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Die Edda

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Crystal keditbookmarks.png Dieser Artikel wurde am 17. Juli 2012 als Spotlight vorgestellt.

Als Die Edda werden zwei verschiedene auf Altisländisch verfasste literarische Werke bezeichnet, die Lieder-Edda und die Snorra-Edda. Beide Eddas wurden im 13. Jahrhundert im bereits christianisierten Island verfasst und behandeln beide zum Teil nordische Götter- und Heldensagen, doch sind sie unterschiedlichen Ursprungs und literarischen Charakters [1].

Unterscheidung

Auf Grund der Annahme, dass die Texte der Lieder-Edda zum Großteil Snorri schon bekannt waren, wird die Lieder-Edda oft auch als „Ältere Edda“ und die Snorra-Edda als „Jüngere Edda“ bezeichnet. [2].

Lieder-Edda / Ältere Edda

Das zweite Werk, die Lieder-Edda, wurde erst im Spätmittelalter so benannt, doch bürgerte sich dieser Name ein [3] und gilt als die bekanntere Edda: Um 1270 wurde auf Island eine Sammlung Lieder unterschiedlichen Alters niedergeschrieben; einige der von Snorri zitierten Strophen stimmen fast wörtlich damit überein. Die Lieder-Edda wurde früher auch Sämund-Edda genannt und ist eine Sammlung von Dichtungen unbekannter Autoren. Inhaltlich werden mythische Motive, der Götterlieder aus der Nordischen Mythologie behandelt, sowie die Heldenlieder. In den Heldenliedern werden Stoffe aus der Germanischen Heldensage wiedergegeben. Die Spanne reicht von dem historischen Kontext enthobenen Personen der Völkerwanderungszeit, dem sog. Heldenalter, bis zu nordischen Bearbeitungen der Nibelungensage.

Inhalts-Übersicht

Die Lieder-Edda enthält 16 Götter- und 24 Heldenlieder. Nachfolgend eine Liste aller im Codex Regius enthaltenen Lieder und Gedichte:

