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Vom Volksstamm der Dänen wird seit der Völkerwanderungszeit berichtet. Prokop (um 500-562) war der erste, der von einer Abteilung der Heruler erzählte, die (im Jahr 512) von der Donau nach „Thule" zu den Gauten auswanderte (BG. 2, 15).

Historische Quellen

Dem spätantiken Historiker Prokopios von Caesarea (6. Jh.) zufolge zog dieser Stamm erst durch die Länder der Sklavenen, dann durch Ödland, bis er zu den Warnen - das sind hier nach Prokops Sprachgebrauch die Sachsen - kam. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Prokop hier an einen Durchzug duch dänisches Gebiet dachte, das damals bereits Jütland in sich begriff.

Weiter zurück weist eine Nachricht des Jordanes (Getica 23): Dani, ex ipsorum (der Scandzae cultores oder der Suetidi?) stirpe progressi, Herulos propriis sedibus expulerunt. Sie bezieht sich wahrscheinlich auf ein Ereignis, das in der zweiten Hälfte des 5. Jhds., etwa 470, stattgefunden hat (s. Heruler). Vorher sind die Dänen nur in Skandinavien zu suchen, und bei der Spärlichkeit und Lückenhaftigkeit älterer Berichte über dieses Land verwundert es nicht, wenn sie in ihnen übersehen wurden.

Vielleicht aber verbergen sie sich auch nur unter einem anderen Namen. In Betracht kommen vor allem die Duciones, die Claudius Ptolemäus (IIII, 16) zusammen mit den Gauten, im Süden der Skandia megale ansetzt. Duciones ließe sich allerdings aus got. gadauka - 'Hausgenosse' deuten, kann aber leicht auch aus Dagciones abgeleitet sein und mit anord. dakk f. aus *dankó - 'Vertiefung in der Landschaft' zusammenhängen, wonach es sich um 'Tal- oder Tieflandbewohner' handeln würde.

Auf diesen Sinn führt noch bestimmter der Name Dánen, Dani, mhd. Tene, aisl. Danir, ags. Dene. Vermutlich besagt Dänen dasselbe wie ags. densaete - 'Bewohner von Tälern oder Ebenen' und gehört mit ags. denu - 'Tal', mnd. dane, denne - 'Niederung' zusammen, vielleicht auch mit deutsch Tenne. Die Dänen können nach ihren Sitzen in den Niederungen des südlichen Schweden so benannt sein.

Ausbreitung

Die Ausbreitung der Dänen von Süd-Schweden aus über die Inseln und Jütland muß sehr rasch vor sich gegangen sein, wenn sie Prokop schon diesseits des Meeres kennt. Doch spricht er von mehreren dänischen Stämmen. Es kam offenbar in dem eroberten Gebiet ganz wie im angelsächsischen England zunächst zur Bildung kleiner Reiche. Aus deren Vereinigung erwuchs, die man mit dem ersten Vordringen des Volkes nicht verwechseln darf, erst der dänische Staat.

Als dessen Kern betrachtet die einheimische Überlieferung Seeland samt den sich unmittelbar anschließenden Inseln Falster, Laaland und Möen, ein Gebiet, das sie unter dem Namen Withesleth - 'Weitfeld' - vgl. anord. slétta, dän. slette, norw. dial. auch slett, schw. slátt - 'Ebene' - zusammenfaßt.

Als späterer Erwerb wird vor allem Jütland bezeichnet, und wie Seeland in Hleidr bei Roeskilde, so hatte dieses in Jellinge seinen eignen alten Königssitz. Dass gerade auf jütländischem Boden auch Volksreste aus vordänischer Zeit zurückgeblieben und danisiert worden sind, zeigen erhaltene Namen wie Thyland (Teutonen), Himberland (Kimbern), Angel (Angeln), Amrum (Ambronen), Schwabstedt (Eidersueben), Harsyssel (Harudes), vielleicht auch Vendsyssel (Vandalen). Vor allem aber leitet sich der Name Jüten selbst von einem ursprünglich anglofriesischen Stamme her.

Südgrenze

Die Südgrenze der Dänen gegen die nordalbingischen Sachsen wurde die Eider; in ihrem Ouellgebiet und weiter ostwärts schied sie ein ausgedehnter Wald, dän. Jarnwith, holstein. Isarnhó genannt, von den wendischen Wagriern. Doch war der Grenzstrich südlich von Angeln nur schwach besiedelt, was auch der Name für ihn, Sinlendi in Thegans vita Hludov (25), Sillende bei Alfred, Orosius (I, I, 12), d. h. 'weites, wüstes Gelände' ausdrückt [1].

An seiner Besiedlung waren von Anfang an Sachsen beteiligt. Über die Bevölkerung der Westküste Schleswigs und der ihr vorlagernden Inseln s. Nordfriesen. Auf skandinavischen Boden gehörte Schonen, Blekinge und Halland zu Dänemark; doch waren vor ihrem Vordringen über Sund und Belt vielleicht auch noch Teile der Smaalande im Besitz der Dänen. Dänisch wurde außerdem Bornholm, die Heimat der Burgunder.

Sonstige Siedlungsgebiete

Dazu kamen dänische Niederlassungen und Staatengründungen in der Wikingerzeit, von denen die auf englischem Boden, wo sie zuerst 787 auftreten, die wichtigsten sind und bekanntlich zu zeitweiliger Angliederung ganz Englands an Dänemark und starker Beeinflussung der englischen Sprache geführt haben. Auch in Irland sind neben Norwegern die Dänen zur Stelle; und wesentlich aus Dänen - aber unter norwegischen Führung - bestehen die „Normannen", denen 911 die Normandie überlassen wurde. Eine dänische Kolonie war ebenso die Jomsburg auf der Insel Wollin.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Deutsche Altertumskunde - Band 5 (Internet Archive). Karl Müllenhoff. Berlin 1870-1908. S. 123

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