen, das eine Germanin darstellt, welche ein eng anliegendes Gewand aus Jacke und Hose trägt.

Frühmittelalter

Dieselbe Tracht aus Jacke und Kniehose wird auch für das 8.-9. Jh. noch bezeugt durch eine seltene Zeichnung eines Münchener Evangelienbuches [1], wo König Herodes mit einem anliegenden Gewand bekleidet ist, das vom Hals bis zum Knie reicht und die Oberschenkel hosenartig umschließt.

Hochmittelalter

Unter der sehr faltenreichen Mode des 13. Jhs. wurde sie vermutlich von einfacher gestellten Personen sehr weit getragen; in der engeren höfischen Mode des 12. und 14. Jhs. besaß sie engeren Zuschnitt. Eine Unterart ist die sogenannte Reiterbruche, die sich von der normalen Bruche durch den Zuschnitt unterscheidet. Die Teile weisen an der Innenseite der Schenkel keine Nähte auf, wodurch der Tragekomfort im Sattel gesteigert wurde. Es ist keine Brouche im Fundgut erhalten geblieben, weswegen der genaue Schnitt spekulativ bleibt.

Quellen

Wikipedia lexikon3e
Dieses Dokument basiert in seiner ersten oder einer späteren Version auf dem Artikel „Brouche“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 11. Sep. 2011‎ und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Weitere Quellen

Einzelnachweise

  1. v. Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke und Gerätschaften von dem frühen Mittelalter bis Ende des 18. Jahrhunderts (1879), Taf. 12, E

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