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Die Burg erhielt nach älterer Lehrmeinung seine heutige Bedeutung erst im 12. Jhd. Vorher verstand man darunter allgemein einen befestigten Ort, oder eine befestigte Stadt, woran z.B. die daraus hervorgegangenen 'Bürger' und Städtenamen wie Freiburg, Magdeburg oder Straßburg erinnern. Allerdings erwies sich diese Auffassung als unrichtig.

Beschreibung

Die Burg wird zuerst in den Ausdrücken saltus Teutoburgiensis ('Teutoburg') [1] und Asciburgium (Ptol. II 11. 27) bezeugt und bezeichnete bei den Germanen eine Volksburg (Fluchtburg) mit offener Siedelung und oftmals einem Herrenhof an ihrem Fuß. Die Residenz des Markomannenkönigs Marbod (8 v.Chr. - 19 n.Chr.) umfasste z.B. eine königliche Burg samt umliegender Region [2]. Der römische Kriegstheoretiker Vegetius (4. Jh.) sagte, burgus sei ein Wachtposten [3], und der spätantike Historiker Orosius (um 385-418) nannte so die kleinen Stationen am Limes, die den germanischen Besatzungen der Burgundionen ihren Namen gegeben hätten.

Frühmittelalter

In karolingischer Zeit wurde der Herrenhof häufig befestigt. Von etwa 900 an aber zog der Herr vom Hof weg in eine kleine stark befestigte Burg ("Herrenburg"). Die Namen Würzburg und Hammelburg (a. d. fränkisch. Saale) gehen z.B. bis in die merowingische Zeit zurück und stammen von den betreffenden Volksburgen, die in den Gebietsbeschreibungen mit erwähnt werden [4].

Auch bei Quedlinburg liegt die curtis Quitilinga zwischen einer alten Volksburg („Altenburg") und der Herrenburg Heinrichs I. (876-936) auf dem Schloßberg. Bei Lüneburg erhielt sich im Kloster Lüne (Hliuni) der ursprüngliche Name, während die dazugehörige Burg von Hermann Billung im 10. Jhd. auf dem Kalkberg gegründet wurde. In Merseburg erneuerte Heinrichs I. eine schon vorhandene Befestigung , ebenso in Brandenburg (927), das schon eine Hauptfeste der Slawen gewesen war.

In Magdeburg trat die urbs regia unter Otto I. 937 auf (Widukind). In einer Urkunde Ottos II. von 979 werden 18 Orte des Hosgaus als civitates und castella (Burgwarde) bezeichnet; sie alle enden auf -burch: Altstediburch (Allstedt), Burnigstediburch (Bornstedt), Cucunburch (Kukkenburg) usw. Keine davon war damals eine "Stadt", und die Hälfte wurde es bis in die Neuzeit nicht (Goseck, Helfta, Holleben, Kuckenburg, Scheidungen, Sieburg, Vitzenburg, Werben).

Hochmittelalter

Dover Castle Lieven Smits 2011-04-16

Befestigungsanlagen von Dover Castle

Im Mittelalter wurden in den Grafschaften Burgen (daher 'Bürger') und Wehrkirchen zum Schutz gebaut. In deren Umfeld und an den Handelswegen entstanden Städte (Marktplätze). [5]

Die Blütezeit der Städte begann in Deutschland etwa im 12. Jh. Ihr Name endete dann auf "-burg", wenn unter den Teilen, aus denen die Stadt erwuchs, sich auch eine Burg befand oder wenn eine solche zumindest in der Nähe war und dem neuen Gemeinwesen ihren Namen gab. Dabei handelte es sich sowohl um alte Volksburgen wie um jüngere Herrenburgen. Bei Harzburg wurde z.B. der Name burg von der Burg Heinrichs IV. (1084–1106) auf dem Berg hinunter auf die Siedlung in der Ebene übertragen.

Spätmittelalter und Renaissance

In Spätmittelalter und Renaissance wurden vormals strategisch wichtige Burgen entweder verlassen, weil sie der Artillerie nicht mehr standhielten, oder, wenn sie wirklich wichtig waren, zu Festungen aus- oder umgebaut. Andernorts wurden durch über Jahrhunderte gefestigte lokale oder regionale Machtverhältnisse Burgen mehr und mehr zu Repräsentations- und Verwaltungsbauten, Mittelpunkte gesellschaftlich-kulturellen Lebens oder der Landesentwicklung. Auf der Burg Eisenberg der Waldeck-Eisenberger Grafen etwa befand sich ein Alchimie-Labor zur Untersuchung von Mineralien, u.a. für die Gesteine aus dem Eisenberg, die im Goldhausener Goldbergwerk zutage gefördert wurden. Neue repräsentative Wohnbauten im neuesten Schlossbaustil wurden an solche alten Burgen angebaut. Aufgegebene Burgen wurden oft wie Steinbrüche genutzt zur Baumaterialgewinnung zum Bau steinerner Häuser und Scheunen. Neubauten von Burgen wurden weniger, weil unbefestigte Schlösser im Tal die modernere Art des Adelsstammsitzes wurden. Trotzdem entstanden gelegentlich noch Burgen wie die Oberburg von Gondorf an der Mosel, Stammsitz derer von der Leyen.

England

Wessex Anglo-Saxon burhs 10.Jh

Angelsächsische 'Burhs' in Wessex (10. Jh.)

In England ist ags. burh ursprünglich der allgemeine Ausdruck für einen 'befestigten Ort', wie z.B. eine Volksburg, Herrenburg oder eine Stadt. Der Ausdruck castell, castle wurde erst von den Normannen eingeführt und erscheint in der Sachsenchronik zuerst unter Edward dem Bekenner. Vorher hieß es „the hedge of the kings burh", wie z.B. Ethelred von Mercia (675–704) eine solche burh zum "Schutz für alle Leute" zu Worcester bauen ließ. William Rufus reparierte 1092 eine burh und befahl den Bau eines castell (in Carlisle).

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Tacitus, "Ab excessu divi Augusti (Annales): I 60". Digitalisat auf Wikisource (lat).
  2. Tac. Ann. II 62: regia castellumque iuxta situm, Tac. Ann. II 62
  3. Vegetius IV 10: "castellum parvulum, quem burgum vocant, inter civitatem et fontem convenit fabricari,... ut aqua defendatur ab hostibus"
  4. Die Franken, ihr Eroberungs- und Siedelungsystem (Internet Archive). Karl Rübel. Bielefeld, Velhagen (1904). S. 38 u. 72
  5. Geschichtsbaum Deutschland. National Geographic Deutschland. Britta Orgovanyi-Hanstein. Candor-Verlag, 2006. ISBN 3200005572, ISBN 9783200005570.

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