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Ein weit verbreiteter germanischer Volksglaube war der von der Wilden Jagd oder auch Wotans Wilder Jagd, dem Wütenden Heer und seinem Führer, der als Wilder Jäger, Schimmelreiter, Breithut, Hackelberg, Nachtjäger, Palne Jäger, Bandietrich, Kong Volmer usw. erscheint und in dem man stets Wodan wiederfindet.

Beschreibung

Unter den zahlreichen Volkssagen gibt es kaum eine grauenhaftere und verbreitetere als die vom Wütenden Heer, jener gespenstigen Erscheinung, die bei stiller Nacht über dem Haupt des entsetzten Wanderers dahinbraust. Die abenteuerlichsten Gestalten ziehen mit feurigen Augen und rasselnden Gliedern in hoher Luft daher und heulendes Hundegebell, mit andern fürchterlichen Klängen vermischt, begleitet sie.

Gewöhnlich geht der wüste Zug von irgendeinem verfallenen, von dichtem Forst umgebenen Gebäude aus und streift über die Baumwipfel, die, gleich beseelten Wesen, sich scheu vor ihm zurückbeugen. Der finstere Schwarzwald sowohl, als der Odenwald kennt diese wilden Töne und hört sie um Mitternacht über seinen Föhren und Eichen; aber die eigentliche Heimat des Spuks ist der Harz. Dort wird er zur wilden Jagd, der die schaurige Tut-Ursel, eine düstere Frauengestalt, warnend voranschwebt und auf schwarzem, flammenschnaubendem Ross folgt ihr der totenblasse Hackelberg, der wilde Jäger, der Führer des wütenden Heeres. [1]

Beim Mythos um die "Wilde Jagd" des wütenden Heeres und seinem Führer, dem wilden Jäger, verschmilzt alte Überlieferung mit dem Wandel im Laufe der Zeit. Die Vorstellung vom reinen, führerlosen Totenheer in der Wilden Jagd oder dem wütenden Heer ist allerdings älter, wie ein Vergleich mit der Glaubensgeschichte anderer Völker lehrt, und erst nach engerem politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluß wurde der Schar ein Führer (Odin / Wotan) gegeben, der im Laufe der Zeit bei einigen germanischen Stämmen sein Machtgebiet wesentlich erweiterte und in den Mittelpunkt des Kultes trat.

Aber auch danach bestand der Glaube an das führerlose Heer noch fort und zugleich auch der Trieb, dieser Schar einen Führer zu geben. Deshalb können jene Gestalten des Volksglaubens, zumal wenn sie die Namen historischer Personen tragen, auch unabhängig vom alten Wodansglauben noch in relativ später Zeit im Volksglauben entstanden sein. Und dasselbe gilt auch von den weiblichen Führerinnen des Seelenheeres wie Frau Holle, Frau Harke, Perchta und anderen.

Herkunft des Totenheeres

Zu allen Zeiten und in allen Gegenden germanischen Gebietes erregte die Angst vor der Wiederkehr der Toten die Phantasie der Menschen. Fast kein Ort, wo es nicht Gespenstersagen gibt. Unter diesen sind die Verbreitetsten die Sagen vom "Wuotes" oder "wütenden Heer", denen sich die von der wilden Jagd und dem wilden Jäger mit seinem Gefolge zur Seite stellen.

Sie lassen sich zeitlich bis ins 13. Jhd zurück verfolgen. Dass der Glaube an diese Gespensterschar allerdings wesentlich älter ist, beweist das Zeugnis des Tacitus (Germania, 43), nach dem die Harier mit ihren schwarzen Schilden und gefärbten Leibern das Totenheer, den exercitus ferialis, nächtlicherweile nachahmten, um ihren Feinden Schrecken einzujagen.

„Die Harier ferner [...], finsteren Wesens, steigern die inwohnende Wildheit noch durch Kunst und Zeit: schwarze Schilde, gefärbte Leiber; für die Schlachten wählt man dunkle Nächte, und schon durch die Schauerlichkeit und das Schattenwesen solchen Heeres wie aus dem Totenreich flößen sie Schrecken ein, daß keiner der Feinde den schauerlichen und gleichsam höllischen Anblick aushält...“

Tacitus: Germania, 43 [2]

Diese Gespensterschar ist das Wód, das noch heute in Ober- und Niederdeutschland (hier vielfach kollektiviert als der Wode) fortlebt. Für dieses Heer entstand Wodan als Führer, der zunächst etwas Dämonisches bzw. Geisterhaftes in seinem Wesen hatte.

Wotans Wütendes Heer

Wotans ursprüngliche Funktion war also die des Führers des Totenheeres; erst als er dann als Seelenführer in den Mittelpunkt der Verehrung trat und sich sein Machtgebiet dadurch erweiterte, wuchs mit ihm zugleich die Bedeutung des Begriffs „Asen". Wie der Träger des Namens zum höheren Wesen wurde, dem bei allen wichtigeren Gelegenheiten Opfer und Gebet galten, so bekam auch das Wort "Ase" die Bedeutung Gottheit bzw. Gott. [3]

Ein lebendiges Bild von Odin in seiner mehr geisterhaften Gestalt als Totenführer gewähren erst die nordischen Quellen. Doch muß er auch hier bereits sehr alt sein, wie die weitverbreitete Sage vom Odinsjæger bezeugt (Dania VIII 139 ff.), und früh mag er von den Germanen zu den benachbarten Lappen gewandert sein, deren Gott Rota das meiste von ihm angenommen hat.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Damen Conversations Lexikon, Band 5. 1835, S. 104-106.
  2. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.
  3. Hoops. aaO. RdgA, Bd. 1, S. 130.

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