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Während der ersten zwei Jahrhunderte des Frühmittelalters (6. / 7. Jhd.) verteilen sich die Runenurkunden über die nordischen Länder so, daß sie in Dänemark beinahe vollständig fehlen, dagegen in Norwegen und besonders in den damals westlichsten und südlichsten Provinzen Schwedens (Westgotland und Blekinge) nicht allzu selten sind. Wenn daher im Frühmittelalter seit etwa 800, eine stetig wachsende Anzahl Urkunden in Dänemark auftreten, so scheint es, als ob die Runenschrift in diesem Land durch den Einfluß der Nachbarländer aufs neue zur Anwendung gelangt sei.

Beschreibung

Sicher ist, daß die Sitte, Inschriften auf Bautasteinen anzubringen, in der erwähnten Zeit von Norwegen und Schweden aus, wo dieser Brauch alt war, in Dänemark eingeführt wurde. Für einen starken Einfluß von den genannten Ländern aus spricht auch die Form der k-Rune, welche in Dänemark in der Zeit von 400-600 gleich der angelsächsischen Grundform war, während sie gleichzeitig in Schweden und Norwegen Y war, welches nach etwa 700 wurde.

Durchmustert man das Aussehen der Runenschrift im Norden etwa um das Jahr 800 und um die Zeit unmittelbar nachher, so findet man in Norwegen und Dänemark ein 16-typiges Runenalphabet mit alten Formen für die h- und m-Rune — ᚺ und ᛗ — und ᚫ und ᚭ für die a-Rune (nasaliertes a) und mit ᚼ und ᛅ für die a-Rune. Als Beispiele solcher Inschriften mögen für Dänemark die Steine von Kallerup, Snoldelev und Helnses, für Norwegen diejenigen von Vatn, Tveito, Valdby und Kirkebö (der letztere von den Färöern) angeführt werden. In Dänemark werden um 900 die alten h- und m-Typen durch ᚼ und ᛅ abgelöst. So auf den Steinen von Nörre-Naerä, Glavendrup und Tryggevaelde.

Rökrunen

Runenstein von Rök RdgA B4-Abb.5-19.jpg

Der Runenstein von Rök

In Norwegen treten seit 800-850 Runen mit stark vereinfachten Formen auf von einem Typus, der nach der bemerkenswertesten Inschrift, die mit diesen Runen eingeritzt ist, dem Runenstein von Rök in Ostgotland, Rökrunen genannt werden. Diese Runen findet man schon auf Gegenständen in dem berühmten Osebergschiff von spätestens 850 und dem Gokstadschiff von ca. 900. Aber gleichzeitig treten die Rökrunen in Schweden auf — die ältesten in Urkunden von Ostgotland, z. B. dem eben erwähnten Röker Stein, der der Zeit zwischen 850 und 900 angehören dürfte. Nach Ostgotland sind diese Runen wahrscheinlich von Gottland gekommen, obwohl man dort keine ebenso alten Inschriften fand. Ob die Runen vom Rök-Typus in Norwegen oder auf Gotland entstanden sind, läßt sich nicht ausmachen.

Im östlichen Schweden sind die Rökrunen die einzigen, die während des 9. und 10. Jahrhunderts vorkommen, werden aber in den Hauptgauen im Anfang des 11. Jhs. von den eindringenden dänischen Runen verdrängt, die im 12. Jhd. durch das vollständig punktierte Runenalphabet ersetzt werden.

In Norwegen erhalten die Rökrunen eine sehr große Ausbreitung und behaupten ihren Platz im großen und ganzen, bis sie auch hier ca. 1100 oder etwas später von dem vollständig punktierten Alphabet abgelöst werden. Doch werden in Norwegen einzelne Runen gegen die eindringenden dänischen Typen ausgetauscht, welche aber in den verschiedenen Urkunden sehr verschieden auftreten. In Dänemark sind die genannten dänischen Runen während der ganzen eigentlichen Runensteinzeit - während des 10. und der ersten Hälfte des 11. Jhs. - die einzig gebräuchlichen.

Herkunft der 16-typigen Runenreihe

Die 16-typigen Runenreihen waren das Resultat einer Umgestaltung der Schrift, da die Anzahl der Zeichen während des 7. und 8. Jhs. abnahmen, während die Anzahl der Sprachlaute gleichzeitig bedeutend zunahm. Derjenige, der die schwedisch-norwegischen Runen anwendet, hat also dieselben mißlichen Probleme zu lösen wie derjenige, der sich der dänischen bedient: mit einer geringeren Anzahl von Zeichen eine Mehrzahl von Lauten wiederzugeben. Es gab offenbar keinen andern Ausweg, als ein und dasselbe Zeichen zur Darstellung mehrerer Laute zu verwenden.

In Norwegen dürfte ca. 1100 oder etwas später durch eine Auswahl und eine Zusammenarbeitung der schwedisch norwegischen und der dänischen Runen das vollständig punktierte Runenalphabet, auf dem lateinischen aufgebaute Alphabet entstanden sein. Dieses Alphabet wird bald allgemein angewendet als Schrift der volkstümlichen Kultur sowohl in Norwegen wie in Dänemark und Schweden, hält sich lebenskräftig das ganze Mittelalter hindurch und wird in gewissen Gegenden noch bis weit in die Neuzeit angewendet.

Quellen

Einzelnachweise

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