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Der Burgunderhelm (bourgignots, borgognotas) [1] ist eine Entwicklung des Schallers im ausgehenden Spätmittelalter und dem Übergang zur Renaissance (15. / 16. Jhd.). In seinen vielfältigen Variationen brachte dieser Helmtypus das Visier zu besonderer Entwicklung und schmückte sich mit allem möglichen Zierat.

Entwicklung

Gegen Ende des 15. Jh. schloss sich die Eisenkappe mit stets beweglichem Visier immer enger um den Kopf zusammen, bis die von den Burgundern erfundene und daher Bourgignot genannte Form des Visierhelms daraus entstand. Die Glocke des Burgunderhelms war gewölbt und mit einem Kamm versehen; er zeichnet sich aus durch einen Augenschirm, Sturmbänder oder Wangenklappen und Nackenschutz.

Später bestand der Burgunderhelm aus vier beweglichen Teilen, die sich um ein knopfförmiges Scharnier, die Helmrose, drehten. Diese Form erhielt sich bis zur Mitte des 16. Jhs. Aus ihr entwickelte sich dann der vollständige Visierhelm mit aus Schienen bestehendem Hals- und Genickschutz und einem ausgesprochen hohen Kamm auf dem Scheitelstück zur Abwehr gegen die Schwerthiebe. [2]

Harnischkragen

Am Beginn des 16. Jhs. entstand der Harnischkragen und fast gleichzeitig damit kam man auf die Idee, diesen mit dem Visierhelm in Verbindung zu bringen. Man trieb den Unterrand des Helmes rinnenartig auf und erzielte dadurch, dass die aufgeworfene Oberkante des Kragens sich innerhalb dieser Rinne bewegte, eine sichere Verbindung beider. Solche Helme - die, wie es in der gleichzeitigen Sprache hieß - „im kragen umbgeen", nannte man Burgundische Helme.

Um diese Zeit bildete sich jene Visierform heraus, die bis an das Ende des Jahrhunderts überall üblich blieb, nämlich aufschlächtig mit weit und spitz vorspringenden Wänden, in die oberhalb in einer Kehlung der Sehspalt geschnitten wurde. In der Konstruktion zur Öffnung des Helmes durchlebte der burgundische genau dieselben Wandlungen wie der Geschlossene Helm.

Burgunderkappe

In der 2. Hälfte des 16. Jhds. traten wieder einfachere Visiermechanismen auf. Den alten Stirnstulp ersetzte ein aufschlächtiger Gesichtsschirm, mit dem ein meist breit und senkrecht gespaltenes Visier verbunden war, das sich beim Aufschlagen des Schirmes gleichzeitig öffnete. In den Heeren der Niederländer und Engländer führten die reitenden Schützen Helme mit ähnlichen Visieren, die aber nur aus drei Spangen bestanden, sog. Burgunderkappen (engl. casquetel, burgonet) (Bild).

Die Burgunderkappe als gemeiner Burgunderhelm ohne Kamm (frz. bourguignote commune, engl. soldier burgonete - eigentlich "Sturmhaube") war der Helm der Knappen, d. h. der im Dienste der Burgherren stehenden Mannschaft und zuweilen auch derjenige ärmerer Ritter, der Landsknechte und der leichten Reiterei, besonders der Pappenheimer (Pappenheimer Kappen) aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648). Allerdings wird der Pappenheimer Helm als Form der Zischägge allgemein zur Sturmhaube gezählt.

Solche üblicherweise nur aus dünnem Eisenblech geschmiedete Helme waren in Nord- und Mitteldeutschland gewöhnlich blank, in Süddeutschland aber, besonders in Österreich, eben so wie die sonstigen Stücke der Halb- und Ganzrüstungen burgundischer Form, teilweise oder gänzlich geschwärzt. Geschwärzte Harnische trifft man übrigens fast nur im burgundischen Stil und höchst selten im Norden an.

Weitere Varianten

  • Arbartburgunderhelm - Dreißigjähriger Krieg (1618-1648). Bestand aus Kamm, Halsberge, vollständigen Wangen- und Nackenschutz, so wie drei Eisenstäben als Visier.
  • Kesselburgunderhelm - entstand als Variante im 16. Jh. und zeichnet sich durch seine spitze und kammlose Birnenglocke (vgl. Birnenhelm) aus.

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Hinweis: Nicht zu verwechseln mit bourgignotte, was Sturmhaube bedeutet! Der Präsident Faucher, der gegen Ende des 16. Jhs. schrieb, verwechselt den Burgunderhelm mit dem Visierhelm, wenn er sagt: „Ces heaumes ont mieux représenté la teste d'un homme, ils furent nommés bourguignotes, possible à cause des Bourguignons inventeurs."
  2. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 9. Leipzig 1907, S. 152.

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