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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 08. Juni 2014 als Spotlight vorgestellt.

Die Datierung erfolgte bei den germanischen Völkern im Mittelalter auf fünf verschiedene Arten:

  • Die altrömische Datierungsweise.
  • Die Durchzählung der Tage.
  • Die Consuetudo Bononiensis.
  • Die Nennung des Festes.
  • Die Datierung nach Cisiojacus

Beschreibung

Die altrömische Datierungsweise

Bei der altrömischen Datierungsweise haben in jedem Monat 3 Tage einen bestimmten Namen:

  • Der 1. Tag im Monat heißt in allen Monaten "Kalendae" (Kal.) oder Calendae (Cal.). Kalenden = 'Anfang des Monats'.
  • Der 13. Tag heißt "Idus" (Id.), wogegen in den anderen Monaten der 7. Tag Nonae und der 15. Idus heißt. Iden = 'Mitte des Monats'.

Von diesen Tagen aus wird dann zur Bezeichnung der übrigen Tage rückwärts gezählt und zwar nach römischer Sitte so, dass man den Termin, von dem an gezählt wird, mitrechnet. Der Tag vor einem jener Termine wird durch pridie bezeichnet, der Tag nach einem derselben häufig durch postridie. Man datiert nun in der Regel so, dass zwar auf die Frage "wann ?" Kalendae, Nonae und Idus im Ablativ stehen, die anderen Tag dagegen durch "ante diem" (a. d.), die entsprechende Ordnungszahl und Kalendae, Nonae oder Idus im Akkusativ bezeichnet wurden. Demnach heißen die "Iden des März" (lat. Idibus Martiis) = "am 15. März", ante diem tertium Nonas Maias = "am 5. Mai", pridie Kalendas Januarias = "am 31. Dezember".

Schalttag

Der Schalttag lag auf dem Tag zwischen dem Fest der Terminalia, das auf a. d. VII Kal. Martias, und dem des Regifugiums, das a. d. VI Kal. Martias fiel. Die im Gemeinjahr übliche Benennung der Tage wurde dadurch nicht verändert. Diese beiden Feste behielten auch im Schaltjahr dieselbe Tagesbezeichnung, dagegen bekam der Schalttag (dies intercalaris) den Namen dies bis VI Kal. Martias. Er entspricht allerdings nicht dem 29. sondern dem 24. Februar unserer heutigen Zählung.

Schaltjahr

Datierung RdgA Bd.I S.391

Tabelle zur Umrechnung der Tage des römischen Kalenders auf heutige Datierung (Bröder)

Ein Schaltjahr wird wegen der Bezeichnung des Schalttages als bis sextus: annus bissextus oder annus bissextilis genannt. Die Reduktion der Tage des römischen Kalenders auf unsere heutige Datierung geschieht am bequemsten mittels der von Christian Gottlieb Broeder (1745-1819) herrührenden Tabelle.

Problematiken

Diese Datierungsart wurde, soweit man lateinisch schrieb, im Mittelalter trotz ihrer Unbequemlichkeit niemals ganz aufgegeben, während allerdings die Formel der Datierung mehrfach variiert wurde. Ausdrücke, wie Caput Kalendarum oder dies Kalendarum für den 1. oder in die Iduum für den 13. oder 15. eines Monats und dgl. sind nicht selten. Häufig sind allerdings auch grobe Irrtümer in der Datierung, da die Schreiber sich nicht immer ausreichend mit dem römischen Kalender auskannten.

Die Durchzählung der Tage

Die Durchzählung der Tage ist orientalischen Ursprungs und war lange Zeit im Abendland so gut wie gar nicht gebräuchlich. Diese Datierungsweise drang erst durch, seit man sich auch in der Prosa der modernen Sprachen zu bedienen begann.

Die Consuetudo Bononiensis

Die Consuetudo Bononiensis kam seit dem 11. Jh. in Italien auf und begegnet in Deutschland seit der zweiten Hälfte des 12. Jhds. in deutschen Urkunden eben so häufig, wie in lateinischen. Seit dem Anfang des 15. Jhds. beginnt sie allmählich wieder zu verschwinden. Bei dieser Datierungsweise wird der Monat in zwei Hälften geteilt, so dass die erste Hälfte in den 31-tägigen Monaten die Tage vom 1. bis zum 16. einschließlich, in den 30-tägigen Monaten die Tage vom 1. bis zum 15. und im Februar je nachdem die vom 1. bis zum 14. oder 15. umfaßt.

Dieser erste Teil des Monats heißt mensis intrans, introiens, ingrediens, incipiens, initians oder introitus mensis (- 'Monatsbeginn, Monatseintritt') und wird vorwärts gezählt. Die Tage dieser Monatshälfte werden einfach vorwärts gezählt, und man datiert also z.B. quarto die introitus mensis Martii ('am 4. Tag des Eintritts des März') oder quinto die intrante mense Novembri ('Tag 5 des kommenden / beginnenden Novembers') oder secundo die intrantis Novembris ('2. Tag im Eintritt / Beginn des Novembers'). Die zweite Hälfte des Monats bis zum Schluß heißt mensis exiens, stans, restans, astans, adstans, instans oder in exitu, in fine mensis (- 'Monatsausgang') und wird rücklaufend gezählt. In dieser zweiten Monatshälfte werden die Tage rückwärts gezählt. Es heißt also z. B. in 31-tägigen Monaten der 18. dies XIV exeunte mense ('14 Tage bis zum Ende des Monats'); in 30-tägigen Monaten heißt so der 17. und im Februar der 15. resp. 16.

