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Samurai Vormarsch

Vormarsch einer gemischten Truppe aus berittenen Samurai und Fußkämpfern

Der Bushi war das japanische Pendant zum europäischen Ritter. Die Geschichte des japanischen Schwertadels Buke begann in der Heijan-Periode (8.-12. Jhdt. christlicher Zeitrechnung), in welcher Japan seine Eigenständigkeit gegenüber China entwickelte. Den Kriegern dieses Standes stand v.a. ein erhebliches jährliches Reisdeputat zu - Reis war die Währung Japans. Später entwickelte sich der Begriff Samurai als Synonym für die Bushi. Ihre Kampfkunst umfasste zuvorderst die von berittenen Bogenschützen, die im Galopp Pfeile mit schwerer Metallspitze abschießen konnten. Wie die europäischen Ritter nutzten sie beim Reiten auch Steigbügel, aber eine eigene Variante. Erst im fortgeschrittenen Kampfgeschehen eines Krieges, wenn man bis zu den feindlichen Linien vorgedrungen war, kamen auch andere Waffen zum Einsatz, wie die berühmten Samuraischwerter (Katana) aus handgeschmiedetem Mehrschichtstahl.

Samurai Reiterstandbild 1

Das Reiterstandbild zeigt deutlich die japanische Steigbügel-Variante, in der die Kämpfer auch in ihren einfachen absatzlosen Sandalen Halt fanden

Ihren Ruhm begründeten sie im Sieg über Kublai Khans mächtige chinesisch-mongolische Invasionsarmee im Jahr 1281 n. Chr. In der weitgehend friedlichen Edo-Periode von 1603 bis 1868, in der die Stadt Edo (=Tokio) Machtzentrum wurde, pflegten die Bushi verstärkt höfische Kultur, z.B. das Nō-Theater. Ihre Anführer, die Daimyō, d.h. Lehnsmänner des Shōgun, ihrem Lehnsherren, dem Oberbefehlshaber des Schwertadels und vom 12.-19. Jahrhundert faktischen Machthaber Japans, mussten sich in der Edo-Periode regelmäßig in der neuen Hauptstadt blicken lassen, und kamen zu diesem Zweck aus ihren Lehensgebieten (Han) mit einem repräsentativen Gefolge aus Hofstaat und Soldaten nach Edo (=Tokio), darunter nicht nur berittene Samurai, sondern zumeist mit Langwaffen, ähnlich Lanzen und Hellebarden, bewaffnetes Fußvolk. So konnte der Shōgun sich der Treue und Wehrfähigkeit seiner Vasallen versichern, und der Pflege eines landesweiten Wege- und Straßennetzes mit Zentrum Edo ebenso.

Samurai, reitend

Samurai bei einem Ausritt durch Tumai im japanischen Königreich Ryūkyū, am Brunnen ein amerikanischer Matrose der Expedition des US-Commodore Perry, bei der der Vertrag von Kanagawa geschlossen wurde, durch den Japans Häfen für amerikanische Handelsschiffe geöffnet wurden. Japan wurde dadurch binnen weniger Jahre in die Moderne katapultiert. In manchen Fachgebieten, z.B. der Medizin, hatte man schon vorher westliches Wissen übernommen.

Es blieb trotz der Friedenszeiten weiterhin Pflicht der Bushi, sich in der Kampfkunst zu üben. Durch den Erfolg des Buch der fünf Ringe des berühmten Kämpfers Miyamoto Musashi über den virtuosen Kampf mit zwei Schwertern auf einmal wurde auch die Standard-Ausrüstung der Samurai ein großes Schwert (Katana) und ein kleines Schwert (Wakizashi), im Gürtel getragen, wobei das Katana das offizielle Statussymbol des Samurai war. Die Schwerter wurden gelegentlich wahrscheinlich auch zur Durchsetzung der Autorität gegenüber Untertanen eingesetzt, und gewiss manchmal im Streit untereinander. Es gab aber auch den Ehrenkodex der Bushi in ihrer Bushidō genannten Philosophie. Bemerkenswert sind die Samurai-Rüstungen, die mit weit weniger Metall-Anteil gefertigt und dadurch etliche Kilogramm leichter waren als europäische Ritterrüstungen, deren Träger bisweilen mit Kränen auf ihre Schlachtrösser gehievt werden mussten.

Arkebusen, d.h. tragbare Schusswaffen, verkauften bereits im 16. Jhdt. portugiesische Seefahrer an die Japaner. Diese wurden in japanischen Waffenschmieden in großer Zahl nachgebaut (siehe Wikipedia: Tanegashima-Arkebuse). Der Shōgun hatte das Privileg, über ihren Einsatz zu bestimmen. In einem Krieg gegen Korea kamen sie auch zum Einsatz. Zunächst die Schusswaffen, später der Aufstieg der Kaufleute in der friedlichen Edo-Zeit, welche immer reicher wurden im Vergleich zum Schwertadel, dem weiterhin nur sein Reisdeputat als Verdienst zukam, und schließlich die Wiederherstellung der Macht des Tennō (Kaiser von Japan) in der der Edo-Periode folgenden Meiji-Restauration führten zum Niedergang des Schwertadels. Als der Kaiser erkannte, dass neue Mächte wie die USA es vermochten, den wirtschaftlichen Protektionismus Japans zu brechen, ersetzte er das Samurai-Heer kurzerhand durch eine moderne uniformierte Wehrpflichtigen-Armee, damit Japan nicht das Schicksal der Kolonisierung erleide. Der erste Krieg, den die Armee gewann, war der Satsuma-Aufstand der entmachteten Samurai, die gegen die mit modernen Schusswaffen ausgerüstete zahlenmäßig siebenfach überlegene Armee aber keine Chance hatten.

Im zweiten Weltkrieg waren Offiziere der kaiserlichen Armee wieder mit Katana-Schwertern bewaffnet, allerdings keinen echten, sondern Industrieware aus Solingen, geliefert vom Verbündeten Deutschland.