  1. Götterlieder
    1. Völuspa (Der Seherin Weissagung)
    2. Hāvamāl (Des Hohen Lied)
      1. Teil Das alte Sittengedicht
      2. Teil Billings mey (Billungs Maid)
      3. Teil Suttungs mey (Suttungs Maid)
      4. Teil Loddfáfnismál (Loddfafnirs Lied)
      5. Teil Rúnatal þáttr Óðinn (Odins Runenlied)
      6. Teil Ljóðatal (Die Aufzählung Runenlieder)
    3. Vafthrudhnismal (Das Lied von Vafthrudnir)
    4. Grimnismal (Das Lied von Grimnir)
    5. Skirnismal (Skirnirs Ritt)
    6. Harbarghsliodh (Das Harbard-Lied)
    7. Hymiskvidha (Das Lied von Hymir)
    8. Lokasenna (Lokis Zankreden) oder Oegisdrecka (Oegirs Trinkgelage)
    9. Thrymskvidha oder Hamarsheimt (Das Thrym-Lied oder Des Hammers Heimholung)
    10. Völundarkvidha (Das Wölund-Lied)
    11. Alvissmal (Das Alvislied)
  2. Nicht im Kongungsbók (Codex Regius) enthaltene Götterlieder
    1. Hrafnagaldr Odhins (Odins Rabenzauber/wörtl. Rabengalster )
    2. Vegtamskvidha oder Baldrs draumar (Das Wegtamslied oder Balders Träume)
    3. Svipdagsmal
      1. Grogaldr (Groas Erweckung)
      2. Fiölsvinnsmál (Das Lied von Fiölswidr)
    4. Rigsthula / Rigsmâl (Rigs Merkreihe)
    5. Hyndluliodh (Das Hyndlalied)
      1. Völuspa in skamma - Die kurze Weissagung der Völva
    6. Grottasöngr (Grottis Gesang)
  3. Heldenlieder
    1. Die Helge-Lieder
      1. Helgakvidha Hjörvardhssonar (Das Lied von Helgi dem Sohn Hjörwards)
      2. Helgakvidha Hundingsbana fyrri (Das erste Lied von Helgi dem Hundingstöter)
      3. Helgakvidha Hundingsbana önnur (Das zweite Lied von Helgi dem Hundingstöter)
    2. Die Nibelungenlieder
      1. Sinfiötlalok (Sinfjötlis Ende)
      2. Sigurdarkvidha Fafnisbana fyrsta edha Gripisspa (Das erste Lied von Sigurd dem Fafnirstöter oder Gripirs Weissagung)
      3. Sigurdharkvidha Fafnisbana önnur (Das zweite Lied von Sigurd dem Fafnirstöter), auch Reginsmál (Lied von Reginn) genannt.
      4. Fafnismal (Das Lied von Fafnir)
      5. Sigrdrifumal (Das Lied von Sigrdrifa)
      6. Brot af Brynhildarkvidha (Bruchstück eines Brynhildenliedes)
      7. Sigurdarkvidha Fafnisbana thridja (Das dritte Lied von Sigurd dem Fafnirstöter)
      8. Helreidh Brynhildar (Brynhilds Helfahrt)
      9. Gudhrunarkvidha in fyrsta (Das erste Gudrun-Lied)
      10. Drap Niflunga (Mord der Niflunge)
      11. Gudhrunarkvidha in önnur (Das zweite Gudrun-Lied)
      12. Gudhrunarkvidha in Thridhja (Das dritte Gudrun-Lied)
      13. Oddrúnargrátr (Oddruns Klage)
      14. Atlakvidha (Das alte Atli-Lied)
      15. Altlamal (Das jüngere Atli-Lied)
    3. Die Ermanarich-Lieder
      1. Gudhrunarhvöt (Gudruns Aufreizung)
      2. Hamdhismal (Das Lied von Hamdir)
  4. Nicht im Kongungsbok (Codex Regius) enthaltene Heldenlieder
    1. Hlödhskvidha - Das Hunnenschlachtlied
    2. Hervararljodh - Das Herwörlied
  5. Weitere, nicht im Kongungsbók (Codex Regius) überlieferte Texte:
    1. Solarliodh Das Sonnenlied

Snorra-Edda / Jüngere Edda

Die Snorra-Edda oder „Prosa-Edda“ wurde um 1220 von Snorri Sturluson unter Verwendung alter Überlieferungen für den norwegischen König Hákon Hákonarson und den Jarl Skúli zusammengestellt. Es ist ein Lehrbuch für Skalden und gliedert sich in drei Teile, deren beiden erste die mythologischen und sagenmäßigen Grundlagen der Skaldendichtung unter Benutzung alter mythologischer Lieder und Heldenlieder in Prosa nacherzählen; der dritte Teil, das „Strophenverzeichnis“, bringt für jede Strophenform eine Beispielstrophe. In dieses Werk schiebt er oftmals als Beispiele einzelne Strophen oder kurze Strophenfolgen aus alten Liedern ein. So werden hier quasi nebenbei Lieder von ungewissem Alter überliefert.

  • die Gylfaginning („Täuschung des Gylfi“), in der die nordische Götterwelt ausführlich dargestellt wird;
  • die Skáldskaparmál („Lehre von der Dichtung“, wörtlich „Skaldschaft“), einen Lehraufsatz für Skalden. Er bezieht sich dabei auch auf die Lieder-Edda, und zitiert aus ihnen Verse und Strophen. In den Skáldskaparmál werden unter anderem die Kenningar erläutert, dichterische Wortumschreibungen, die meist auf Geschehnisse der Göttersagen anspielen;
  • das Háttatal („Strophenverzeichnis“), das für jede Strophenform eine Beispielstrophe bringt. Diese Strophen, die Snorri selbst dichtete, ergeben zusammen ein Preislied auf König Hákon und Jarl ('Herzog') Skuli.