Der vorletzte Tag heißt immer penultimus dies, der letzte ultimus. Octavo die restantis mensis Maii heißt also 'am 24. Mai', VIII die exitus mensis Septembris = 'am 23. September', die XII exeunte Februario bezeichnet im Gemeinjahr den 17. Februar, im Schaltjahr den 18. Um die Tage der zweiten Monatshälfte auf unsere heutige Zählung zu reduzieren, addiert man 1 zu der Zahl der Tage des betreffenden Monats und subtrahiert die Tageszahl des mensis exiens. Der Rest gibt das gesuchte Monatsdatum.

Die Nennung des Festes

Die Nennung des Festes, auf das der Tag fällt, bzw. die Nennung des Wochentages unter Angabe des Festes oder Heiligentages, vor oder nach dem dieser Tag fällt ist die volkstümlichste Art der Datierung und im ganzen Mittelalter in Gebrauch gewesen. Vgl. Festzeiten. Die mittelalterlichen Wochentage sind:

  • Sonntag: feria dominica, feria prima, dies Solis, lux Dei, Frontag, Sunnetac.
  • Montag: feria secunda, dies Lunae, Montac.
  • Dienstag: feria tertia, dies Martis, Eritag, Erchtag, Zistag, Zinstag u.s.w., Aftermontag.
  • Mittwoch: feria quarta, dies Mercurii, Wodenstag, media septimana, Mittwochen.
  • Donnerstag: feria quinta, dies Jovis, Phinstag.
  • Freitag: feria sexta, dies Veneris, Fro Venustag, Fridach.
  • Sonnabend: dies Saturni, Sambestag, Sunnabend.

Bei der Festbezeichnung sind folgende stehende Ausdrücke erwähnenswert:

  • Festum, dt. fest, hôhgezîte, dult, wird jeder grössere Feiertag genannt.
  • Vigilia, pervigilium, dt. abend, vorabend, bannfasten;
  • dies pro festo, profestum, dt. vorfest, vorfir, vorhochtid, der foddere tagh bedeutet den Tag vor einem Fest.
  • Vigilia vigiliae, praevigilia, vorfirabend kommt regelmässig bei Weihnachten, Pfingsten und Allerheiligen, einzeln bei anderen größeren Festen vor.
  • Die crastino, sequenti die, proximo die, am lateren dage, morgens, mornentz heißt immer "am unmittelbar folgenden Tag nach dem Fest".
  • Octava, der achte Tag ist insofern der achte Tag nach einem Fest, da stets Anfangs- und Endtermine mitgezählt werden.

Die Datierung nach Cisiojacus

Die Datierung nach Festen und Heiligentagen nach dem sog. Cisiojacus oder auch Cisiojanus kam erst um die Mitte des 13. Jhds. auf und blieb bis in die Frühe Neuzeit im Gebrauch. Seit dem 14. Jh. war diese Art der Datierung vielverbreitet. Sie erfolgte mit Hilfe des Cisiojanus, d.h. aus den Anfangssilben der größeren Festtage und willkürlichen Einschüben zusammengestoppelter Memorierverse. So enstand ein Merkgedicht, das bei der Datierung der unbeweglichen Heiligen- und Kirchenfeste half. Es gibt zahlreiche Fassungen des Cisiojanus, oft sind diese in einem lautmalerischen Pseudolatein geschrieben.

Der erste Druck des "Cisio Janus" erfolgte in Augsburg 1470 und der Anfang lautet:

Cisio Janus Epi sibi vindicat Oc Feli Mar An
Prisca Fab Ag Vincen Ti Pau Po nobile lumen.

Das heißt:

  • Cisio Janus (Fest der Beschreibung am 1. Januar) epi (Epiphaniasfest am 6. Januar) sibi vendicat oc (die auf Epiphanias folgenden Octaven) feli marc an (die Feste des St. Felix, Marcellus und Antonius am 14., 16. u. 17. Januar) [1]
  • Bzw.: Der Januar macht Anspruch auf das edle Licht der Beschneidung Christi, circumcisio, (1), auf Epiphania (6), Oktava Domini, d.h. Weihnachtsoktave (1), St. Felix (14), St. Marcellus (16), St. Anton eremita (17), St. Prisca (18), St. Fabianus et Sebastianus (20), St. Agnes (21), St. Vincentius levita (22), St. Timotheus (24), St. Pauli conversio (15), St. Polycarpus (26).

Der "Cisio Janus" wird mehrfach als Unterrichtsgegenstand erwähnt und wurde öfters in deutsche Verse übertragen; da lautet z.B. der April:

Aprill und Bischof Ambrosius
Faren doher und sprechen alsus.
Die Ohren wellen Tirburtium bringen,
So wil Valerianus das Alleluja singen.
Sprechen Jörg und Marx zur Hand,
Wüsste das Petermeylant. [2]

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Pierer's Universal-Lexikon, Band 9. Altenburg 1860, S. 233-236.
  2. Grotefend, Handbuch der historischen Chronologie. Hannover 1872. §. 11–17.

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