Beschreibung

Die Snorra-Edda enthält eine Darstellung der altnordischen Mythologie und eine Erläuterung der altnordischen Dichtkunst, das Ganze dialogisch eingekleidet, wobei die Sagenmotive vom Besuch des Gylfi bei den Asen (Gylfaginning) und von dem Göttergastmahl bei Egir (Skáldskaparmál) die Rahmen hergeben. Doch wird die phantasievolle Einkleidung allmählich aufgegeben, so dass der dritte Teil (Háttatal) größtenteils schmucklose Erörterung ist: hier schienen die kunstvollen Strophen des Beispielgedichts Schmucks genug.

Im Gylfaginning bilden Rahmen und Inhalt noch eine Einheit: die Reihenfolge und Auswahl der Themen ergibt sich aus dem menschlich belebten, höflichen Gespräch. Die Kunst des Verfassers bringt es dahin, dass hierbei eine gute Ordnung entsteht: erst das Dogmatische - woran dem skeptischen Gast am meisten gelegen ist -, dann Göttersagen, die in der Eschatologie gipfeln. Ähnlich ist es im zweiten Teil (Skáldskaparmál) erst werden die Kenningar erläutert, dann folgen Beispiele. Das Gegenüber von Erzähler und Frager führt zu einer doppelten Beleuchtung der Götter: sie erscheinen groß und herrlich in den Augen ihrer Verehrer, zeigen aber gleichzeitig ihre Kleinheit und Schwäche, weil der Gast bei allem Interesse und humanen Eingehen auf den Mitteilungsdrang seiner Wirte doch deutlich das eigene Urteil wahrt und gelegentlich den Erzähler in Verlegenheit setzt. [4]

Überlieferung

Der älteste und wichtigste Textzeuge der Lieder-Edda ist der vermutlich um 1270 niedergeschriebene Codex Regius der Lieder-Edda. Unregelmäßigkeiten der Orthografie zeigen, dass der Codex auf einer Vorlage in der Schreibweise der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts basiert. Ältere Spuren von zumindest schriftlicher Tradition finden sich nicht. Belege wie Schnitzereien in norwegischen Stabkirchen oder eine Darstellung auf dem schwedischen Runenstein von Ramsundberg (ca. 1030) zeigen allerdings, dass der schriftlichen Aufzeichnung zum Teil Jahrhunderte mündlicher Überlieferung vorangingen. Welche Veränderung die älteren Lieder in dieser Zeit erfahren haben, ist allerdings unbekannt. Die jüngsten Lieder stammen aus dem 12. oder 13. Jahrhundert.

Literatur

  • Gustav Neckel (Herausg.): Edda. Die Lieder des Codex Regius nebst verwandten Denkmälern. Bd 1. Text., 5. verbesserte Auflage von Hans Kuhn. Germanische Bibliothek. Reihe 4, Bd 9. Texte. Carl Winter, Heidelberg 1936, 1962, 1983, ISBN 3-533-03080-6.
  • Die Edda. Nach der Übersetzung v. Karl Simrock neu bearb. u. eingeleit. v. Hans Kuhn. 3 Bde. Reclam, Leipzig 1935–1947, Stuttgart 1997, 2004, ISBN 3-15-050047-8.
  • Die Edda (Simrock 1876). Die ältere und jüngere Edda und die mythischen Erzählungen der Skalden]]. Übersetzt und mit Erläuterungen versehen von Karl Simrock. Cotta, Stuttgart 1851, 1896 (10. Aufl.), Phaidon, Essen 1987, Weltbild, Augsburg 1987, Saur, München 1991 (Mikrofich), ISBN 3-88851-112-7, ISBN 3-598-52753-5.

Weblinks

Quellen

Wikipedia
Dieses Dokument basiert in seiner ersten oder einer späteren Version auf dem Artikel „Edda“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 15. Jun. 2012‎ und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Einzelnachweise

  1. Rudolf Šimek: Die Edda. C.H.Beck, 2007, S.7
  2. Rudolf Šimek: Die Edda. C.H.Beck, 2007, S.45.
  3. Rudolf Šimek: Die Edda. C.H.Beck, 2007, S.8.
  4. Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Band 4. Johannes Hoops, 1918-1919. Art. Snorri Sturluson

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